Erfahrungsbericht unu Scooter – Teil 5: Ein letztes Aufbäumen

unu Scooter mit Fehlermeldung

Im vorigen Teil gab es einen neuen Roller, mehr Probleme, und dann die Ankündigung eines neues Steuergeräts, das “die Probleme dann aber auf jeden Fall beheben sollte”. Heute kommt die Saga zu einem zumindest vorläufigen Abschluss.

Nach einem erfreulichen offenen Gespräch mit einer sehr freundlichen und hilfsbereiten Person aus der unu-Technik soll bei meinem bereits einmal komplett getauschten Scooter das Steuergerät ersetzt werden. Ich bin zwar recht sicher, dass es nicht daran liegt, aber zu einem neuen Steuergerät sage ich nicht nein. Wir suchen gemeinsam eine Werkstatt aus, unu bestellt das Teil direkt dorthin. Wenige Tage später ist das Teil schon eingetroffen und ich telefoniere mit der Werkstatt, um einen Termin zu vereinbaren. In wenigen Tagen kann ich am frühen Abend vorbeikommen, der Tausch soll dann sehr schnell gehen.

Ich fahre erst zur falschen Werkstatt, da ich mir nur die Anschrift aufgeschrieben habe, aber nicht den Namen notiert. So stehe ich erst kurz nach Ladenschluss in einem Autohaus und blicke in sehr verwirrte Gesichter, als ich was von einem Roller erwähne. Eine kurze Google-Suche weiter fahre ich auf die Rückseite des Geländes. Kurz hallo sagen, Roller rein, Hebebühne rauf, bisschen reden, bisschen umschauen, das Steuergerät ist unter dem Fußbrett verschraubt, der Tausch geht tatsächlich sehr schnell.

Hinter der Werkstatt stehen eine Menge andere unus, sowohl Classic als auch die neuen Scooter, aber die hätten verschiedene andere Probleme, nur einer davon vielleicht das gleiche “Electrical Issue” wie meiner. Das Steuergerät frisch getauscht, fahre ich nach Hause. Der Akku darf über Nacht voll laden, um am nächsten Tag keinen unnötigen Stress zu haben.

Die Fahrten ins Büro und zurück am nächsten Morgen verlaufen ereignislos, da die Strecke recht kurz ist. Ich möchte aber nicht wieder von einem Ausfall überrascht werden und entscheide mich, eine dedizierte Testfahrt zu machen. Über die letzten paar Male habe ich mir eine ziemlich genaue Hypothese erarbeitet: dass der Roller bei etwa 35% Akkustand nicht mehr voll beschleunigen lässt, weil die Zellen ihre Spannung nicht halten können, bis die Steuerelektronik dann bei etwa 20% Akkustand in den “Akkustand niedrig”-Modus geht und den Strom aktiv reduziert – ab da kann man dann nur noch voll beschleunigen, weil sonst zu wenig Strom fließt. Ich plane grob eine Strecke und fahre los, es ist früher Abend.

Wie erwartet geht es relativ lange gut voran. Als der Akkustand auf etwa 40% fällt, schaue ich besonders genau hin. Und tatsächlich tritt wie erwartet bei ziemlich genau 35% – man kann den Ladestand bei der Fahrt nicht exakt ablesen – das selbe Problem auf: Dreht man den “Gasgriff” mehr als ein Drittel des Wegs auf, beschleunigt der Roller abrupt nicht mehr. Dabei gibt es immer ein leises Geräusch, das ein bisschen wie eine auslösende Sicherung klingt. Wenn man den Gasgriff dann aber kurz loslässt und vorsichtig anzieht, kann man weiter fahren und sich auch langsam auf die volle Geschwindigkeit hocharbeiten. Das geht so lange, bis die Elektronik selbst den Akkustand moniert, bei etwa 20%: Ab dann fällt die Beschleunigung abrupt aus, wenn man den Gasgriff nicht schnell auf Anschlag bringt.

Ich fahre kleine Kreise in der Nähe meiner Wohnung, bis der Akkustand auf unter 20% fällt. Die Probleme traten exakt so weiter auf wie vorher. Der Tausch des Steuergeräts hat also nichts gebracht außer noch mehr Verwirrung über den Kilometerstand – der wird nämlich nur dort gespeichert und kann offenbar auch nicht kalibriert werden. Als ich am Ende der Testfahrt zuhause ankomme, hat der Roller etwas über 70km auf dem Odometer.

Der Akku darf wieder voll laden. unu bekommen noch am selben Abend eine Mail. Diesmal braucht die Antwort nicht besonders lang, ist aber leider auch nicht besonders ermutigend: Das Problem würde weiter untersucht, so lange möge ich vermeiden, den Akku unter 35% runter zu fahren, man wisse, dass das die Reichweite stark einschränke, und bittet um Verständnis.

Die angegebene Reichweite des unu Scooter mit einer Akkuladung liegt bei 50km – realistisch sind eher 40 bis 45km, je nach Fahrweise und Zuladung. Wenn jetzt nur zwei Drittel des Akkus nutzbar sind, sinkt die effektive Reichweite auf unter 30km – das wäre für meinen früheren Arbeitsweg schon knapp geworden.

In der folgenden Zeit nutze ich den Roller dann auch nur für kürzere Fahrten: Zum Büro und zurück, mal im Kiez essen abholen, einmal durch die halbe Stadt um Freunde zu besuchen, aber immer mit voller Akkuladung zu Fahrtbeginn. Es ist nicht schön, aber es geht.

So lange, bis es nicht mehr geht.

Am Donnerstag, dem 15. Juli, habe ich am späten Nachmittag ein auswärtiges Meeting in etwa 10km einfacher Entfernung, die Hinfahrt ist ereignislos und macht so viel Spaß wie eine Fahrt in Berlin im Feierabendverkehr kann (irgendwann verstehen Autofahrende vielleicht, dass mit überhöhter Geschwindigkeit überholen, schneiden, abdrängen, rote Ampeln überfahren und all das Getue ihnen übers Jahr nur wenige Minuten spart, aber der Stress sie krank macht, ich bin sicher). Kurz nach meiner Ankunft kommt das angekündigte Gewitter, das ich aussitze. Als die Straße und vor allem aber die Luft wieder trocken ist, mache ich mich auf den Rückweg.

Nach 2/3 des Rückwegs fährt der Roller an einer Ampelkreuzung nicht mehr an. Der Akku steht noch bei deutlich über 35%, aber das Problem scheint erst mal ähnlich, auch vom Klang. Das Display zeigt diesmal aber sofort ein “Electrical Issue” an. Ich schiebe den Roller noch bevor die Autos hupen können an den Straßenrand und dann auf den geräumigen Gehweg. Dann versuche ich noch einmal den Gasgriff und bekomme einen Sekundenbruchteil Beschleunigung, bevor wieder die Fehlermeldung erscheint. Ab da tut der Gasgriff nichts mehr: Das Display zeigt zwar an, dass Strom fließt, aber der Motor tut keinen Mucks. Auch ein Zu- und Aufschließen, Öffnen und Schließen des Sitzfachs, und Umdrehen der Batterie bringen keine Besserung.

