Erfahrungsbericht unu Scooter – Teil 1: (Vor)bestellung

Im Vorwort habe ich einen Hintergrund zur Situation und zu unu, der Herstellerfirma meines Elektrorollers (auch “E-Moped”, weil die E-Stehroller alles durcheinander bringen), gegeben. In diesem Teil geht es um die Ankündigung des neuen unu Scooter, die Vorregistrierung, Bestellung, und allerhand Schwierigkeiten dabei und auf dem Weg zur Lieferung.

Der Nachfolger des unu Classic wurde lange geteasert und dann im Mai 2019 endlich vorgestellt. In der Pressemitteilung zum Launch (PDF) heißt es, der neue unu Scooter sei “ab jetzt vergünstigt als Pre-Order online verfügbar und startet ab Februar 2020 im regulären Vertrieb”.

Und der neue Roller sollte nicht nur alles verbessern, was beim Classic anfänglich oder über die Zeit ein Problem war, sondern war ein Rundumschlag sondergleichen: Von Grund auf – Rahmen, Verkleidung, Hard- und Software – von unu designed, statt ein bestehendes OEM-Referenzdesign einzukaufen! Ins Rad integrierter Motor und somit sehr viel Stauraum! Platz für zwei Akkus, die parallel betrieben werden können – kein lästiges Umstecken mehr!

Und so geht es weiter, ausnahmslos im Präsens formuliert: Es gibt eine unu-App, die den Standort und Ladestatus des unu von überall anzeigen kann, und auf die auch bei unerlaubter Bewegung des Rollers eine Meldung vom eingebauten Diebstahlschutz gesendet wird. Über die App kann man Navigationsziele auf die Kontrolleinheit des Scooters schicken und so direkt zum Ziel geleitet werden, ohne Handyhalterung. Und statt eines langweiligen Zündschlüssels gibt es NFC-Schlüsselkarten, Entsperren mit dem Handy, und Sharing via App, so dass man Freund*innen und Bekannten digital Zugriff auf den Roller geben kann (revolutionäres “Micro-Sharing”, so der damalige CXO von unu).

Schließlich soll das bewährte Vertriebs- und Liefermodell gewahrt bleiben und der Roller fahrbereit und bereits versichert vor die Haustür geliefert werden – ab “Frühling 2020”.

Nachdem ich schon länger den unu Classic im Auge hatte und mit Freude das Rollersharing von eMio (jetzt emmy) und später COUP (jetzt TIER) genutzt hatte, war das natürlich perfekt. (Hier jetzt das “Shut up and take my money!”-GIF denken.) Ich wollte sofort vorbestellen, um möglichst früh 2020 meinen Scooter zu bekommen, aber der Shop war leider noch gar nicht verfügbar. Erst im Juli 2019 konnte ich den Scooter dann endlich vorbestellen. Für die Bestätigung der Vorbestellung und Anzahlung von 100€ schrieben unu in ihrer Mail:

Deine Anzahlung gewährt Dir das limitierte Pre-Order Package, das Folgendes beinhaltet:

1 kostenloser Helm (99 €)
1 zusätzliches Jahr Garantie (129 €)
100 € Rabatt

Mit dem limitierten Pre-Order Package erhältst Du einen früheren Zugang zum neuen unu Scooter. Spätestens im September kontaktieren wir Dich …

Mail von unu, Bestätigung der Vorbestellung und Anzahlung, Juli 2019

Um es an der Stelle schonmal kurz vorweg zu nehmen: Von den genannten Inhalten und Vorteilen ist nur der Rabatt tatsächlich meßbar und sinnig. Der Helm ist ein MTR Jet von Louis, der dort im UVP 49€ kostet, und den ich nach wenigen Fahrten durch einen Helm mit Visier ersetzt habe, das zusätzliche Jahr Garantie wird allein für die Kinderkrankheiten oder Serienprobleme draufgehen, und der frühere Zugang, nun ja…

Jedenfalls passierte nach der Anzahlung erst mal eine ganze Weile – nichts. Der September verstrich ohne ein Wort von unu, irgendwann hörte man dann Munkeln, dass im Dezember (2019) etwas kommuniziert werden solle. Der Dezember verstrich ebenfalls, ohne dass die Vorbesteller von unu in irgendeiner Form aktiv informiert wurden. Auf Social Media konnte man dann Anfang 2020 etwas von Lieferproblemen und Verzögerungen hören, als ob das mit Blick auf die in der Pressemitteilung angekündigte Auslieferung ab Februar nicht schon sehr offensichtlich sei. Ich fragte also nach, und hörte, es würde wohl März 2020. Ok, ein neues Produkt, das kann schon mal ein paar Monate Verspätung haben, besonders wenn es so viele neue Features vereint, das ist verständlich.

