Own your data

Google stellt Reader ein, das Geschrei ist groß, aber neben Petitionen hat es auch (mal wieder) eine Diskussion darüber ausgelöst, in wessen und in welche Abhängigkeiten man sich begibt, wenn man Dienstleistungen von Drittanbietern nutzt. Besonders dann, wenn man für diese Dienste nicht zahlt, und diese Dienstanbieter lieber proprietäre (wenn auch mehr oder minder offene) APIs anbieten als standardisierte Schnittstellen zur Verfügung zu stellen. Denn Google stellt ja nicht nur Reader ein, den man noch relativ leicht ersetzen kann, sondern auch die Reader API, und außerdem beispielsweise CalDAV, das Standardprotokoll für den Zugriff auf Kalender, sowie ActiveSync und einige andere Dienste. Und dann schmeißen sie auch noch ganz kühn AdBlock Plus aus dem Android Play Store. Zeit, sich ein paar Fragen zu stellen.

Die wichtige Frage lautet: Wie abhängig bin ich von dem guten Willen irgendwelcher Firmen, Vereine oder Personen in meinem digitalen Leben? Beziehungsweise, ehrlicher gefragt: Wie abhängig habe ich mich gemacht?

  • Nutze ich eine @gmail.com-Adresse, bin ich von Google abhängig. Nutze ich Gmail mit einer eigenen Domain, und kommuniziere die @gmail.com-Adresse nicht, kann ich mit vertretbarem Aufwand aus der Abhängigkeit herauskommen. Nutze ich eine eigene Domain und leite die Mails nur an Gmail weiter, ist meine Abhängigkeit noch geringer.

  • Wenn meine genutzten Tools auf offenen Standards aufsetzen, kann ich meine Datenprovider sehr viel einfacher wechseln, als wenn ich proprietäre APIs nutze. So kann ich zum Beispiel ein Blog, das AtomPub/Atom spricht, mit fast beliebiger Software bespielen. Nutze ich hingegen die Tumblr-API, bin ich exakt auf Tumblr angewiesen.

  • Habe ich eine Kopie meiner Daten in meiner Verfügungsgewalt? Was wäre, wenn Google morgen ihre Dienste einstellt – ist mein Kalender verloren? Meine Mails? Meine Musik? Oder würden mir nur einfache, schnelle Zugriffsmöglichkeiten abgehen, die ich aber mehr oder weniger leicht ersetzen könnte? Mein Google Calendar synchronisiert z.B. mit meinem Android-Phone, aber auch mit meinem iCal. Ein Shutdown von Google Calendar wäre unschön und nervig, aber kein Weltuntergang. Meine Musik liegt bei Google Play Music, aber auch im Amazon Arsch Player, bei iTunes Match und natürlich auf meinen Festplatten.

  • Kann ich meine genutzte Software ggf. selbst (weiter) betreiben, oder gibt es freie Alternativen, auf die ich umsteigen könnte? Gerade sprießen die RSS-Reader aus dem Boden, Webmail-Clients gibt es auch eine Menge (wenn auch kein mir bekannter Webmail-Client in Nutzbarkeit und Geschwindigkeit an Gmail heran kommt), aber zu einem Umstieg gehört mehr als ein Schulterzucken und ein Tab Switch. Je früher man sich Gedanken über Alternativen macht (und vor allem: den Voraussetzungen, um diese nutzen zu können!), desto besser ist man im Falle eines Falles dran. Ein eigener Server (z.B. virtuell; VPS) und Grundlagen der Unix-Benutzung reichen häufig schon aus, um sich z.B. einen eigenen webbasierten RSS-Reader zu installieren, oder ein eigenes Blog, etc. Das sind Kulturtechniken, denen man sich auf eigenes Risiko verwehrt.

  • Gehören mir meine Inhalte? Selbst wenn die Lizenz oder die AGB dergleichen versprechen – nur wenn ich meine Inhalte auch technisch einfach extrahieren kann, um sie weiter zu verarbeiten, gehören meine Inhalte auch weiterhin mir. Twitter bot lange keine Möglichkeit, länger zurückliegende Tweets zu extrahieren (mittlerweile gibt es ein „Archiv“-Tool, das minimal besser als nichts ist), auf Facebook streuen wir Daten mit der groben Schrotflinte, dann sind da noch Google+, diverse Foren, Webchats und so weiter. Die Großen bieten mittlerweile durchgehend relativ einfache Möglichkeiten zur Befreiung der eigenen Daten, aber im Internet gibt es einen Long Tail, der seinem Namen alle Ehre macht.