Mit einem Mietscooter von emmy fahre ich den Rest des Wegs nach Hause, komme mit Verspätung zum gemeinsamen Kochen an, muss aber vorher wenigstens noch die Grundzüge einer Mail an unu vorbereiten. Ich versuche auch, anzurufen, aber die Geschäftszeiten sind natürlich schon vorbei. Ich sende die Mail noch nicht sofort ab – erst nach dem Essen, weniger akut genervt, schreibe ich eine kurze, neue, die eine Problembeschreibung und den Standort des Rollers enthält.

Am nächsten Tag ruft unu zurück, ich fasse nochmal zusammen, und informiere sie, dass ich wegen Mängeln vom Kauf zurücktreten werde: Das ist jetzt der vierte Reparaturversuch, und ich habe nicht den Eindruck, dass man der Ursache des Problems irgendwie näher gekommen ist, noch, dass das Problem überhaupt ordentlich zu lösen ist, ohne die Elektrik der Roller zu überarbeiten. Der Telefonsupport kann natürlich keine Zusage machen, zeigt aber Verständnis. Ich möge das bitte auch nochmal per Mail schreiben. Ansonsten vereinbaren wir einen Abtransport des Rollers, ich schicke Fotos und eine genauere Standortbeschreibung, das Motorradtaxi solle sich bald melden.

Und hier sind wir, im jetzt und heute. Der Roller wurde heute früh abgeholt, ich bin extra nochmal mit einem TIER-Gogoro hin gefahren und habe Schlüsselkarte, das Starter-Kit mit Ladegerät und den mitgelieferten Jethelm mitgenommen und dem Motorradtaxi mitgegeben, dafür habe ich diesmal gleich das Kennzeichen abmontiert und die Versicherungsunterlagen mitgenommen – dann muss ich auf die nicht warten, wenn ich die Versicherung auf ein neues Fahrzeug umschreibe oder ggf. kündige. Die Werkstatt hat sich auch schon gemeldet, dass der Roller da sei, man vermute, dass der Motor defekt sei, und man würde mich informieren, sobald es was neues gibt.

Wie geht’s wohl weiter? Krieg ich einfach mein Geld zurück? Wollen sie erst nochmal rumlavieren und Stress machen und dann für eine Anwaltsmeinung zahlen? Vielleicht bietet unu auch nochmal einen signifikanten Discount an, um Early Adopter bei der Stange zu halten, oder als Bezahlung für den Support bei der Produktentwicklung und Qualitätssicherung… ich bin gespannt und werde den Eintrag aktualisieren, wenn es was neues gibt.

Erfahrungsbericht unu Scooter – Teil 4: Probleme über Probleme

fail fail fail

Im dritten Teil lieferte unu mit deutlich über einem Jahr Verspätung endlich einen Roller, der allerdings fast keine der Versprechen der letzten zwei Jahre einlöste: Nicht besonders smart, nur begrenzt hochwertig, und mit enttäuschend wenigen Komfort-Features. Aber immerhin: Die Rollersaison 2021 kann kommen – diesmal endlich mit einem E-Roller!

Es ist März 2021, ich habe den Roller seit knapp vier Wochen und darf ihn seit zweieinhalb davon auch fahren. Da Post-Lockdown noch nicht besonders viel los ist, sind die ersten Fahrten eher kurz. Erst Ende März unternehme ich die erste längere Fahrt, es geht zu einem mehrtägigen Arbeits-Event in Berlin.

Da unu im Manual des Scooters darauf hinweist, dass die Akkus einen Ladestand um die 80% lieber mögen als immer voll geladen zu werden, habe ich den Akku am Vorabend im Roller gelassen. Am Morgen geht es dann mit etwa 65% Akku los, die Fahrt soll unter 7km pro Weg sein, also kein Problem — denke ich. Bis auf der zweispurigen und recht viel befahrenen Sonnenallee plötzlich der Roller ausgeht.

Um genauer zu sein läuft der Roller weiter, aber die Beschleunigung setzt unvermittelt aus. Kein großer Spaß im fließenden Verkehr – ich blinke und fahre an den rechten Rand des Fahrstreifens, weiter geht nicht, weil natürlich alles komplett dicht beparkt ist. Auf dem Display erscheint “Electrical issue – please stop driving”. Ich bin meinem Ziel zum Glück schon recht nah und plane, den Roller abzustellen und den Rest zu Fuß zu gehen und mich dabei um Service zu kümmern, drehe aber aus Gewohnheit beim um die Ecke rollen ein wenig am Gasgriff – und der Scooter beschleunigt ebenso unvermittelt wie er vorher ausgesetzt hatte. Die letzten 200m zum Ziel lege ich eher abgehackt und unbequem zurück, immer zwischen “Electrical issue” und “Hups”. Kaum angekommen, melde ich das Problem über das Service-Formular an unu, eine direkte Kontaktmöglichkeit konnte ich nicht finden und das Manual hatte ich nicht greifbar. Wenige Stunden später erreicht mich mitten in einem Workshop der Rückruf – nach Problembeschreibung ist die Ratlosigkeit groß, das sei so noch nicht vorgekommen, am besten solle ich den Roller nicht mehr fahren, man würde sich bald nochmal melden.

Ich versuche es am Abend dennoch, und der Roller spielt ohne Murren mit. Ich schiebe es auf das Wetter – es war ein recht warmer Tag, der erste seit längerem, und der Roller inklusive Akku stand in der Sonne, vielleicht hatte sich die Elektronik einfach (zu) warm gefahren, gerade beim eher stückigen als fließenden Berliner Verkehr. Über Nacht lade ich den Akku voll.

Am nächsten Tag komme ich ohne Probleme zum Veranstaltungsort und zurück, das Problem tritt aber bald darauf erneut auf. unu kündigen an, dass ein Motorradtaxi den Scooter abholen und zur Fehlersuche ins unu-HQ ans Tempelhofer Ufer bringen soll. Das solle innerhalb einer Woche geschehen, so lange sollte ich bitte aus Sicherheitsgründen nicht damit fahren.

Zwei Wochen später, nach Nachfragen meinerseits, meldet sich dann endlich das Motorradtaxi. Der erste Termin passt für mich nicht, weil ich arbeiten muss. Der nächste Termin ist erst in der Folgewoche. Und so wird über drei Wochen nach Problemmeldung der Scooter am 21. April endlich abgeholt.

Danach passiert erst einmal sehr lange nichts. Meine Nachfragen verhallen meist, auf Anruf gibt es zumindest die Indikation, dass es noch nichts neues gibt, und dass das Problem auch nicht anderweitig bekannt sei – es sei bei noch niemand sonst aufgetreten. Man entschuldigt sich immerhin dafür, dass die Technik es sich noch nicht genauer ansehen konnte, weil viele Roller mit Problemen warteten. Ein schwacher Trost.

Nach fast vier Wochen und über 50€ in Scooter-Sharing werde ich schließlich ungeduldig. Ich setze unu eine Frist zur Mängelbeseitigung, anderenfalls ich vom Kauf zurücktreten werde. Das bringt Bewegung in die Sache – man bietet mir einen neuen Scooter an, den ich nur bei unu direkt abholen müsse. Ich wähle den frühest machbaren Termin dafür und fahre am 19. Mai mit dem Sharing-Scooter ans Tempelhofer Ufer.