Nun, es wurde März 2020, und die COVID-Pandemie, die seit Januar unterschwellig präsent war, wurde in Europa plötzlich sehr prominent. Ich war selbst Anfang März noch beruflich im Ausland und bin eine Woche früher zurückgekehrt, als die ersten Länder begonnen, ihr öffentliches Leben herunterzufahren und Grenzen zu schließen. Als im Mai 2020 dann der erste Schock etwas abgeklungen war, frage ich bei unu nach. Nach 19 Tagen erhalte ich die Antwort, dass es jetzt gar kein konkretes Lieferdatum mehr gebe. Im Netz spricht unu von Produktionsverzögerungen durch die Pandemie.

Wir erinnern uns: Eigentlich sollte die Auslieferung im Frühling 2020 beginnen. Das bedeutet, dass spätestens Ende Februar, besser früher, alles in Containern und eingetütet gewesen sein sollte. Für ein Produkt, was schon auf dem Home Stretch der Produktion sein sollte, also ein wenig erstaunlich, dass 4-6 Wochen beginnende Pandemie da so große Probleme verursachen sollten. Nichtsdestotrotz handelte es sich natürlich um eine Ausnahmesituation, weshalb ich auch hier ein gewisses Maß an Verständnis aufbringen konnte.

Ende August 2020 war es dann so weit: “Mach Dich bereit für Deinen Scooter”, schreiben unu. “Oh boy,” dachte ich, “ihr wisst ja gar nicht, wie bereit ich bin!”

Um Deinen neuen unu Scooter als Erstes zu erhalten, kannst Du Deine Bestellung jetzt abschließen.
Im Anschluss erhältst Du Dein Lieferdatum und einen Link zur Verfolgung der Lieferung Deines Rollers bis zu Deiner Haustür.

Die erste Charge, die von unserem Produktionsband läuft, wird unser unu Scooter in Matte Black sein. Einen Monat später folgen alle anderen Farbvarianten.

Mail von unu vom 20. August 2020 (erste aktive Kommunikation seit Juli 2019)

Ich hadere dennoch ein wenig mit mir. Wenn die Kommunikation bisher schon mehr als mäßig lief, als ich unu erst 100€ gegeben hatte, was wird dann, wenn ich ihnen Tausende obendrauf gebe und dann nochmal monatelang warten muss? Ich frage wegen Leasing oder Ratenzahlung, aber die Antwort lässt auf sich warten und ist dann enttäuschen – in einer Zeit von negativem Leitzins noch mehrere Prozentpunkte für Ratenzahlung draufzulegen, sehe ich nicht ein. In der letzten Sekunde des Vorbesteller-Openings gebe ich die verbindliche Bestellung für meinen Scooter ein und zahle den Kaufpreis für das unten-rechts-Modell in Höhe von fast 4000€:

  • 1x unu (4000 W, mattschwarz): 3999 €
  • 1x Helm (Gr. L): 99 €
  • 1x Garantieverlängerung: 129€
  • 1x Discount: -328€
  • Gesamt: 3899€

(ab hier ärgere ich mich dann übrigens wirklich, dass sie 99€ für einen Helm veranschlagen, der im Einzelhandel nur 49€ kostet, ich finde das unehrlich – und da hatte ich den Helm noch nicht mal in Händen)

Das ist nicht wenig Geld – aber für Unabhängigkeit von ÖPNV und Autos, von einem lokalen Unternehmen, mit Smart Features, geringen Betriebskosten und wenig Verschleiß, und mit einem 4kW-Motor? Das war’s mir wert. Zumindest, als ich 2019 vorbestellt hatte und es keine vergleichbaren Alternativen auf dem Markt gab. Mitte 2020 sah es zwar schon anders aus, aber wie die meisten Menschen tue ich mich manchmal schwer damit, schon getroffene Entscheidungen zu ändern…

Aber hey! Der Scooter scheint in greifbarer Nähe zu sein, und in der Tat wird im Bestellstatus im Webshop eine Lieferdauer von vier bis sechs Wochen genannt. Could it be? Nach sechs Wochen frage ich nach, und erhalte als Antwort, dass unu einen Fehler im Webshop entdeckt habe, der irreführende Lieferzeiten anzeige, und diesen nun korrigiert habe: Die Lieferzeit wird jetzt mit acht Wochen angegeben.