  • Gehört mir meine Identität im Netz? Ich bin unter meinem Nickname moeffju bekannt, ranke aber auch mit meinem Allerweltsnamen Matthias Bauer weit oben bei Google. Wenn meine Twitter- oder Facebook-Identität wegfallen, habe ich immer noch meinen eigenen Webspace auf meinem eigenen Server mit meinen eigenen Domains. Unpraktisch natürlich ohne Twitter oder Facebook, aber erträglich, und vor allem: möglich. Mein Blog ist außerdem immer noch mein OpenID-Provider für diverse Seiten; am liebsten würde ich alle „Login with …“-Buttons loswerden, da sie dem Kontrollverlust Vorschub leisten.

Jeder sollte diese Gelegenheit nutzen und reflektieren, von welchen Diensten und/oder Dienstleistern man sich bzw. Aspekte von sich abhängig macht. Ich will nicht päpstlicher sein als Nils und niemanden zwingen, jetzt, sofort Stallman’s vision von freier Liebe Software 100% umzusetzen, aber man sollte schon wissen, wo man seine Daten und seine Identität hinein gießt, und was man denn täte, wenn solche externen Einflüsse wegfielen.

Wer keine Übersicht über seine Daten hat, ist Spielball des (Daten-)Marktes.

Wer keine Kontrolle über seine Dienste hat, wird von seinen Diensten kontrolliert.

Wer seine Daten nicht beherrscht, wird von ihnen beherrscht.

Das Problem ist das System, ja

In letzter Zeit (lies: den letzten Jahren) kommt mir immer häufiger eine gewisse Art von Verhalten von Dienstleistern unter, die mich irritiert bis frustriert. Ein Denkschema, das schlicht kundenunfreundlich ist. Eine sichere Methode, die Welt nicht zu verbessern.

Exemplarisch sei auch hier DHL genannt, schlicht des zeitlichen Bezugs wegen. DHL sind aber bei weitem nicht die einzigen, die so denken bzw. agieren. DHL schrieb mir auf mehrere Tweets zu meinen minder guten Erfahrungen mit ihrer Dienstleistung:

Liebe DHL, wisst ihr was? Das ist mir egal. So richtig, total, vollkommen egal. Schnuppe. Wurscht.

Ich habe mich bei Paket.de, née Packstation.de, angemeldet, mit meiner vollständigen Anschrift, ihr habt mir dafür eine Postnummer zugeteilt, die mit meinem Kundenkonto verknüpft ist. Die Postnummer steht auf dem Express-Paket, dass ihr wegen irgendwelchem internen Unfug nicht am Mittwoch in die Packstation gelegt habt. Warum muss ich dann eine 01805-Nummer anrufen, um euch meine Anschrift zu geben? Warum kriege ich dann solche Tweets?

Ich weiß, dass das alles nicht gut läuft bei euch. Ich weiß, dass der Zusteller die Sendung nicht nach Hause bringen konnte, weil ihm die Daten fehlen. Das ist alles keine neue oder relevante Information!

Der Punkt ist, ihr solltet das besser können, DHL. Ihr habt die nötigen Daten, ihr bezeichnet euch als Logistik-Unternehmen, die Verbindung sollte wirklich nicht so schwer zu ziehen sein.

Wenn denn der Wille da wäre. Und die Vision. Und die Stärke, die Vision durchzuziehen. Ein Produkt stringent an den Kundenbedürfnissen zu orientieren. Denn eure Kunden – die Versender – haben auch ein Interesse daran, dass eure Quasi-Kunden – die Empfänger – ihre Ware schnell, einfach und zuverlässig erhalten.

Falsche Incentives verderben alles.

Liebe DHL, wir müssen reden

DHL hat sich bei mir weitest gehend disqualifiziert. Die Notlösung Packstation hat sich nun ebenfalls ins Aus geschossen. Die Post hat ein strukturelles Problem mit ihren Abläufen und Unterfirmen, das dem Wohl des Kunden abträglich ist.

Eine Express-Sendung, vielleicht erinnern sich manche, soll für schnelle Zustellung sorgen. Packstationen ebenso. Ich führe das kurz aus, dem Verständnis halber:

Ich zahle also Amazon, das ist so ein Internet-Kaufhaus, das wohl häufiger mal Pakete versendet, einen Betrag X, damit ich meine dort bestellten Waren schon am nächsten Werktag bekomme. Um das sicherzustellen, wählt Amazon mit ihrer unglaublichen Rechenleistung eine Versandart, die das wahrscheinlich macht. Zum Beispiel den Express-Versand mit DHL Express.