Das unu “HQ” ist relativ leer, es ist ja immer noch Pandemie, nur Scooter stehen viele da. Vor der Tür, auf dem Gehweg, im Hof, auf LKWs. Manche sind schon versichert, ob als Showfahrzeuge, Mitarbeiterfahrzeuge, oder auf Reparatur wartend, weiß ich nicht. Ich melde mich an, fahre in den 4. Stock, beschreibe nochmal den Fehler, warte, warte weiter, fahre wieder ins Erdgeschoss und bekomme einen neuen, mattschwarzen, 4kW-unu Scooter präsentiert. Dieser sei quasi gerade erst vom Container gekommen. Tatsächlich sind weniger als 50 km auf dem Kilometerzähler – dafür schließt die Sitzbank nicht richtig. Mein Hinweis darauf wird mit Augenrollen beantwortet, die Sitzbank würde bei keinem Roller einfach ins Schloss fallen, und das würde ja auch niemand tun. Offenbar bin ich in jeglicher Hinsicht ein Ausnahmekunde – hatte zufällig einen Roller, bei dem die Sitzbank ohne Nachdrücken einrastet, und habe das auch genutzt. Das auszudiskutieren habe ich aber wenig Lust – nicht, wenn Besserung in greifbarer Nähe ist.

Nach etwas Hin und Her wegen Versicherung – mein Versicherungskennzeichen ist natürlich auf den alten Scooter gebunden und außerdem nicht da – vereinbaren wir, dass ich mit dem auf unu laufenden Kennzeichen nach Hause fahre, meiner Versicherung den Wechsel melde, und dann das Kennzeichen zurück schicke oder bringe. Schließlich geht es mit einem fast brandneuen Roller zurück nach Hause. Immerhin sind diesmal die Reifen ordentlich aufgepumpt, aber auch sonst rollert sich “der Neue” deutlich leichtgängiger, was ich als gutes Omen nehme. Auf dem Heimweg regnet es dafür ein bisschen.

Auch danach ist das Wetter eher mäßig, die Arbeit beschäftigt mich, es ist wenig Gelegenheit für Rollerfahrten neben der Fahrt zum Büro, das ich einrichte. Erst zehn Tage später gibt es eine längere Fahrt, bei immer noch mäßigem Wetter, und – nicht mehr ganz überraschend – der Roller geht, natürlich wieder kurz vor Erreichen des Ziels, auf einer zweispurigen Straße, aus.

Ich schleppe mich und den Roller zum Restaurant, bei dem ich vor einigen Minuten meine Vorbestellung hätte abholen sollen. Aus dem ersten Mal habe ich gelernt: Wenn ich extrem vorsichtig und sachte beschleunige, schafft der Roller auch die Höchstgeschwindigkeit. So mühe ich mich wieder nach Hause, es ist eine Übung in Geduld und Frustration. Das Essen schafft es zum Glück unbeschadet, und auch ich werde nur einmal angehupt, aber nicht mehr von unaufmerksamen Autofahrenden gefährdet als sonst auch.

Die Antwort von unu dauert wieder. Es gibt auch ein Problem mit irgendeinem Mailserver, es ist unklar, ob es an meinem oder ihrem liegt, irgendwann aber erreicht mich ein Anruf von der unu-Technik direkt. No more customer service, baby, jetzt wird’s ernst! Mir wird ein Tausch des Steuergeräts angeboten. Ich merke an, dass ich 99% sicher bin, dass das nichts helfen wird, u.a. weil ja schon der komplette Roller getauscht wurde und es schon extremst unglücklicher Zufälle bedürfe, dass ich bei zwei unabhängigen Geräten das selbe einzigartige Problem finden sollte, aber ich sage auch nicht nein zu einem neuen Steuergerät.

Mehr dazu im nächsten Teil – wer auf den weiteren Verlauf wetten möchte, soll das gerne tun.

Erfahrungsbericht unu Scooter – Teil 3: unu liefert!

Im vorigen Teil hatte ich unu nach langem Warten genervt gebeten, meine Vorbestellung zu stornieren und mir mein Geld zurück zu überweisen.

Seit der Ankündigung sind jetzt gut anderthalb Jahre vergangen, und unu hatte seitdem mehr Liefertermine genannt oder versehentlich veröffentlich, als ich nachzählen möchte. Nachdem dann auch noch das Pech dazu kam, dass die gesamte erste Charge bei einem Großbrand vernichtet wurde, war eine zeitnahe Lieferung nicht mehr zu erwarten.

Auf meine Stornierungsanforderung boten mir unu eine Gutschrift über 200€ an und sprachen von einer Lieferung pünktlich zur nächsten Rollersaison. Nach einigem Überlegen und längerer Recherche nach Alternativen willigte ich ein: Zu dem Zeitpunkt gab es zwar einige andere solide Elektroroller auf dem Markt, aber die Entscheidung fiel mir schwer, da die Modelle entweder dem unu preislich ähnlich waren, aber deutlich weniger Features boten, deutlich günstiger waren, aber dann nicht besonders vertrauenserweckend wirkten oder veraltete Technik (z.B. Blei-Akkus) verwendeten, oder aber knapp doppelt so teuer waren (und trotzdem meist wenige Smart Features ankündigten). Und da ich im Winter eh nicht fahren wollte, blieb ich noch einmal beim unu.

Nach einem Lockdown-Winter rückte der “voraussichtliche” Februar dann langsam näher. Von unu gab es, mittlerweile erwartbar, keine weitere Kommunikation. Als der Februar dann schon fast vorbei war, und ich ihnen gerade eine Nachfrage mailen wollte, kommt eine Mail:

Mail von unu vom 26. Februar 2021 – “Dein unu Scooter ist auf dem Weg”

Ohne Betreff-Inhalts-Schere geht es natürlich nicht, denn “ist auf dem Weg” bedeutet “unser Logistikpartner meldet sich in den nächsten zwei Wochen”, aber dennoch war die Freude groß: So konkret war es bisher nicht gewesen, und eine Lieferung Anfang März schien greifbar, just als das Wetter besser wurde!

Ready to Ride?

Bevor der gelieferte Scooter gefahren werden kann, müssen noch zwei Dinge geschehen: Erstens muss eine Versicherung abgeschlossen werden, und zweitens die Spiegel fertig montiert. Dafür hat unu auch extra ein Anleitungsvideo gemacht.

unu bietet für die Versicherung einen Partner an: die Bayrische wirbt damit, “als einzige Teilkasko […] Akku und Helm mit [zu] versicher[n]”, allerdings für deutlich über 100€ im Jahr. Das kommt mir teuer vor: Ich vergleiche auf den einschlägigen Portalen und finde Alternativen für ~30-60€. Sollte die Akkuversicherung so viel ausmachen? Ich frage bei wgv und HUK nach und beide bestätigen mir, dass das natürlich auch bei deren Teilkasko mit versichert ist. Am Ende entscheide ich mich für die HUK, auch wenn sie ein paar Euro teurer ist als die wgv, weil die Versicherungsbestimmungen besser aussehen. Das ganze kostet etwas mehr als die Hälfte der von unu empfohlenen Versicherung – ein Schelm, wer hier Kickbacks vermutet.

