Wir alle sollen verschlüsseln. Am besten alles, und jederzeit. Schließlich wollen wir ja nicht, dass die NSA oder gar der BND unsere Mails liest oder die Passwörter zu unseren Blogs kennt, oder? Unabhängig von der Problematik, einen massiven Verstoß gegen die Bürgerrechte so achselzuckend abzutun, „man kann ja eh nichts machen“, und nur noch eine komplizierte Form von Selbstschutz als Alternative anzugeben, gibt es auch Probleme mit dem PGP-everything-Mantra: Wie komme ich an den Key meines intendierten Kommunikationspartners? Und woher weiß ich, dass es wirklich der richtige Key ist?
Anlass für diesen Artikel ist eine Reihe von gefälschten PGP-Keys (u.a. 1, 2, 3, 4), die als Proof of Concept erstellt und in den größten Keyserver-Pool geladen wurden. Diese Fakes sind noch relativ offensichtlich, da sie nur eine Identität (E-Mail-Adresse) enthalten und nur selbst-signiert sind. Es wäre aber kaum mehr Aufwand, ein Netz an falschen Identitäten zu erstellen und damit andere falsche Keys zu signieren. Die von PGP-Erfinder Phil Zimmermann vorgesehen Lösung für diese Probleme ist das sogenannte „Web of Trust“, das Vertrauensnetz. Die Theorie ist, dass alle nur Keys signieren, wenn sie die Identität ihrer Besitzer geprüft haben, und dass man andererseits nur den Signaturen von Menschen traut, deren Keys von jemandem signiert wurden, den man kennt, und so weiter.
Gleichzeitig empören wir uns darüber, dass diverse Geheimdienste unsere Verbindungsdaten analysieren, um herauszufinden, mit wem wir häufig kommunizieren, wen wir kennen, wem wir vertrauen. Das Web of Trust liefert diese Daten frei Haus. Die PGP-Key-Signing-FAQ schreibt dazu nur „Remember that signing a person’s key says nothing about whether you actually like or trust that person or approve of his/her actions.“
In einer Welt, in der Verbindungen verdächtig sind, klingt das hohl. Als Ergänzung oder Alternative zum Signieren kann – und sollte – man seinen Key daher auch auf mehreren Wegen zur Verfügung stellen. Außerdem sollten Keys von Kommunikationspartnern immer auf verschiedenen Kanälen verifiziert werden, z.B. per Mail und Telefon, oder Twitter und einen Chatkanal etc.
Wer mir verschlüsselte Nachrichten schicken möchte, kann den Key 0x79ACF996 verwenden, der von Keyservern, von Dropbox und von diesem Server abgerufen werden kann. Die ID kann gerne auf anderen Kanälen nochmal verifiziert werden.
- Für Mac-Nutzer: GPGtools
- Für Windows-Nutzer: GPG4win
- Für alle: Nicht das Feld räumen, aber Privatsphäre ist eh keine Lösung