Zum anderen habe ich mich bei der Deutschen Post – oder DHL, oder Deutsche Post Paket Packstation, oder wie auch immer, jedenfalls so einer Firma mit gelb und schwarz und rot – recht umständlich in einem mehrwöchigen Prozess für einen Dienst namens Paket.de registriert. Nachdem ich meine Login-Daten gegen Vorlage meines Personalausweises von einem angemessen ernst blickenden Postboten in Empfang genommen hatte und mich endlich anmelden konnte, sollte mir dieser Dienst eine Reihe von Vorteilen bringen.

Zum Beispiel habe ich jetzt eine Postnummer, die ich in meine Lieferanschrift aufnehmen kann. Bevor ein so adressiertes Paket zugestellt wird, soll ich dann eine Benachrichtigung bekommen, damit ich mir z.B. einen Zustelltermin aussuchen kann, oder wenigstens eine Wunschfiliale für die Zustellung, falls ich nicht zu Hause bin. So könnte ich sicherstellen, dass meine Pakete nicht automatisch in einer Filiale landen, die von 9-17 Uhr geöffnet ist, denn diese Öffnungszeiten sind immer schwierig, wenn ich grade bei einem Kunden vor Ort arbeiten muss. Nun gut, dieser Ankündigungs- oder gar Wunschtermin-Service hat bisher genau nie funktioniert, egal an welche Stelle der Adresse ich meine Postnummer positionierte. Aber wenn es funktionierte, wäre es sicher sehr praktisch.

Gleichzeitig bin ich mit der Anmeldung bei Paket.de nun auch Packstation-Kunde, ein angenehmer Nebeneffekt, weil ich so nicht nochmal meinen (doch gefälligst deutschen, andere Eingaben lässt die Software nicht zu, tut uns Leid!) Ausweis auf irgendwelchen 9-17-Uhr-Filialen vorzeigen musste. Packstationen sind quasi automatisierte Paketschalter. Man kann dort Paketsendungen aufgeben (eine ähnlich passende Wortwahl wie bei der Gepäck-Aufgabe bei Air France, übrigens) oder eben abholen, wenn man sie entsprechend an eine der vielen Packstationen adressiert hat. In der Praxis versendet zum einen nicht jedermann per DHL, zum anderen sind Packstationen manchmal voll oder defekt, und so landen die Pakete dann entweder ein paar Packstationen weiter weg oder eben doch in der Filiale.

In einer idealen Welt sieht das aber so aus: Ich bestelle, sagen wir, ein paar Festplatten bei o.g. Amazon, weil ich dringend meine beiden Arbeitsrechner erweitern will. Als Lieferanschrift gebe ich “meine” Packstation an, also die nächstgelegene. Nicht, weil ich den ganzen Tag unterwegs bin gerade, im Gegenteil, sondern weil die DHL-Boten häufiger mal Probleme mit der Bedienung der Klingel oder der Türklinke haben und Pakete dann nicht zugestellt werden können, weil der DHL-Bote nicht angetroffen werden konnte. Mit dem Einlegen in die Packstation haben sie üblicherweise keine Probleme, außer die Packstation ist voll. Wenn ich früh genug bestelle, geht das Paket bei Amazon noch am selben Tag raus und schafft es dann über Nacht nach Hamburg ins Verteilzentrum und von dort in die Zustellbasis. Am Morgen wird es dann in ein Auto geladen und im Laufe des Tages dann in die Packstation eingelegt. Von der wiederum bekomme ich quasi sofort eine SMS-Benachrichtigung und eine mTAN zur Abholung des Pakets, gehe dann etwa fünf Minuten zu Fuß zur Packstation, entnehme das Paket, und habe knapp einen halben bis dreiviertel Tag nach dem Klick auf den Kaufen-Button meine Ware in den Händen, bzw. im Rechner.

In der realen Welt bestelle ich am 7. Januar recht spät ein paar Artikel bei Amazon, u.a. mehrere Festplatten, um die Rechner im Haus mal wieder aufzurüsten. Amazon rechnet mir vor, dass ich die Artikel dann zwar nicht am 8., aber bestimmt am 9. bekäme, was mir ganz recht ist, denn es ist zwar eilig, aber auch nicht so eilig, und am Mittwoch hab ich wenigstens ganz gut Zeit, um den Mac mini aufzupfriemeln. Am Abend des 8. teilt mir Amazon stolz mit, dass sie meine Bestellung jetzt komplett versendet haben, und zwar, weil es schon Abend ist, mit DHL Express. Amazon hält sich gerne an seine Berechnungen und impliziten Zusagen, auch wenn es ein paar Cent mehr kostet. Am 9. Januar bekomme ich tatsächlich zwei SMS von zwei Packstationen, “meiner” und einer etwas weiter entfernten, und kann die Pakete auch abholen, aber alas, es handelt sich um andere Bestellungen und eBay-Käufe. Schön zwar, aber nicht die Festplatten, die ich eigentlich verbauen wollte. Nun gut, DHL Express fährt eigene Touren, dauert vielleicht einfach etwas länger. Ich beschäftige mich so lange mit dem frisch erworbenen Mega Man X auf dem frisch erworbenen SNES.