Lieferung

Die Monate der Spiegel kann natürlich erst erfolgen, wenn der Roller da ist. Tatsächlich meldet sich Logwin sehr zeitnah und per Mail, und ich kann in einem Webformular den genauen Liefertermin auswählen. Am 2. März soll es so weit sein – die Vorfreude beginnt langsam, die Skepsis zu überwiegen.

Am Morgen des 2. März bekomme ich einen Anruf – die Spedition sei jetzt unterwegs. Eine Stunde später steht der Roller auf einer Palette und in einer großen Pappbox vor der Tür. Eine kurze Bestätigung, und die Spedition fährt wieder ab. Als ich beginne, den Roller auszupacken, frage ich mich, was ich mit der ganzen Pappe, vor allem aber der Palette machen soll, aber die Vorfreude lässt es mich bald wieder ignorieren. Auch die Spaltmaße trüben die Freude nur kurzzeitig:

unu Scooter (2021), Spaltmaße Fußbrett vorne
unu Scooter (2021), Spaltmaße Fußbrett hinten

(Die Spaltmaße sind dem “deutschen Tesla” würdig. Ob es von der Lagerung kommt, ob die Spannung durch Schrauben und Rahmen nicht bei der Planung berücksichtigt wurden, oder ob die Teile einfach aus schlechtem Material oder mit schlechten Toleranzen gefertigt wurden – wer weiß es schon.)

Ich packe die Starter-Box aus, die neben den Spiegeln und einem winzigen Schraubenschlüssel auch eine Kurzanleitung enthält, und beginne mit der Montage der Spiegel nach Anleitung des unu-Videos. Es ist einfach genug, und der erste Spiegel lässt sich problemlos festschrauben. Beim zweiten jedoch gibt es ein Problem: Trotz äußerter Vorsicht bricht die Spiegelhalterung sofort glatt ab:

Nach diesem Einstieg verpufft die Vorfreude erst mal komplett. Zum Glück erreiche ich telefonisch sofort jemanden bei unu, und da ich in Berlin bin, wird mir ein Austausch noch am selben Tag zugesichert. Und tatsächlich kommt noch am selben Abend jemand auf einem unu Scooter vorbei und tauscht die Spiegelhalterung aus. Offenbar war die Schwachstelle schon bekannt, und u.a. deshalb wurde auch das Video zur Montage gemacht. Gegen Materialschwäche hilft aber auch das beste Video leider nicht. Wir reden kurz über Spaltmaße und Verpackungsmaterial: Offenbar hätte die Spedition die Verpackung auch direkt wieder mitnehmen sollen, oder zumindest einen Termin für die Abholung vereinbaren. Man verspricht, das nachzuholen.

Schließlich und endlich ist der Scooter fahrbereit. Bis auf – ja, die Versicherung. Vielleicht wäre die von unu empfohlene Partnerversicherung schneller gewesen, auf die HUK muss ich noch ein paar Tage warten, bis ich endlich losfahren kann. Das gibt mir aber Gelegenheit, die Hardware in Augenschein zu nehmen und die Fahrbatterie voll aufzuladen.

Am Ende der Woche kommt endlich das Versicherungskennzeichen und es ist Zeit für die erste Fahrt. Es macht Spaß, den 4kW-Scooter zu fahren, auch wenn die Dauerleistung des Motors in Wahrheit nur 2,7kW ist. Die Beschleunigung ist im Vergleich zu den Gogoro-2, die früher COUP, jetzt TIER, im Sharing haben, anfänglich schwächer, aber holt schnell genug auf. Der Roller fühlt sich ein wenig unwillig an: eine kurze Prüfung zeigt, dass der Reifendruck offenbar durch die lange Lieferkette und Lagerung sehr niedrig ist. Die zweite Fahrt geht zur Tankstelle, und mit voll aufgepumpten Reifen macht der Roller seinem Namen alle Ehre: Der Motor ist komplett still, die Bremsen quietschen nicht, es gibt nur ein ganz leises Geräusch, das ich am ehesten mit “reibend” beschreiben würde.

Erstes Fazit

Jetzt, wo der Scooter tatsächlich fahrbereit vor mir steht, ist es auch Zeit für ein erstes Fazit. Im Vergleich zu den ursprünglichen Ankündigungen und den weiteren Versprechen von unu:

  • Der Roller kommt nur mit zwei Schlüsselkarten. Ein Entsperren oder Steuern via Smartphone ist noch nicht möglich, und es gibt noch nicht einmal einen Veröffentlichungstermin für die App, die über die letzten zwei Jahre immer im Präsens beworben und auch schon gezeigt wurde. Damit fehlt auch die beworbene Navigationsfunktion.
  • Die beworbene Motorleistung von 4kW ist haarscharf diesseits der Wahrheit – eigentlich ist es ein 2,7kW-Motor, der aber bis zu 4kW Spitzenleistung bringen kann. Die meisten anderen Hersteller sind hier ehrlicher und geben die Dauerleistung an.
  • Das Ansprechverhalten des Motors ist sehr konservativ konfiguriert. Mit 4kW sollte eine schnellere Beschleunigung möglich sein. Leider lässt sich die Beschleunigungskurve nicht definieren – andere Hersteller haben hier oft verschiedene Fahrmodi vorkonfiguriert.
  • Der von unu mitgelieferte Helm, dessen Wert bei der Vorbestellung noch mit 99€ beziffert wurde, ist ein Louis MTR Jet Fiber mit UVP 49,99€. Leider hat der Helm weder Sonnenschutz noch Visier, was ihn für Fahrten im Frühjahr, wo allerorten Hecken und Wiesen geschnitten werden und alles voller Pollen ist, eher unbrauchbar macht.
  • Der Scooter kommt lediglich mit einem Seitenständer, keinem Mittenständer. Das erschwert das Abstellen auf Untergründen, die nicht ganz fest oder nicht ganz eben sind.
  • Der versprochene Diebstahlschutz existiert nicht – eventuell würde der auch per App nachgeliefert, wenn und falls diese kommt.
  • Wenn der Fahrakku entnommen ist, ist der Scooter offline. Die Telematik zieht offenbar so viel Strom, dass sie nur mit dem Hauptakku betrieben wird. Die beiden Backup-Batterien halten nur die ECU aktiv und ermöglichen die Erkennung der Schlüsselkarte und das elektronische Entfernen der Lenkersperre. Sofern das nicht geändert wird, wird auch der eventuell kommende Diebstahlschutz sinnlos, da dieser auf Sensoren und Telematik setzt. Für einen Roller, der ursprünglich für Sharing designed war, macht das vielleicht Sinn, da bei diesen immer nur leere Akkus gegen volle getauscht werden, aber für Konsument*innen, die den Fahrakku zuhause – oft über Nacht – aufladen ist es absurd.
  • Der Blinker des Rollers wird mit einem einfachen Schiebeschalter bedient, den man weder per Knopfdruck zurücksetzen kann noch der sich automatisch abschaltet. Da der Blinker außerdem kein Geräusch macht und nur ein sehr kleines Icon im Display aufleuchtet, ist es sehr leicht, den Blinker zu vergessen – automatisches Abschalten des Blinkers wäre ein Komfortfeature, das ich bei einem 4000€-Fahrzeug schon erwarten würde, da die nötige Hardware sehr günstig ist.
  • Es gibt keine Möglichkeit zur Lichtsteuerung (Fernlicht, Lichthupe) und keinen Schalter für einen Warnblinker, alles Features, die die schon ein paar Jahre alten Gogoro-2 von Haus aus mitbringen.
  • Der Roller hat keine Überwachung des Reifendrucks (und wahrscheinlich auch nicht des Bremsdrucks). Die entsprechenden Sensoren und Empfänger sind auch nicht teuer. Das Fehlen dieses Features erstaunt besonders, weil die unus ursprünglich mal primär für einen Sharingbetrieb ausgelegt waren, und die Fernüberwachung von Reifen- und Bremsdruck hier ein wichtiges Feature für die Verkehrssicherheit und Wartung wäre. Auch hier macht Gogoro es vor.
  • Das Display des unu ist in einem Winkel montiert, der das Ablesen für mich bei 1,87m Körpergröße etwas unbequem macht, und der Winkel ist nicht justierbar. Das Display ist bei Sonneinstrahlung dafür gut lesbar, allerdings ist die Oberfläche aus relativ weichem Plastik gefertigt, das schnell Kratzer aufnimmt – diese dafür aber auch relativ schnell wieder verliert. Schon nach wenigen Tagen kriecht außerdem Kondensation zwischen die Schichten des Displays.
  • Schließlich kann der Roller entgegen der ursprünglichen Vorstellung nur einen Akku gleichzeitig nutzen. Es können zwar zwei Akkus mitgeführt werden, aber es wird nur einer angeschlossen und benutzt, und man muss die Akkus manuell tauschen, wenn einer leergefahren ist. Parallele Nutzung zweier Akkus würde nicht nur deren Lebensdauer erhöhen, sondern auch die Motorleistung und Reichweite verbessern. Das Feature wurde relativ lange beworben und m.W.n. nie offiziell entfernt, sondern einfach Roller mit nur einem bestückten Akkusteckplatz geliefert.

