Die Geschichte vom unu – Vorwort

Im März 2021 habe ich endlich meinen seit fast zwei Jahren vorbestellten unu Scooter bekommen. Nicht nur mit den Vorbestellungen und der Auslieferung ging jedoch einiges schief, auch nach der Lieferung der Elektro-Mopeds gibt es viele Probleme, wenig Kommunikation, und leider noch weniger Lösungen. In dieser Serie von Beiträgen werde ich mehr oder weniger chronologisch aufzählen, was alles problematisch war – in der Hoffnung, auf diesem Wege entweder den Hersteller selbst zu erreichen und zu Verbesserungen zu bringen (was sich bisher per Mail und Telefon schwierig gestaltete), oder zumindest potentielle Interessent*innen darüber zu informieren, womit sie ggf. rechnen sollten, damit sie eine fundierte Entscheidung für oder gegen den unu Scooter treffen können.

In diesem, ersten Teil soll es ein bisschen um Hintergründe gehen: Wer ist unu eigentlich, was haben sie bisher so gemacht, und warum haben Tausende Vorbesteller*innen ihnen so viel Geduld geschenkt?

Zunächst zum Hersteller: unu, immer klein geschrieben, wurde 2013 in München gegründet und zog 2015 nach Berlin, um die dortige Startup-Szene nahe zu halten. Inspiriert wurden die Gründer (korrekt gegendert) von Großstädten in Asien, deren “Potenzial [schwierig] auszuschöpfen [sei], da die Mobilität dort häufig sehr eingeschränkt ist” (ich meine ja, dass es in Großstädten in Asien gemeinhin sehr viele Scooter gibt und ansonsten auch Fahrräder, ÖPNV, Autos etc., aber ich bin auch nicht so inspiriert tbh).

Ihr erstes Produkt war der unu Scooter, jetzt “unu Classic”, ein re-brand eines Sitzrollers eines chinesischen OEMs. Die Innovation lag mehr auf Vertriebsseite: Durch direkten Onlineverkauf, kombiniert mit Ready-to-ride-Konfiguration inklusive Versicherungskennzeichen, konnten unu den Classic für einen relativ guten Preis zwischen 1800€ und 2800€ verkaufen. Das Design der Roller war gefällig, wenn auch nicht besonders herausragend, aber in Maßen konfigurierbar (mit verschiedenen Gehäuse- und Sitzfarben) und solide. Die Akkus waren herausnehmbar und konnten an der heimischen Steckdose geladen werden – ein Vorteil besonders in Städten, wo die wenigsten Zugang zu einer Außensteckdose haben werden. Der unu Classic kam recht gut an, besonders in Berlin und München sieht man sie immer wieder im Stadtbild. Es dauerte auch eine ganze Weile, bis in Qualität und Branding vergleichbare Produkte in größeren Maßen nach Deutschland kamen: Lange gab es nur sehr teure, schwere Elektroroller, oder preisgünstige, aber instabil wirkende bis klapprige Gefährte mit veralteten Batterietechnologien. Der Erfolg des unu Classic ist somit nachvollziehbar und verdient: Es wurde nicht zu viel versprochen, und relativ viel davon gehalten, der Rest wurde recht kulant nachgebessert.

Über die Jahre wurde der unu Classic verbessert, einige Teile zeigten unerwartete Verschleißerscheinungen (diverses Plastik wurde bspw. gelblich bis milchig statt transparent, was bei Displays und Licht ein Problem ist), ein paar Dinge wurden von der Community gehackt (digitales Aufbohren war bspw. dank OEM-Teilen aus China sehr einfach), so weit, so gut. Das Alter der Modellreihe zeigte sich aber immer stärker, und unu begann an einem neuen Scooter zu arbeiten.

Die Pläne dazu waren schon lange angelegt: unu sprach von Anfang an davon, dass sie nicht nur Roller bauen (lassen) wollen, sondern nichts weniger als die Revolution der Mobilität ihr Ziel sei. E-Mobility solle nicht nur demokratisiert werden, sondern Mobility-as-a-Service angeboten werden, bevor dann, natürlich, autonome Fahrzeuge uns direkt ins Schlaraffenland fahren.

Das neue Modell, nur noch “unu Scooter” genannt, sollte ursprünglich bereits im September 2019 ausgeliefert werden. Vorbestellungen waren seit Mitte 2019 möglich, bei denen man eine Anzahlung von 100€ gegen eine E-Mail eintauschen konnte, die u.a. folgendes versprach:

Wir haben Deine Anzahlung von 100 € nun erfolgreich erhalten und bearbeitet. Das bedeutet, dass Du die Chance hast, einer der ersten Besitzer unseres neuen unu Scooters zu sein.

[…]

Im Laufe der nächsten Monate werden wir Dich mit News und Updates zum neuen unu Scooter versorgen. Spätestens im Dezember 2019 werden wir Dich kontaktieren, um Dir die nächsten Schritte zur Umwandlung Deiner Pre-Order in eine endgültige Bestellung zu verkünden.

unu motors, “Bestätigung der erfolgreichen Anzahlung für deine Pre-Order”, Juli 2019

Dann gab es Funkstille. Und zwar ordentlich: Trotz mehrerer Rückfragen gab es zwischen Juli 2019 und Ende Mai 2020 – nichts. Wer regelmäßig Suchmaschinen gefragt hat oder auf Twitter oder Rollerforen unterwegs war, hat vielleicht mitbekommen, dass es erst auf “spätestens im Dezember” verschoben wurde, dann auf März 2020. Was im März 2020 jedoch nicht kam, war Kommunikation von unu oder gar neue Scooter. Statt dessen gab es die COVID-19-Pandemie. Aber mehr über Bestellung und Lieferung im nächsten Teil.

2 Replies to “Die Geschichte vom unu – Vorwort”

  1. Wow, bin gespannt auf was da noch kommt im Hauptbericht. Das Vorwort macht schon sehr Appetit auf mehr.
    Hab dir eine sehr ausführliche Antwort im Forum geschrieben!

    Alles gute

  2. Wow , Respekt, was du dir da für ne Arbeit gemacht hast und bin gespannt was da noch kommt.

    Mir scheint du bist endlich jemand der sich hinsichtlich der (positiven gemeinten) Bessenheit und Liebe zum unu Scooter Design auf meinem Level bewegt Wahrscheinlich sogar deutlich drüber ,wenn man sieht wieviel Details du da reinsteckst in deinen Text (das ist ja “nur” das Vorwort und von daher kann ich mir schon vorstellen wie Aufschlussreich der Hauptteil des Berichts wird.)

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