Um 21:27 Uhr bekomme ich eine offenbar nicht voll automatisierte E-Mail von Paket.de, die ich um 22:07 lese, nachdem ich Flame Mammoth besiegt und Abendessen zubereitet habe. Darin erklärt mir DHL, dass meine “DHL Express Sendung […] aufgrund ihrer Größe oder der vollständigen Belegung der ausgewählten PACKSTATION” nicht in ebenjene eingelegt wurde, sondern statt dessen im zwölf Autokilometer entfernten DHL Express Depot auf mich wartet, wo ich sie gegen Vorlage meiner “Goldcard, […] Personalausweis und unter Angabe der Sendungsnummer” von 8-20 Uhr abholen könne. Alternativ könne ich aber auch Montag bis Samstag von 7-22 Uhr eine sogenannte Servicenummer anrufen, die mich nur 14 Cent pro Minute aus meinem Festnetz, das ich nicht habe, kosten würde, sonst aber nicht mehr als 42 Cent (siehe PPS), und dann einen Termin zur Hauszustellung ausmachen. Diese Termine sind erfahrungsgemäß nie am selben Tag, so dass ich dann schon am Freitag endlich meine bestellte Ware in Händen halten könnte. Am Freitag, an dem ich natürlich zuhause bleiben muss, um das Paket auch in Empfang zu nehmen, denn die Termine von DHL Express sind – leider auch aus Erfahrung gesprochen – eher vage umrissen bzw. werden nicht gehalten.

Übrigens erklärt die DHL-Express-Hotline, was das Problem ist: Für Express-Sendungen sind in den Packstationen nur wenige (1-2) Fächer vorgesehen, und Express-Fahrer können Sendungen dann auch nicht in einer Filiale hinterlegen. Die Benachrichtigung darüber erfolgt wiederum offenbar nicht automatisiert (Indizien: Mail mit Namen, von “Paket”, keine SMS) vom Packstation-Service. Ich kann jetzt also entweder Amazon davon überzeugen, nicht mit Express zu verschicken (hilft nicht, da Amazon gerne spät packen und dann keine DHL-Abholung mehr passt), oder ich packe jedes einzelne Paket ins Tracking, sobald ich eine Sendungsnummer rieche (unnötige kognitive Belastung), oder ich stelle eine studentische Hilfskraft fürs Annehmen von Paketen ein (die dann am Fenster lauert und die DHL-Fahrer bei Annäherung anspringt).

Le sigh.

Seit ein paar Monaten ist wirklich der Wurm drin bei DHL. Und die Mitarbeiter “unten” im Feld können da auch nichts für. Auf Postfilialen wurden mir schon mehrfach verschwörerisch geheime und wohl versteckte Beschwerdewege gegen “die da oben” zugesteckt und -geflüstert, und was die Fahrer der Subunternehmer der Subunternehmer als Stundenlohn verdienen, ist kaum in salonfähigen Worten zu beschreiben. Meinen größten Respekt an diejenigen, die das überhaupt durchhalten. Dass DHL strukturelle Probleme hat, ist offensichtlich. Aber für den Kunden bzw. dessen Kunden (man muss bedenken, dass der eigentliche Kunde von DHL hier z.B. Amazon.de ist) ist die Situation, kurz gesagt, Mist.

Besserung ist nicht in Sicht, und DHL kommuniziert auch nicht glaubhaft, dass ihnen das Problem überhaupt bewusst ist und sie auch nur den Hauch einer Ahnung haben, wie sie es beheben wollen. Das ist das eigentlich frustrierende. Und, dass ich jetzt immer noch ohne meine Ware da sitze.