An diesem Punkt bin ich vollkommen in der Sunk Cost Fallacy drin und nehme die Ankündigungen von unu, dass viele Features sehr bald(tm) nachgeliefert werden, einfach hin, aber eigentlich ist es für eine Zeit von gut zwei Jahren seit Ankündigung und deutlich über einem Jahr Lieferverzögerung schon eine ziemlich schwache Leistung. Insbesondere fehlen eigentlich genau die Funktionen und Merkmale, wegen derer ich mich Mitte 2020 gegen andere Roller entschieden hatte. Noch bin ich aber guter Dinge und freue mich, dass ich mit den ersten Lockerungen des Lockdown nun mit meinem eigenen Gefährt langsam wieder die Stadt erschließen kann.

Im nächsten Teil geht es weiter mit – Problemen.

Erfahrungsbericht unu Scooter – Teil 2: Das Warten geht weiter

Wet bird in the rain

Im ersten Teil haben wir es bis zur Bestellung geschafft und haben sogar einen Lieferzeitraum bekommen. Leider bemerkt unu auf Nachfrage, dass der Shop einen Fehler hat und die angezeigten Termine hinfällig sind. Es ist Anfang September 2020 – ursprünglich hätten die Roller im März 2020 geliefert werden sollen.

Nachdem unu den “bedauernswerten Fehler” in ihrem Webshop gefunden haben (bzw. von mir und wahrscheinlich auch anderen Kund*innen drauf hingewiesen wurden) und die angezeigte Lieferzeit von “4-6 Wochen” auf “8 Wochen oder mehr” geändert wird, gebe ich die Hoffnung auf eine Rollersaison 2020 auf. Der früheste Liefertermin innerhalb des genannten Zeitfensters läge Anfang Oktober, da will man in Berlin schon nicht mehr unbedingt Roller fahren. Da wusste ich aber noch nicht, wie warm der Winter werden würde.

Feuer

Am 13. Oktober 2020 erreicht mich eine Mail von unu mit dem Betreff “Ein wichtiges Update zu Deiner Lieferung”, die mit “Sicher hast du schon auf eine Nachricht von uns gewartet” anfängt. Nun, nach Monaten des Schweigens auf jeden Fall ein sicherer Hook. unu teilen mit, dass bei einem Großbrand im Lager ihres Fulfilment-Partners in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober nicht nur die gesamte erste Charge der Roller vernichtet wurde, sondern auch das Logistikzentrum für die Endfertigung. Verletzt wurde zum Glück niemand. Die Brandursache ist m.W.n. noch ungeklärt, zuletzt wurde ein technisches Problem vermutet, eine Anfrage an die Feuerwehr und Polizei wartet auf Antwort.

Zur Kommunikation bzw. Nicht-Kommunikation von unu habe ich ja schon ein paar Bemerkungen gemacht. Auch hier wird erst zehn Tage nach dem Ereignis (und nach dem ursprünglich kommunizierten Lieferdatum) an die Kund*innen kommuniziert. Dieses Schema von “nur ja keine Ereignisse oder Probleme melden, wenn wir nicht schon eine Lösung haben” kenne ich leider vor allem von toxischen Unternehmen und Umgebungen. Wie so oft hätte ich mir eine offenere, transparente, und zeitnahe Kommunikation gewünscht, beispielsweise direkt am auf den Brand folgenden Montag die Info über den Brand und dass sich jetzt beraten wird. Statt dessen wurden wieder Termine verstreichen lassen, dann wurde eine Woche beraten, und dann kommt noch ein paar Tage später eine Mitteilung. Immerhin geben sie da einen neuen voraussichtlichen Liefertermin im Februar ’21 an, und versprechen außerdem, alles mögliche zu tun, um den Prozess zu beschleunigen. Die Anzeige des Lieferdatums wird von der Bestellseite entfernt.

Ein vorläufiges Ende?

Bei allem Verständnis für die Herausforderungen einer Produktneuentwicklung mit Stakeholdern in verschiedenen Ländern und dem schieren Pech eines Großbrandes habe ich nun den Punkt erreicht, wo mich die schiere Unfähigkeit der Kommunikation das letzte Vertrauen in unu verlieren lässt. Ich schreibe unu eine Mail diesbezüglich und bitte sie, die Vorbestellung zu stornieren.

Im nächsten Teil dreht sich alles noch ein, zwei Mal, und vielleicht klappt es ja mit der nächsten Rollersaison. Stay tuned!

(Coverbild: Photo by Saad Chaudhry on Unsplash)

Erfahrungsbericht unu Scooter – Teil 1: (Vor)bestellung

Traurig aussehendes unu-Logo auf dem Displayrahmen des neuen unu Scooter

Im Vorwort habe ich einen Hintergrund zur Situation und zu unu, der Herstellerfirma meines Elektrorollers (auch “E-Moped”, weil die E-Stehroller alles durcheinander bringen), gegeben. In diesem Teil geht es um die Ankündigung des neuen unu Scooter, die Vorregistrierung, Bestellung, und allerhand Schwierigkeiten dabei und auf dem Weg zur Lieferung.

Der Nachfolger des unu Classic wurde lange geteasert und dann im Mai 2019 endlich vorgestellt. In der Pressemitteilung zum Launch (PDF) heißt es, der neue unu Scooter sei “ab jetzt vergünstigt als Pre-Order online verfügbar und startet ab Februar 2020 im regulären Vertrieb”.

