Erfahrungsbericht unu Scooter – Teil 5: Ein letztes Aufbäumen

Im vorigen Teil gab es einen neuen Roller, mehr Probleme, und dann die Ankündigung eines neues Steuergeräts, das “die Probleme dann aber auf jeden Fall beheben sollte”. Heute kommt die Saga zu einem zumindest vorläufigen Abschluss.

Nach einem erfreulichen offenen Gespräch mit einer sehr freundlichen und hilfsbereiten Person aus der unu-Technik soll bei meinem bereits einmal komplett getauschten Scooter das Steuergerät ersetzt werden. Ich bin zwar recht sicher, dass es nicht daran liegt, aber zu einem neuen Steuergerät sage ich nicht nein. Wir suchen gemeinsam eine Werkstatt aus, unu bestellt das Teil direkt dorthin. Wenige Tage später ist das Teil schon eingetroffen und ich telefoniere mit der Werkstatt, um einen Termin zu vereinbaren. In wenigen Tagen kann ich am frühen Abend vorbeikommen, der Tausch soll dann sehr schnell gehen.

Ich fahre erst zur falschen Werkstatt, da ich mir nur die Anschrift aufgeschrieben habe, aber nicht den Namen notiert. So stehe ich erst kurz nach Ladenschluss in einem Autohaus und blicke in sehr verwirrte Gesichter, als ich was von einem Roller erwähne. Eine kurze Google-Suche weiter fahre ich auf die Rückseite des Geländes. Kurz hallo sagen, Roller rein, Hebebühne rauf, bisschen reden, bisschen umschauen, das Steuergerät ist unter dem Fußbrett verschraubt, der Tausch geht tatsächlich sehr schnell.

Hinter der Werkstatt stehen eine Menge andere unus, sowohl Classic als auch die neuen Scooter, aber die hätten verschiedene andere Probleme, nur einer davon vielleicht das gleiche “Electrical Issue” wie meiner. Das Steuergerät frisch getauscht, fahre ich nach Hause. Der Akku darf über Nacht voll laden, um am nächsten Tag keinen unnötigen Stress zu haben.

Die Fahrten ins Büro und zurück am nächsten Morgen verlaufen ereignislos, da die Strecke recht kurz ist. Ich möchte aber nicht wieder von einem Ausfall überrascht werden und entscheide mich, eine dedizierte Testfahrt zu machen. Über die letzten paar Male habe ich mir eine ziemlich genaue Hypothese erarbeitet: dass der Roller bei etwa 35% Akkustand nicht mehr voll beschleunigen lässt, weil die Zellen ihre Spannung nicht halten können, bis die Steuerelektronik dann bei etwa 20% Akkustand in den “Akkustand niedrig”-Modus geht und den Strom aktiv reduziert – ab da kann man dann nur noch voll beschleunigen, weil sonst zu wenig Strom fließt. Ich plane grob eine Strecke und fahre los, es ist früher Abend.

Wie erwartet geht es relativ lange gut voran. Als der Akkustand auf etwa 40% fällt, schaue ich besonders genau hin. Und tatsächlich tritt wie erwartet bei ziemlich genau 35% – man kann den Ladestand bei der Fahrt nicht exakt ablesen – das selbe Problem auf: Dreht man den “Gasgriff” mehr als ein Drittel des Wegs auf, beschleunigt der Roller abrupt nicht mehr. Dabei gibt es immer ein leises Geräusch, das ein bisschen wie eine auslösende Sicherung klingt. Wenn man den Gasgriff dann aber kurz loslässt und vorsichtig anzieht, kann man weiter fahren und sich auch langsam auf die volle Geschwindigkeit hocharbeiten. Das geht so lange, bis die Elektronik selbst den Akkustand moniert, bei etwa 20%: Ab dann fällt die Beschleunigung abrupt aus, wenn man den Gasgriff nicht schnell auf Anschlag bringt.

Ich fahre kleine Kreise in der Nähe meiner Wohnung, bis der Akkustand auf unter 20% fällt. Die Probleme traten exakt so weiter auf wie vorher. Der Tausch des Steuergeräts hat also nichts gebracht außer noch mehr Verwirrung über den Kilometerstand – der wird nämlich nur dort gespeichert und kann offenbar auch nicht kalibriert werden. Als ich am Ende der Testfahrt zuhause ankomme, hat der Roller etwas über 70km auf dem Odometer.

Der Akku darf wieder voll laden. unu bekommen noch am selben Abend eine Mail. Diesmal braucht die Antwort nicht besonders lang, ist aber leider auch nicht besonders ermutigend: Das Problem würde weiter untersucht, so lange möge ich vermeiden, den Akku unter 35% runter zu fahren, man wisse, dass das die Reichweite stark einschränke, und bittet um Verständnis.

Die angegebene Reichweite des unu Scooter mit einer Akkuladung liegt bei 50km – realistisch sind eher 40 bis 45km, je nach Fahrweise und Zuladung. Wenn jetzt nur zwei Drittel des Akkus nutzbar sind, sinkt die effektive Reichweite auf unter 30km – das wäre für meinen früheren Arbeitsweg schon knapp geworden.

In der folgenden Zeit nutze ich den Roller dann auch nur für kürzere Fahrten: Zum Büro und zurück, mal im Kiez essen abholen, einmal durch die halbe Stadt um Freunde zu besuchen, aber immer mit voller Akkuladung zu Fahrtbeginn. Es ist nicht schön, aber es geht.