Das nächste Mal werde ich dann statt der DHL Packstation mal die Amazon Abholstationen ausprobieren. Das sind Geschäfte vor Ort, die mit Amazon kooperieren, und die quasi alle bessere Öffnungszeiten als “echte” Postfilialen haben. Außerdem sind sie geräumiger als die eigentlich immer unterdimensionierten Packstationen, und man kann auch gleich noch mit Leuten aus der Nachbarschaft ins Gespräch kommen, aber eben auch nicht mit den Paket-annehme-Nachbarn, die entweder schlafen, ausgehen, oder nach Annahme eines Pakets einen mehrwöchigen Südseeurlaub antreten. Aber das löst das Problem natürlich nur wieder für Amazon. Langfristig werden entweder DHL & Co. ihre Mitarbeiter ordentlich bezahlen müssen und genügend Menschen einstellen (als ob), oder es wird auf Paketkästen in jedem Haus hinaus laufen. Quasi eine kleine Packstation für jedes Mehrparteienhaus, in das jeder Paketdienst einlegen kann. Wie ein überdimensionierter Briefkasten. Oder es wird wieder Concièrges geben, die SPD verfolgt schließlich immer noch Vollbeschäftigung als politisches Ziel…

Ich fahre jetzt mit dem car2go nach Wandsbek, um mein Paket von Mittwoch abzuholen. Aber erst warte ich auf ein paar Pakete…

PS: Der Second-Level-Support von Amazon kann das eigene Kundenkonto übrigens auch so einstellen, dass man nicht mehr von DHL beliefert wird, sondern nur noch von UPS und/oder Hermes. Vor allem letzteres haben sich ganz schön gemacht im letzten Jahr oder so. Zuverlässig, schnell, freundlich, brauchen nur noch ne leichter zu merkende Homepage.

PPS: Update dank Twitter-Serendipity: Unter 0180.info findet man nicht nur zu DHL-0180er-Nummern die alternativen Festnetznummern heraus. Yay!

Yelp kauft Qype – na und?

Jetzt ist es amtlich: Yelp übernimmt Qype für knapp 20 Mio. EUR für die Qype-Anteile plus weitere 30 Mio. USD an Yelp-Shares. Zusammen also rund 50 Millionen Dollar, denen Investments von knapp über 20 Millionen entgegen stehen. Kein ganz schlechter Deal für die Investoren also, wenn man bedenkt, dass Qype soweit ich weiß nie profitabel war.

Mit der Übernahme wird auch ein guter Teil des Managements von Qype überflüssig, während die meisten anderen Jobs noch für eine gewisse Zeit sicher sein sollten. Das Qype-Team besteht aus vielen sehr fähigen und sehr netten Leuten, denen ich das allerbeste für ihre berufliche Zukunft wünsche. Früher oder später wird das Produkt Qype aber verschwinden und die Infrastruktur und Entwicklung vermutlich nach San Francisco geholt werden.

Good bye Qype, it was nice knowing you.

Auch wenn wir uns auseinander gelebt hatten.

Was Qype hätte besser machen können

Als Nutzer fühlte ich mich bei Qype schon seit längerem nicht mehr willkommen. Die schiere Menge an Werbung, inklusive penetranter Pop-ups und Inhalt verdeckender Layer Ads, machte die Seite sowieso fast unbenutzbar. Aber auch die Entwicklung schien stagnant – die Suchfunktion schwankte zwischen nutzlos, langsam, und langsam und nutzlos. Fake-Reviews wurden viel zu zögerlich bekämpft, die Usability machte eher Rückschritte. Gleichzeitig wurde in alle möglichen Richtungen wild entwickelt – Checkins waren dabei sicher noch sinnvoll, Badges immerhin spaßig, Komplimente und Follows viel zu schlecht als recht. Die mobilen Apps waren alleine aus dem Grund besser als die Webseite, dass man einfach im Umkreis um einen Standort suchen konnte. Don’t get me wrong, sie waren auch technisch sehr schön, aber alles bringt nichts, wenn das Produkt an sich nicht gut genug ist.

Here comes a new challenger

Zuerst habe ich es im Urlaub vor ein paar Jahren ausprobiert. Qype hatte so gut wie keine Daten auf Lanzarote, in Barcelona, in Malaga, oder in Tel Aviv. Also zückte ich foursquare und ließ mir Locations vorschlagen, mit durchaus guten Resultaten. Und dann stand ich irgendwann in Hamburg und war genervt von der Qype-App, denn die Kombination aus mittelguter Suche und schlechter Aggregation bedeutet, dass man zehn Minuten lang Reviews überfliegt, ohne wirklich schlauer zu sein. Also kam wieder foursquare zum Einsatz, und lieferte sogar nochmal deutlich bessere Ergebnisse als im Urlaub, und einfacherer, schnellere, und alleine deshalb bessere Ergebnisse als Qype. Die Qype-App habe ich im letzten halben Jahr vielleicht fünf Mal geöffnet.