Und der neue Roller sollte nicht nur alles verbessern, was beim Classic anfänglich oder über die Zeit ein Problem war, sondern war ein Rundumschlag sondergleichen: Von Grund auf – Rahmen, Verkleidung, Hard- und Software – von unu designed, statt ein bestehendes OEM-Referenzdesign einzukaufen! Ins Rad integrierter Motor und somit sehr viel Stauraum! Platz für zwei Akkus, die parallel betrieben werden können – kein lästiges Umstecken mehr!

Und so geht es weiter, ausnahmslos im Präsens formuliert: Es gibt eine unu-App, die den Standort und Ladestatus des unu von überall anzeigen kann, und auf die auch bei unerlaubter Bewegung des Rollers eine Meldung vom eingebauten Diebstahlschutz gesendet wird. Über die App kann man Navigationsziele auf die Kontrolleinheit des Scooters schicken und so direkt zum Ziel geleitet werden, ohne Handyhalterung. Und statt eines langweiligen Zündschlüssels gibt es NFC-Schlüsselkarten, Entsperren mit dem Handy, und Sharing via App, so dass man Freund*innen und Bekannten digital Zugriff auf den Roller geben kann (revolutionäres “Micro-Sharing”, so der damalige CXO von unu).

Schließlich soll das bewährte Vertriebs- und Liefermodell gewahrt bleiben und der Roller fahrbereit und bereits versichert vor die Haustür geliefert werden – ab “Frühling 2020”.

Nachdem ich schon länger den unu Classic im Auge hatte und mit Freude das Rollersharing von eMio (jetzt emmy) und später COUP (jetzt TIER) genutzt hatte, war das natürlich perfekt. (Hier jetzt das “Shut up and take my money!”-GIF denken.) Ich wollte sofort vorbestellen, um möglichst früh 2020 meinen Scooter zu bekommen, aber der Shop war leider noch gar nicht verfügbar. Erst im Juli 2019 konnte ich den Scooter dann endlich vorbestellen. Für die Bestätigung der Vorbestellung und Anzahlung von 100€ schrieben unu in ihrer Mail:

Deine Anzahlung gewährt Dir das limitierte Pre-Order Package, das Folgendes beinhaltet:

1 kostenloser Helm (99 €)
1 zusätzliches Jahr Garantie (129 €)
100 € Rabatt

Mit dem limitierten Pre-Order Package erhältst Du einen früheren Zugang zum neuen unu Scooter. Spätestens im September kontaktieren wir Dich …

Mail von unu, Bestätigung der Vorbestellung und Anzahlung, Juli 2019

Um es an der Stelle schonmal kurz vorweg zu nehmen: Von den genannten Inhalten und Vorteilen ist nur der Rabatt tatsächlich meßbar und sinnig. Der Helm ist ein MTR Jet von Louis, der dort im UVP 49€ kostet, und den ich nach wenigen Fahrten durch einen Helm mit Visier ersetzt habe, das zusätzliche Jahr Garantie wird allein für die Kinderkrankheiten oder Serienprobleme draufgehen, und der frühere Zugang, nun ja…

Jedenfalls passierte nach der Anzahlung erst mal eine ganze Weile – nichts. Der September verstrich ohne ein Wort von unu, irgendwann hörte man dann Munkeln, dass im Dezember (2019) etwas kommuniziert werden solle. Der Dezember verstrich ebenfalls, ohne dass die Vorbesteller von unu in irgendeiner Form aktiv informiert wurden. Auf Social Media konnte man dann Anfang 2020 etwas von Lieferproblemen und Verzögerungen hören, als ob das mit Blick auf die in der Pressemitteilung angekündigte Auslieferung ab Februar nicht schon sehr offensichtlich sei. Ich fragte also nach, und hörte, es würde wohl März 2020. Ok, ein neues Produkt, das kann schon mal ein paar Monate Verspätung haben, besonders wenn es so viele neue Features vereint, das ist verständlich.

Nun, es wurde März 2020, und die COVID-Pandemie, die seit Januar unterschwellig präsent war, wurde in Europa plötzlich sehr prominent. Ich war selbst Anfang März noch beruflich im Ausland und bin eine Woche früher zurückgekehrt, als die ersten Länder begonnen, ihr öffentliches Leben herunterzufahren und Grenzen zu schließen. Als im Mai 2020 dann der erste Schock etwas abgeklungen war, frage ich bei unu nach. Nach 19 Tagen erhalte ich die Antwort, dass es jetzt gar kein konkretes Lieferdatum mehr gebe. Im Netz spricht unu von Produktionsverzögerungen durch die Pandemie.

Wir erinnern uns: Eigentlich sollte die Auslieferung im Frühling 2020 beginnen. Das bedeutet, dass spätestens Ende Februar, besser früher, alles in Containern und eingetütet gewesen sein sollte. Für ein Produkt, was schon auf dem Home Stretch der Produktion sein sollte, also ein wenig erstaunlich, dass 4-6 Wochen beginnende Pandemie da so große Probleme verursachen sollten. Nichtsdestotrotz handelte es sich natürlich um eine Ausnahmesituation, weshalb ich auch hier ein gewisses Maß an Verständnis aufbringen konnte.

Ende August 2020 war es dann so weit: “Mach Dich bereit für Deinen Scooter”, schreiben unu. “Oh boy,” dachte ich, “ihr wisst ja gar nicht, wie bereit ich bin!”

Um Deinen neuen unu Scooter als Erstes zu erhalten, kannst Du Deine Bestellung jetzt abschließen.
Im Anschluss erhältst Du Dein Lieferdatum und einen Link zur Verfolgung der Lieferung Deines Rollers bis zu Deiner Haustür.

Die erste Charge, die von unserem Produktionsband läuft, wird unser unu Scooter in Matte Black sein. Einen Monat später folgen alle anderen Farbvarianten.

Mail von unu vom 20. August 2020 (erste aktive Kommunikation seit Juli 2019)

Ich hadere dennoch ein wenig mit mir. Wenn die Kommunikation bisher schon mehr als mäßig lief, als ich unu erst 100€ gegeben hatte, was wird dann, wenn ich ihnen Tausende obendrauf gebe und dann nochmal monatelang warten muss? Ich frage wegen Leasing oder Ratenzahlung, aber die Antwort lässt auf sich warten und ist dann enttäuschen – in einer Zeit von negativem Leitzins noch mehrere Prozentpunkte für Ratenzahlung draufzulegen, sehe ich nicht ein. In der letzten Sekunde des Vorbesteller-Openings gebe ich die verbindliche Bestellung für meinen Scooter ein und zahle den Kaufpreis für das unten-rechts-Modell in Höhe von fast 4000€:

  • 1x unu (4000 W, mattschwarz): 3999 €
  • 1x Helm (Gr. L): 99 €
  • 1x Garantieverlängerung: 129€
  • 1x Discount: -328€
  • Gesamt: 3899€

(ab hier ärgere ich mich dann übrigens wirklich, dass sie 99€ für einen Helm veranschlagen, der im Einzelhandel nur 49€ kostet, ich finde das unehrlich – und da hatte ich den Helm noch nicht mal in Händen)

Das ist nicht wenig Geld – aber für Unabhängigkeit von ÖPNV und Autos, von einem lokalen Unternehmen, mit Smart Features, geringen Betriebskosten und wenig Verschleiß, und mit einem 4kW-Motor? Das war’s mir wert. Zumindest, als ich 2019 vorbestellt hatte und es keine vergleichbaren Alternativen auf dem Markt gab. Mitte 2020 sah es zwar schon anders aus, aber wie die meisten Menschen tue ich mich manchmal schwer damit, schon getroffene Entscheidungen zu ändern…

Aber hey! Der Scooter scheint in greifbarer Nähe zu sein, und in der Tat wird im Bestellstatus im Webshop eine Lieferdauer von vier bis sechs Wochen genannt. Could it be? Nach sechs Wochen frage ich nach, und erhalte als Antwort, dass unu einen Fehler im Webshop entdeckt habe, der irreführende Lieferzeiten anzeige, und diesen nun korrigiert habe: Die Lieferzeit wird jetzt mit acht Wochen angegeben.