So lange, bis es nicht mehr geht.

Am Donnerstag, dem 15. Juli, habe ich am späten Nachmittag ein auswärtiges Meeting in etwa 10km einfacher Entfernung, die Hinfahrt ist ereignislos und macht so viel Spaß wie eine Fahrt in Berlin im Feierabendverkehr kann (irgendwann verstehen Autofahrende vielleicht, dass mit überhöhter Geschwindigkeit überholen, schneiden, abdrängen, rote Ampeln überfahren und all das Getue ihnen übers Jahr nur wenige Minuten spart, aber der Stress sie krank macht, ich bin sicher). Kurz nach meiner Ankunft kommt das angekündigte Gewitter, das ich aussitze. Als die Straße und vor allem aber die Luft wieder trocken ist, mache ich mich auf den Rückweg.

Nach 2/3 des Rückwegs fährt der Roller an einer Ampelkreuzung nicht mehr an. Der Akku steht noch bei deutlich über 35%, aber das Problem scheint erst mal ähnlich, auch vom Klang. Das Display zeigt diesmal aber sofort ein “Electrical Issue” an. Ich schiebe den Roller noch bevor die Autos hupen können an den Straßenrand und dann auf den geräumigen Gehweg. Dann versuche ich noch einmal den Gasgriff und bekomme einen Sekundenbruchteil Beschleunigung, bevor wieder die Fehlermeldung erscheint. Ab da tut der Gasgriff nichts mehr: Das Display zeigt zwar an, dass Strom fließt, aber der Motor tut keinen Mucks. Auch ein Zu- und Aufschließen, Öffnen und Schließen des Sitzfachs, und Umdrehen der Batterie bringen keine Besserung.

Mit einem Mietscooter von emmy fahre ich den Rest des Wegs nach Hause, komme mit Verspätung zum gemeinsamen Kochen an, muss aber vorher wenigstens noch die Grundzüge einer Mail an unu vorbereiten. Ich versuche auch, anzurufen, aber die Geschäftszeiten sind natürlich schon vorbei. Ich sende die Mail noch nicht sofort ab – erst nach dem Essen, weniger akut genervt, schreibe ich eine kurze, neue, die eine Problembeschreibung und den Standort des Rollers enthält.

Am nächsten Tag ruft unu zurück, ich fasse nochmal zusammen, und informiere sie, dass ich wegen Mängeln vom Kauf zurücktreten werde: Das ist jetzt der vierte Reparaturversuch, und ich habe nicht den Eindruck, dass man der Ursache des Problems irgendwie näher gekommen ist, noch, dass das Problem überhaupt ordentlich zu lösen ist, ohne die Elektrik der Roller zu überarbeiten. Der Telefonsupport kann natürlich keine Zusage machen, zeigt aber Verständnis. Ich möge das bitte auch nochmal per Mail schreiben. Ansonsten vereinbaren wir einen Abtransport des Rollers, ich schicke Fotos und eine genauere Standortbeschreibung, das Motorradtaxi solle sich bald melden.

Und hier sind wir, im jetzt und heute. Der Roller wurde heute früh abgeholt, ich bin extra nochmal mit einem TIER-Gogoro hin gefahren und habe Schlüsselkarte, das Starter-Kit mit Ladegerät und den mitgelieferten Jethelm mitgenommen und dem Motorradtaxi mitgegeben, dafür habe ich diesmal gleich das Kennzeichen abmontiert und die Versicherungsunterlagen mitgenommen – dann muss ich auf die nicht warten, wenn ich die Versicherung auf ein neues Fahrzeug umschreibe oder ggf. kündige. Die Werkstatt hat sich auch schon gemeldet, dass der Roller da sei, man vermute, dass der Motor defekt sei, und man würde mich informieren, sobald es was neues gibt.

Wie geht’s wohl weiter? Krieg ich einfach mein Geld zurück? Wollen sie erst nochmal rumlavieren und Stress machen und dann für eine Anwaltsmeinung zahlen? Vielleicht bietet unu auch nochmal einen signifikanten Discount an, um Early Adopter bei der Stange zu halten, oder als Bezahlung für den Support bei der Produktentwicklung und Qualitätssicherung… ich bin gespannt und werde den Eintrag aktualisieren, wenn es was neues gibt.

One Reply to “Erfahrungsbericht unu Scooter – Teil 5: Ein letztes Aufbäumen”

  1. Toi toi toi für das “schnelle Geld zurück bekommen”. Bei mir lief “das” wenigstens super schnell. Ich glaube also der Buchhaltungsprozess ist von Unu outgesourced 🙂

    Am selben Tag noch eine Kündigungsbestätigung von unu, am nächsten Tag schon die Info über die Buchhaltung und die Zahlungsanweisung, zwei weiteren Tage später war das Geld auf meine Konto. Ich hatte allerdings im Vorfeld gekündigt ohne jemals einen unu Scooter geliefert bekommen zu haben – aber im Grunde genommen macht das ja kein Unterschied, oder sollte kein Unterschied machen. Normalerweise müsstest du on-top Geld noch von denen bekommen für die ganze verbratene Freizeit durchEntwicklungsarbeit und Fehlerfindungsanalyse die du (für unu) betrieben hast

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