Product vision

Sind es die Fake-Reviews, oder die Einsätzer (“Essen war gut kommen wieder”), die Leute, die nur einen Stern geben, weil eine Kleinigkeit nicht stimmte, oder die Leute, die fünf Sterne geben, weil zwar alles katastrophal war, aber “der Service immerhin nett”? Oder der Fakt, dass die Gesamtbewertung einfach ein Durchschnitt war, womit fast alles bei 4 oder 5 Sternen landete? Die Suche, die zu clever und zu langsam war, oder das gigantische Layer-Ad, das mir vorher ins Gesicht sprang? Die unverständlichen Design-Änderungen, inkonsistente Nutzerführung, oder die albernen SEO-Tricks? Jeder kann sich sein größtes Qype-Ärgernis selbst heraussuchen – für mich muss ich sagen, dass Qype oder Yelp schlicht nicht das tun, was ich will.

Was foursquare besser macht

Was ich möchte: Spontan mein Smartphone zücken und ein neues Restaurant oder eine neue Kneipe zum Ausprobieren finden, und zwar eines, das ich mögen werde. Und nichts ist eine bessere Empfehlung für eine Location als wiederkehrende Besucher. Das macht sich foursquare zu Nutze. Ohne, dass ich seitenlang Reviews lesen und abwägen muss. Mit einer Suchfunktion, die ich normalerweise nur einmal antippen muss (“Explore”) und die mir sofort liefert, was ich will. Die User Experience ist reduziert, klar und schnell.

Good bye Qype, it was nice knowing you. Es war schön, einen lokalen Player in dem Markt zu kennen, und das Team war super. But the product just doesn’t do it for me anymore.

Apple überwacht iOS-Nutzer – ein bisschen

2. Update, siehe unten.

Gestern twitterte ich:

“Das ist mal was zum Aufregen: iOS speichert eure Location, ewig, unverschlüsselt: http://oreil.ly/dOPf6L #apple”

Heute muss ich das ein wenig relativieren.

Korrekt ist, dass iOS Ortungsdaten speichert, offenbar ohne zeitliche Begrenzung, seit dem iOS-4-Update (Update: vorher auch schon, aber nicht ganz so leicht zugänglich), und diese Daten unverschlüsselt auf dem Gerät liegen und standardmäßig auch unverschlüsselt im Backup landen. Das ist ein “Big Deal”, weil es sich um Daten handelt, die bisher nur der Netzbetreiber in dieser Fülle abrufen, durchforsten, und ggf. den Behörden zugänglich machen konnte. Otto Normaluser bzw. das gern bemühte Beispiel vom eifersüchtigen Partner mussten bisher das Phone des “Opfers” jailbreaken und Spionagesoftware installieren, um an solche Daten zu kommen. Jetzt genügt Zugriff auf iTunes und ein paar Minuten, um ein Backup zu ziehen, oder Zugriff auf ein existierendes Backup.

Nach Analyse der Daten hat sich aber gezeigt, dass offenbar nicht alle Locations jederzeit gespeichert werden, sondern dass die Datenbank mehr als Zwischenspeicher dient. Wenn Location-Dienste benutzt werden, holt iOS die Daten zuerst von Apples Servern, speichert sie dann aber auch zwischen. Beim nächsten Mal kann man dann auch ohne Datenverbindung eine Ortung bekommen (ausprobieren: Flugzeugmodus an). iOS speichert vorausschauenderweise auch gleich die Ortungsdaten für einen gewissen Umkreis um den aktuellen Ort. Ruft man Locationdaten ab und hat Netzverbindung, werden die lokalen Daten nochmal aktualisiert.

Die Spekulationen, wofür diese Datenbank eventuell noch dient, gehen in verschiedene Richtungen. Denkbar wäre, dass Apple außerdem bei jeder Location-Benutzung ein Site Survey macht, also feststellt, wo welche WLAN- und Mobilfunk-Zugangspunkte wie stark empfangbar sind. Damit könnte man dann die eigene Ortungsdatenbank verbessern, schneller und kostengünstiger, als wenn man die ganze Welt mit Autos abfährt. (Google erheben diese Daten übrigens zu genau diesem Zweck auch mit Android, man muss aber explizit einwilligen und sie werden lt. Google sofort anonymisiert.)

Update: Apple erhebt diese Daten ohne ausdrückliche Zustimmung und gibt das auch zu: Original-Thread im Apple-Forum und Apples Stellungnahme im House of Representatives: “to help Apple update and maintain its database with known location information, Apple may also collect and transmit Cell Tower and Wi-Fi Access Point Information automatically”. Apple sagt zwar, das geschehe anonym, aber Bewegungsmuster sind extrem personenspezifisch und schon wenige Datenpunkte reichen, um Personen zu unterscheiden.