Ich dachte, von Ankündigung bis Vorbestellung bis kurz vor Lieferung alles in einen Eintrag packen zu können, aber es wird schon ziemlich lang – daher geht es an dieser Stelle demnächst im zweiten Teil weiter. Es wird heiß!

Die Geschichte vom unu – Vorwort

Seitenansicht unu Scooter

Im März 2021 habe ich endlich meinen seit fast zwei Jahren vorbestellten unu Scooter bekommen. Nicht nur mit den Vorbestellungen und der Auslieferung ging jedoch einiges schief, auch nach der Lieferung der Elektro-Mopeds gibt es viele Probleme, wenig Kommunikation, und leider noch weniger Lösungen. In dieser Serie von Beiträgen werde ich mehr oder weniger chronologisch aufzählen, was alles problematisch war – in der Hoffnung, auf diesem Wege entweder den Hersteller selbst zu erreichen und zu Verbesserungen zu bringen (was sich bisher per Mail und Telefon schwierig gestaltete), oder zumindest potentielle Interessent*innen darüber zu informieren, womit sie ggf. rechnen sollten, damit sie eine fundierte Entscheidung für oder gegen den unu Scooter treffen können.

In diesem, ersten Teil soll es ein bisschen um Hintergründe gehen: Wer ist unu eigentlich, was haben sie bisher so gemacht, und warum haben Tausende Vorbesteller*innen ihnen so viel Geduld geschenkt?

Zunächst zum Hersteller: unu, immer klein geschrieben, wurde 2013 in München gegründet und zog 2015 nach Berlin, um die dortige Startup-Szene nahe zu halten. Inspiriert wurden die Gründer (korrekt gegendert) von Großstädten in Asien, deren “Potenzial [schwierig] auszuschöpfen [sei], da die Mobilität dort häufig sehr eingeschränkt ist” (ich meine ja, dass es in Großstädten in Asien gemeinhin sehr viele Scooter gibt und ansonsten auch Fahrräder, ÖPNV, Autos etc., aber ich bin auch nicht so inspiriert tbh).

Ihr erstes Produkt war der unu Scooter, jetzt “unu Classic”, ein re-brand eines Sitzrollers eines chinesischen OEMs. Die Innovation lag mehr auf Vertriebsseite: Durch direkten Onlineverkauf, kombiniert mit Ready-to-ride-Konfiguration inklusive Versicherungskennzeichen, konnten unu den Classic für einen relativ guten Preis zwischen 1800€ und 2800€ verkaufen. Das Design der Roller war gefällig, wenn auch nicht besonders herausragend, aber in Maßen konfigurierbar (mit verschiedenen Gehäuse- und Sitzfarben) und solide. Die Akkus waren herausnehmbar und konnten an der heimischen Steckdose geladen werden – ein Vorteil besonders in Städten, wo die wenigsten Zugang zu einer Außensteckdose haben werden. Der unu Classic kam recht gut an, besonders in Berlin und München sieht man sie immer wieder im Stadtbild. Es dauerte auch eine ganze Weile, bis in Qualität und Branding vergleichbare Produkte in größeren Maßen nach Deutschland kamen: Lange gab es nur sehr teure, schwere Elektroroller, oder preisgünstige, aber instabil wirkende bis klapprige Gefährte mit veralteten Batterietechnologien. Der Erfolg des unu Classic ist somit nachvollziehbar und verdient: Es wurde nicht zu viel versprochen, und relativ viel davon gehalten, der Rest wurde recht kulant nachgebessert.

Über die Jahre wurde der unu Classic verbessert, einige Teile zeigten unerwartete Verschleißerscheinungen (diverses Plastik wurde bspw. gelblich bis milchig statt transparent, was bei Displays und Licht ein Problem ist), ein paar Dinge wurden von der Community gehackt (digitales Aufbohren war bspw. dank OEM-Teilen aus China sehr einfach), so weit, so gut. Das Alter der Modellreihe zeigte sich aber immer stärker, und unu begann an einem neuen Scooter zu arbeiten.

Die Pläne dazu waren schon lange angelegt: unu sprach von Anfang an davon, dass sie nicht nur Roller bauen (lassen) wollen, sondern nichts weniger als die Revolution der Mobilität ihr Ziel sei. E-Mobility solle nicht nur demokratisiert werden, sondern Mobility-as-a-Service angeboten werden, bevor dann, natürlich, autonome Fahrzeuge uns direkt ins Schlaraffenland fahren.

Das neue Modell, nur noch “unu Scooter” genannt, sollte ursprünglich bereits im September 2019 ausgeliefert werden. Vorbestellungen waren seit Mitte 2019 möglich, bei denen man eine Anzahlung von 100€ gegen eine E-Mail eintauschen konnte, die u.a. folgendes versprach:

Wir haben Deine Anzahlung von 100 € nun erfolgreich erhalten und bearbeitet. Das bedeutet, dass Du die Chance hast, einer der ersten Besitzer unseres neuen unu Scooters zu sein.

[…]

Im Laufe der nächsten Monate werden wir Dich mit News und Updates zum neuen unu Scooter versorgen. Spätestens im Dezember 2019 werden wir Dich kontaktieren, um Dir die nächsten Schritte zur Umwandlung Deiner Pre-Order in eine endgültige Bestellung zu verkünden.

unu motors, “Bestätigung der erfolgreichen Anzahlung für deine Pre-Order”, Juli 2019

Dann gab es Funkstille. Und zwar ordentlich: Trotz mehrerer Rückfragen gab es zwischen Juli 2019 und Ende Mai 2020 – nichts. Wer regelmäßig Suchmaschinen gefragt hat oder auf Twitter oder Rollerforen unterwegs war, hat vielleicht mitbekommen, dass es erst auf “spätestens im Dezember” verschoben wurde, dann auf März 2020. Was im März 2020 jedoch nicht kam, war Kommunikation von unu oder gar neue Scooter. Statt dessen gab es die COVID-19-Pandemie. Aber mehr über Bestellung und Lieferung im nächsten Teil.

Finally some good headphones

Valco VMK20 headphones in open packaging

I might have finally found a set of headphones that I actually enjoy the sound of, that have good microphones, and that I can wear for hours on end without my ears slowly deforming and then dying, and I thought I would write my experiences down to maybe inspire someone else to get better headphones.

NB: None of the below links are affiliate links, but I am happy to send you some if you want.