Ich dachte, von Ankündigung bis Vorbestellung bis kurz vor Lieferung alles in einen Eintrag packen zu können, aber es wird schon ziemlich lang – daher geht es an dieser Stelle demnächst im zweiten Teil weiter. Es wird heiß!

2 Replies to “Erfahrungsbericht unu Scooter – Teil 1: (Vor)bestellung”

  1. Ich hab fast alles wie du im Parallelen Zeitstrahl erlebt und ähnliches intensiv aufgesaugt und mich damit beschäftigt und alles mögliche in den Jahren recherchiert.

    Jetzt wo ich deinen Text lese , fiel mir auch wieder auf dass ich ja ich bereits 2019 schon die Kaufentscheidung traf. Ich war so verliebt in das Design . Mein alter Piaggio fing sich damals jedes Quartal etwas neues ein was man nach all den Jahren auswechseln soll und man merkte : er fährt zwar noch, aber ständig Geld reinstecken in die alte stinkröhre …Ne,ne kein Bock.

    Also hab ich mich wie du bereits 2019 zur Preorder entschieden. Das Gesamtpaket schien äußerst attraktiv:
    100€ rabatt, Helm gratis (okay der ist unbrauchbar weil ohne Visier aber vielleicht hätte ich den für 50€ bei eBay verticken können oder zur Not halt für Gäste parat halten können). Plus 3. Garantiejahr (ist ja gerade bei den zu erwartenden Kinderkrankheiten viel wert )

    Lieferung wurde ja dann auf Frühling 2020 angesetzt, was vom Timing ja auch perfekt gewesen wäre

    Nur die Farbauswahl ob Mattstone, matt Coral , Glossy Red, da konnte ich mich einfach nicht entscheiden. die Frist zum Preorder sollte ja ende 2019 enden und wurde dann ja noch bis 31.Januar 2020 verlängert. In der Zeit hab ich alle 3 eben genannten Farbmodelle abwechselnd immer wieder Storniert und die 100€ zurück erhalten und wieder neu die andere Farbe entschieden und so weiter.am ende wurde es final matt coral. Geile Farbe.

    Hatte da zwar noch gehofft endlich meine eigentliche ABSOLUTE top Farbe “black matt” in der 3 kW Version bekommen zu können. Aber Die 4 kW Version fand ich mit 3900€ einfach viel zu teuer. Deshalb hab ich Ende Januar final für Matt Coral entschieden.(3250€) Wie gesagt , die Kaufentscheidung an sich war schon Mitte 2019 gedanklich vollzogen, und ab da begann die Vorfreude. Wer hätte damals gedacht wie sehr das alles dauert …. Unfassbar
    Aber naja. Die Zeit zum warten hatte ich ja, der Piaggio lief ja noch, von daher hatte ich null Zeitdruck

    Im August öffnete sich dann per Email der onlinestore und ich “durfte” endlich die Restzahlung machen . Da kam konkrete Hoffnung auf den Roller noch ende 2020 zu erhalten. Hab ca. 10 min nach Emaileingang die Zahlung per Kreditkarte erledigt.

    Im Dezember hatte ich im Forum gelesen, jemand hätte bei unu 100€ Gutschrift versprochen bekommen wenn man die Bestellung aufrechterhalten würde. Das stimmte wirklich, hab das auch gemacht und die haben mir das gleiche versprochen: bei Auslieferung würde ich 100€ Erstattung erhalten.

    Als die im März dann Mal in die Puschen kamen und ansatzweise Klartext redeten, da kam ja diese komische Aktion dass man über so einen Kalender online sich ein Telefontermin sichern sollte, weil die einzelne Konfigurationen besprechen wollen . Da war ich schon irritiert, was wollen die jetzt bitte an der Konfiguration mit mir bequatschen??! Es gibt doch nur 3 oder 4 kW, und die Farbwahl.

    Lange Rede kurzer Sinn: die haben mir telefonisch zugesagt, mir ein kostenloses Upgrade auf die die schwarze 4 kW Version gegeben, weil matt coral nicht lieferbar wäre. Hab mich mega gefreut, jetzt hatte ich also meine absolute Wunschfarbe zum Preis von 3250 , mit demzusatz Rabatt sogar nur €3150, und sogar mit dem 4 kW Motor.
    Da hab ich mich noch mehr auf den UNU gefreut. Das war ja zu schön um wahr zu sein!! Wenn er doch endlich kommen würde.