Wer sich selbst ein Bild machen will, was auf ihrem iOS-Gerät so gespeichert ist, kann das mit der kostenlosen iPhoneTracker-Anwendung machen. Die Auflösung, sowohl zeitlich als auch örtlich, ist dort künstlich begrenzt, damit es nicht ganz so einfach als Spionagetool verwendet werden kann. Da die Anwendung aber Open Source ist und auch die Datenbank ein recht einfaches Format hat, sollte man sich auf diese Beschränkung nicht verlassen.

(Im Übrigen weiß euer Mobilfunkprovider natürlich schon seit immer, wo ihr euch so aufhaltet und bewegt, so lange ihr in ein Netz eingebucht seid.)

2. Update: Der Sicherheitsforscher Alex Levinson hat einen ausführlichen Artikel zum Thema und erklärt dort, dass die Datenbank nicht neu ist und die Berichterstattung nur so, na ja, halb gut. (Er erwähnt aber nicht, dass Apple auch Ortsdaten des Nutzers “nach Hause” sendet. Das hat allerdings auch nichts mit der consolidated.db zu tun.)

Es klüngelt

Martin Dörmann, der für die SPD die Verhandlungen mit der CDU geführt hat, und uns, der “Netzgemeinde”, mehrfach versichert hat, unsere “Bedenken und Anregungen sehr ernst” zu nehmen, hat, so scheint es, statt dessen hintenrum mit der CDU geklüngelt, und man hat sich – undemokratisch, will sagen, “unbürokratisch” – geeinigt. Damit liegt es sehr nahe, dass das “Gesetz zur Bekämpfung der …” – was sag ich, das Netzsperrengesetz – mit minimalen Veränderungen am Donnerstag in der 2./3. Lesung beschlossen wird.

Auf dem SPD-Bundesparteitag wurde indes der Initiativantrag von Björn Böhning, Franziska Drohsel und Jan Mönikes zum Thema erst vom Parteivorstand “überarbeitet” und dann – inklusive Wortmeldung vor Ort – übergangen. Die Diskussion war nicht gewünscht, wegen der potentiellen Medienwirkung. Hintenrum hörte man, dass man sich über die Berichterstattung der BILD sorgte – die hatte Tags zuvor nämlich Björn Böhning zum “Verlierer des Tages” erklärt (und damit auch halb Twitter). Der Antrag stellte nämlich das in Frage, was Martin Dörmann und Dr. Martina Krogmann ausgehandelt hatten.

Übrigens: Frau Krogmann ist mit dem stellvertretenden Chefredakteur der BILD-Zeitung verheiratet.

Ist aber vermutlich besser so. Sonst wäre man am Ende gar

[…] Gefahr gelaufen, Straftaten im Internet Vorschub zu leisten, von der Vergewaltigung und Erniedrigung kleiner Kinder bis hin zu Urheberrechtsverletzungen in breitestem Ausmaß gegenüber Künstlern und Kreativen. (Quelle)

Und Urheberrechte verletzen, das will man ja nun wirklich nicht.

Mehr dazu:

Bestätigt: netzpolitik.org, Alvar Freude, eigene Quellen

Verlierer des Tages: Wir alle

“Verlierer des Tages” bei der BILD ist heute:

Der Sprecher der SPD-Linken, Björn Böhning (31), will den Gesetzentwurf der Großen Koalition zur Sperrung von Kinderporno-Seiten im Internet zu Fall bringen. Der Entwurf sieht vor, dass solche Websites durch Stoppschilder gekennzeichnet werden. Wer sie trotzdem aufruft, wird strafrechtlich verfolgt. Für Böhning ist das laut „Spiegel Online“ nur „Alibi-Politik“.

BILD meint: Stoppt Böhning!

Das muss dieser Journalismus sein, von dem man so viel hört, und den Blogs bedrohen, weil sie so undifferenziert sind und einseitige polemische Schnellschüsse ohne Recherche abfeuern.

Und wenn ihr auch Verlierer des Tages seid, findet ihr hier fertige Avatare und Vorlagen für GIMP und Photoshop.

Legislative Lachnummer

Bitte, sprecht so viele Leute wie möglich persönlich an, die Petition zu unterzeichnen!