As far as over-ear headphones go, I recently got and instantly fell in love with the Valco VMK20 Wireless Headphones. I have to admit, I was sniped by an actual ad, which hasn’t happened in quite some time, but their Finnish charm and self-deprecating humor got me, so I figured I’d check their claims and otherwise yell at their CEO. Surprisingly, the headphones are actually as good as described! Funny how things go if there’s no gigantic marketing spend in front of a smaller but formidable controlling department!

For in-ears, I was using the Turtle Beach Battle Buds for a while for video conferences and voice chats, and that was ok, but they’re wired and the fit isn’t too great – but you can replace the microphone with an awesome one if you are so inclined. But the big breakthrough came with the TRN V90 that I got on AliExpress for something like 25€. What can I say, the sound is simply amazing, the fit is great, the pre-formed wire loops keep the headphones in place even during a workout, and the seal is good enough to make the world quite quiet. They are wired out of the box, but you can just connect them to one of the many Bluetooth cables (sic!) the manufacturer offers. I picked the TRN BT3S with the neck loop, because I like looking like a huge nerd. By simply switching the cable for the Bluetooth module, the headphones gain Bluetooth 5.0, aptX, and a CVC6 microphone. The V90 are a teensy-tiny bit “thicker” on the bass end than I’d normally like, but it’s never distracting or overpowering. And they’re comfortable enough to wear when lying down as well.

Are those the best headphones ever? I don’t know, I only tried maybe 40 or so.

If you only have two ears, why do you need so many headphones?

The simple answer is that (almost) all headphones suck, and headphone companies constantly overpromise and underdeliver, especially if you’re, like me, part of an apparently tiny group of people that just wants straightforward, clear sound and ideally a good microphone. Instead, the market is full of headphones with eXtreme Bass Boosting, a Bluetooth range of tens of centimeters, Active Noise Canceling that replaces relaxing wind sounds with distressing electronic whistling, batteries that don’t last even a short journey, and microphones that dangle all over the place so they can better pick up the sound your clothes make as you move, or the neighbors five blocks over whispering.

Also, apparently my ears are shaped weird.

Some of the noteworthier headphones that I tried:

The BOSE QC35 II, which I finally gave in to buying about midway through my career in consulting (where literally everybody had them, or the predecessor, the QC25), were pretty nice: When I got them, they had some of the best ANC on the market, the sound is good enough, they’re lightweight and they have a built-in mic. However, the sound could be better, the ANC could be better (and newer models by e.g. SONY make this very obvious), the microphones could be a lot better (for a long time, I was wondering how some people on phone conferences had such amazingly bad call quality – then I tried using the QC35 for calls: the moment the phones go into headset mode, the mic strains to pick up even the faintest or far-away sounds, which it will then amplify and feed both into your call and into your ears, giving you super-hearing and the other participants in the call tinnitus). They still have a certain status attached to them, but to be honest, I would rather have better quality build & sound, and I am also not a fan of BOSE’s app strategy, where they try to trick you into letting them track you, and shit. All in all, not unhappy with the purchase, but glad I did get them at a discount.

The OneOdio Pro-10 Over-Ear were recommended by the Sendegate forum, because they come with a microphone which can be detached and replaced by the – very good for its price-point – V-Moda BoomPro. This indeed makes them into a great headset for podcasting or recording spoken audio, but the size and fit of the earmuffs combined with the pressure the headband put on my ears makes them very uncomfortable to wear for extended periods of time. Your mileage may vary if you are not wearing glasses or have a different head or ear shape, and the price point is low enough to just try them out.

There were a bunch of others, like the Anker SoundBuds Flow (quite liked them, but mic wasn’t great), Sennheiser buds that I already forgot the name of, a few no-name “moderator headsets” with proprietary connectors that I had to file down or resolder (but then the mic quality was quite good), the Anker SoundCore Strike 1 gaming headset (which is surprisingly comfortable and has a pretty good, detachable mic, but is way too bulky to use outside of gaming/streaming), some Mobvoi headphones I got tricked into buying after I got my Mobvoi smartwatch which I also didn’t like, some “Zircon” headphones that I don’t even remember buying, the Superlux HD 681 (which everybody knows, I think, but if not, they’re a high quality replica of high-price headphones that shall be unnamed – good, but half-open doesn’t cut it everywhere), the Sony MDR-7506 (which I still think are amazing but I rarely feel like using wired headphones anymore), the ATH-M50X (which I liked for their portability until the headband and padding crumbled and Audio-Technica did not manage to provide replacements…), the RHA MA750i (very nice sound, very good support, but ultimately not reliable enough for me to stick with the brand at increasing price-points), and others.

How to change the default branch name for `git init`

When a new Git repository is initialized using git init, the default name of the main branch that is created is “master” (likely based on the terminology used in BitKeeper, which Git was created to replace).

Update Nov 2020: This is now the default in Git.

For the past 20+ years, the usage of “master/slave” terminology has been criticized as needlessly reproducing racist terminology of slavery, and in the course of 2020, this discussion has finally broadly reached Git as well, with calls to rename the default branch to “main” or “trunk” instead (previously, this had been proposed for specific projects, e.g. GNOME in 2019).

Petr Baudis, who picked the names way back in 2005, weighed in to state that they wish they had picked “main” instead. Using “main” instead of “master” has the benefit that it autocompletes with “m” and “ma” as well, and is also the term GitHub (who still collaborate with ICE) are switching to.

Currently, the branch name a new repository is initialized with is hard-coded in Git, so there are two options to change the default (to “main”, in the following examples):

  1. Changing the HEAD pointer before the first commit, using the symbolic-ref subcommand: git symbolic-ref HEAD refs/head/main or manually overwriting the .git/HEAD file: echo 'refs: refs/head/main' >.git/HEAD;
  2. Putting this change into a git template, by copying the default git template: cp -r /usr/share/git-core/templates ~/git/template, adding the ref pointer: echo 'ref: refs/heads/main' >~/git/template/HEAD, and passing that directory to git init in the --template= option (or setting init.templateDir).

If you want to easily change the main branch name of existing repositories, you can just run git branch -m master main && git push -u origin main. Remember to adapt any settings or scripts that might refer to branches by name, such as CI/CD, “protected branches”, etc.!

The Unfeeling Protectors

[CN references to violence, toxic masculinity, rape]

Gabrielle Blair aka Design Mom posted a thread on Twitter about (usually white, usually cis) men and their fantasies around “protecting their families” that are actually fantasies of “justified” violence.

Luckily, she also posted it on her blog, where it’s easy to read and not subject to the Twitter privacy-stripping, engagement-driven thought blender:

[Men are] picturing some great thing — having to protect their family at gun point from a clear and present danger. When the actual instructions for protecting the family are simpler, they are no longer interested.

One can rightfully argue that the US is a special case, with its insane gun laws, shaped by a strong lobby group influencing politics against the public majority, leading to the highest rates of gun violence within their socioeconomic group of countries. But the thinking behind these “protect my family” fantasies is the same in “conservative” and far-right circles here in Europe and likely worldwide.

It’s the fantasy of replacing with violence, justified by pseudo-morals, anything resembling emotion, care, reflection. These men like to feel powerful, and power and violence are inextricably linked in their minds. Conversely, anything that is not violent must thus diminish their power.