    Durch das Upgrade bin ich aber terminlich weiter nach hinten gerückt, der Sales Chef hat mir in der Upgrade Email-Bestätigung reingeschrieben: der Roller wird Mai geliefert.
    Als die dann im Mai noch Mal verschieben wollten, da haben die ja zu den ganzen Rabatten ja auch noch eine gratis erstinspektion (bis 70€) gepackt.

    Tja , kennste ja , dann kam der scheiß mit erneut Prozesse optimieren, und Versand ummodeln , Batterie Gate , usw , dir muss ich das ja nicht erzählen

    Irgendwann im Mai ist mir dann der Geduldsfaden gerissen. Vor allem mit der Erkenntnis wir fehlerhaft der ganze Scooter läuft. Die kriegen das ja überhaupt nicht gebacken.

    Du kennst ja die ganze Story

    Bin einfach nur froh jetzt dass die meine Lieferung verkackt haben . Konnte dann problemlos schweren Herzens stornieren .

    bin dann umgestiegen auf den EK1, ist einfach nur richtig geil und läuft tadellos . Für mich der perfekte Roller.

    Verfolge immer noch unu und hoffe die packen das , damit ich vielleicht in 4 , 5 Jahren den Nachfolger vom Nachfolger vom unuscooter kaufen kann. Zukunftsaussichten sehen aber leider sehr sehr düster aus für unu. Naja , so wie die sich verzockt haben : irgendwie selber Schuld. Klar Corona kann als Entschuldigung herhalten, aber die haben sich mit diesem ganzen smartfeature Gedöns total verzockt. Jetzt gibt’s noch nicht Mal ne app. Und das ganze wohl nur wegen dieser größenwahnsinnigen Strategie, den Roller als smartkonzept interessant für Sharing Anbieter zu machen, um dann für die Sharing-Firmen direkt Mal 1000 modelle auf einmal zu liefern , oder vielleicht sogar noch erheblich mehr Modelle abzusetzen. So eine Sharing flotte für Berlin, HH, Frankfurt, Köln, Düsseldorf, Stuttgart… da würde ja mehrere tausend Sharing Roller für benötigt. Und nebenbei dann noch paar private Interessenten noch dem roller liefern. da haben die sich total dran verhoben.

    Stell dir mal vor, die hätten in ihrem unu Plan den unuscooter erstmal in einer NICHT-smarten Variante entwickelt. Also von Design und vom Motor her wie er jetzt ist aber halt mit Schlüssel statt keyless, nur ein kleines Display, ohne App etc. Einfach mit Schlüssel rein, aufmachen, losfahren,Spass haben. Das hätten die so machen sollen , und wenn der technisch dann irgendwann sauber Funktioniert (und Hinterreifen nicht Abfallen und Spaltmaße OK sind , die Probleme mit der internen Batterie geklärt sind, der Zweitakku keine % Werte mehr verliert obwohl er garnicht benutzt wurde, die km Stände aufhören willkürlich hin-und-her zu springen, und Beschleunigungskurven stimmen , etc ) dann hätten die ja parallel immer noch an einer smart Edition darauf aufbauend arbeiten können. Dann hätten interessierte Sharingbetreiner auch direkt einen Funktionierenden Flotten-Roller ohne Kinderkrankheiten bei unu ordern können

    Als Corona kam hätte die unfassbar viele Modelle verkaufen können, weil super viele Großstädter ihre Jobtickets kündigten usw . Eine nicht-smarte Version vom unuscooter wäre vermutlich theoretisch ja auch noch Mal etwas günstiger geworden.

    Schade , Ich glaube die haben sich einfach durch die strategie damals sich zu sehr auf smart Funktionen für Sharingmarktabsätze zu konzentrieren absolut verzockt und dann mehr und mehr kostbare Zeit verloren.

    Ich bin überzeugt hätten die ende 2019 einen unu Scooter der Welt zum Kauf angeboten , der die jetzige optik hat, aber einfach nur ohne Schnickschnack funktioniert hâtte, >>das wäre eine absolute Erfolgsstory geworden

    1. Wenn sie nicht direkt das ganze Sharing-Gedöns machen wollten – ich denke das ist der große Knackpunkt. Das sind nämlich signifikant andere Anforderungen: Ein Sharing-Scooter wird immer frische Akkus bekommen, wird auch immer nen Hauptakku drin haben, etc., Diebstahlschutz ist weniger wichtig als Tracking, …

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