Die technischen Möglichkeiten zu Web-Blockaden würden durch die großen Zugangsanbieter “auf jeden Fall aufgebaut”, verwies der Sozialdemokrat auf die entsprechenden Verträge mit dem BKA. Es sei zwar zweifelhaft, ob diese auf Drängen von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) zustande gekommenen Vereinbarungen den rechtsstaatlichen Anforderungen genügen. Doch eine mögliche gerichtliche Überprüfung könne Jahre in Anspruch nehmen. Daher sei das Gesetz nötig, um die Sperren zumindest in geordnete rechtliche Bahnen zu bringen.

So zitiert der Heise Newsticker Martin Dörmann, SPD. Und man möchte kotzen.

So führe das Familienministerium derzeit etwa Gespräche mit den Initiatoren der bereits von über 113.000 Surfern unterzeichneten Bundestagspetition gegen das Sperrvorhaben, erläuterte Hoofe gegenüber heise online. Diese würden freilich nichts mehr daran ändern, dass der Gesetzesentwurf schon kommende Woche vom Bundestag beschlossen werden solle. (Quelle)

Erst nötigt man die Internet-Provider dazu, Verträge ohne Rechtsgrundlage mit dem BKA abzuschließen, was diese “unter Bauchschmerzen” und größtem politischen Druck auch tun. Und jetzt hilft die SPD, ein Gesetz durchzuprügeln, was von fast 120.000 Bürgern, einigen Organisationen, einem Haufen Sachverständiger, und den meisten Experten für falsch, schädlich, gefährlich gehalten wird?

Auf die schweren weiteren verfassungsrechtlichen Bedenken, die Experten bei einer Anhörung im Bundestag vorgebracht hatten, wollen CDU/CSU und SPD demnach offenbar nicht eingehen. (Quelle)

Die Verträge wurden u.a. mit dem Versprechen erwirkt, dass bald ein Gesetz folge. Jetzt wird umgekehrt das Gesetz durchgeboxt, weil man ja schon Verträge habe, und die doch bitte legitimiert werden müssen. Nachträglich!

Mit dem Reizzentrum muss ich fragen:

  • Funktioniert die Selbstkontrolle des Parlaments noch?
  • Gibt es in diesem Staat noch eine rechtsstaatliche Instanz außerhalb des Bundesverfassungsgerichts?
  • Wie kann man bei Politikern diesen Schlages überhaupt noch irgendwen wählen?

Es ist widerlich.

Drama ePetitionssystem

Dass das ePetitionssystem des Bundestages, sagen wir: nicht so wirklich prima ist, war ja schon hinlänglich bekannt: Unbenutzbar, nicht performant, überhaupt eine ziemlich blöde Lösung, die von den Anforderungen der Ausschreibung nicht all zu viele erfüllt.

Nun ist es außerdem unsicher. Die Mitzeichnung bzw. Entfernung der Mitzeichnung einer Petition geschieht nämlich über einen GET-Request. GET-Requests sind eigentlich nur zum Abruf von Informationen gedacht, sollen aber keine Daten verändern. Wenn sie das doch tun, und die Aufrufe nicht zusätzlich geschützt sind, dann kann jeder mittels sogenanntem Cross-Site Request Forgery (XSRF) Aktionen im Namen anderer auslösen, wenn der Angreifer nur die entsprechende URL als Bild oder unsichtbaren Frame in eine Seite einbindet.

Wie das im konkreten Fall aussieht, hat Bernd Eckenfels anschaulich zusammengefasst: XSRF-Schwachstelle auf dem ePetitions-Server auf itblog.eckenfels.net. Danke für die anschauliche Ausarbeitung an @eckes.

Lieber Bundestag, ich kenne da so ein paar “Internetexperten”, die so ein Petitionssystem ganz gut und ganz gerne mal richtig umsetzen würden. So mit “an die Ausschreibung halten” und so. Ihr dürft uns auch gerne Geld dafür in den Rachen werfen.

Update 2009-05-20: Die Antwort kommt “als Anlage” in einem Word-PDF per Mail. Darin wird gesagt:

Der Datenschutzbeauftragte des Deutschen Bundestages hat unser System geprüft
und für gut befunden.
Zurzeit werden alle Hinweise in einer „Mängel- bzw. Anregungsliste“ aufgenommen,
zu gegebener Zeit ausgewertet und soweit wie möglich in das Verfahren des
Petitionsausschusses mit öffentlichen Petitionen eingebracht.

Das macht mir nicht wirklich Mut.

Update 2009-06-14: Die XSRF-Schwachstelle wurde irgendwann stillschweigend beseitigt. Zum einen wurden zufällige Keys eingeführt, zum anderen erhält man nun Mails, wenn sich der Mitzeichnungsstatus ändert. Nicht perfekt, vor allem nicht transparent kommuniziert, aber immerhin. Es bewegt sich was.