What a year.
Got told off for doing the one thing I was told to do. Quit my job to become self-employed again the same week news of the pandemic first hit European news.
Flew out of Dublin right as the country was closing down around me.
Alltag, Rückblicke, Katzen und literarische Texte.
What a year.
Got told off for doing the one thing I was told to do. Quit my job to become self-employed again the same week news of the pandemic first hit European news.
Flew out of Dublin right as the country was closing down around me.
Was hat zwei Daumen, zwei Kater, eine leichte Gehirnerschütterung und beim Froschpoker die Augen gewonnen?
That’s right.
This guy.
Im Nachhinein war es vielleicht nicht so klug, mehrere Stunden zu dadaistisch-anarchischer Musik zu hüpfen. Aber scheiß auf klug, wenn man auch Spaß haben kann. Zum Abschluss des 32c3 traten HGich.T in der Lounge auf, und dann wurde ich zu einer lustig hüpfenden Mischung aus Schweiß (meinem eigenen), Bier (dem anderer Leute), Wasser (es gab kein stilles), und Sekt (von der Band). Ich bekam einen Baum, wir formten einen Wald, Dinge waren Laser und bunt.
Ein überaus gelungener Abschluss zu einem für mich sehr ambivalenten Congress.
Geschieht mir ja irgendwie recht, von dem Stöckchen, das ich selbst weiter geworfen habe, wieder getroffen zu werden. Nun ja. Liron hat mich für den Liebster Award nominiert, so here we go:
Wenn ich freie Wahl hätte, würde ich natürlich »Renaissance Man« sein wollen und mich als Wissenschaftler-Philosoph betätigen. Aber realistischer wäre wohl was bodenständiges, solides, zum Beispiel Schmied.
Wenn mir Konsens egal wäre, ja, vermutlich ohne großes Zögern. Aber wer fragt die 20 Leute, ob die das auch wollen? Besser, 20 meiner Freunde und ich werden reich genug, um uns einfach eine Insel kaufen zu können oder so.
What does your daily rhythm look like when you perform and feel your best? / Wie sieht dein Tagesrhythmus aus, wann bist du am leistungsfähigsten und wann fühlst du dich am besten?
Ganz unterschiedlich. Früher war ich eher abend- und nachtaktiv, was aber auch daran lag, dass da alle spannenden Sachen im Internet passierten. Seit ein paar Jahren stehe ich gerne früh auf und mache lange Tage. Meistens reichen mir sieben Stunden Schlaf, und alles was darüber hinaus geht, macht mich nur matschiger. Am leistungsfähigsten bin ich aber trotzdem meistens am späten Nachmittag bis Abend, weil da weniger Ablenkungen passieren.
What is your favorite dish or type of dish to cook, and why? / Welches Gericht oder welche Art Gericht kochst du am liebsten, und weshalb?
Am allerliebsten ohne Zweifel Steak – weshalb, sollte klar sein, wenn man mich ein bisschen kennt. Leider habe ich momentan nicht die beste Ausrüstung dafür, insbesondere wird mein Herd nicht heiß genug, um Fleisch ordentlich scharf anzubraten. Daher koche ich dann mein vermutlich zweitliebstes Gericht, Shakshouka: Es ist recht schnell und einfach zuzubereiten, aber unglaublich lecker, und man kann es in großen Mengen machen und dann noch tagelang davon essen. Außerdem ist es sehr variabel – schon die Grundlage kann man in verschiedener Weise zubereiten, und dann hat man beinah vollständig freie Hand, ob und womit man es verfeinert. All-around winner here.
Which historical figure would you have liked to have met, and why? / Welche geschichtliche Figur hättest du gerne getroffen, und weshalb?
Darüber hab ich noch nie nachgedacht. Ich schätze, Martin Luther King oder Siddharta Gautama oder so. Oder vielleicht einen der Rennaissance Men. Wahrscheinlich die langweiligste Antwort ever, hm?
Do you collect anything? If so, what? / Sammelst du etwas? Falls ja, was?
Physische Dinge sammeln sich zwar bei mir an und ich muss regelmäßig mit der großen Harke durchgehen und Dinge zum Wegwerfen aussortieren, aber absichtlich sammeln tue ich nichts, außer interessanten Fakten…
What do you think is the single biggest obstacle to the cultural, social an technological development of humankind in the current age? / Was hältst du für das größte Hindernis für die kulturelle, soziale und technologische Entwicklung der Menschheit in diesem Zeitalter?
Kategoriendenken und Wettbewerb. Jegliche Form von »Wir-gegen-die« sowie die Voraussetzung, damit überhaupt solche Konzepte wie »wir« und »die« (anderen) entstehen.
How do you think people will be consuming media (news, entertainment) in 20 years? / Wie, glaubst du, werden Menschen in 20 Jahren Medien (Nachrichten, Unterhaltung) konsumieren?
Ich hoffe dass »Nachrichten« wie sie in den letzten paar Jahrzehnten produziert und konsumiert wurden, bald den Weg alles Irdischen gehen, und die meisten Unterhaltungsformate finde ich ebenso unnötig und uninteressant. Von daher, naja. Ich hoffe da ein bisschen auf die Zukunft, die Machinae Supremacy besingen, wo alle ihre eigene Öffentlichkeit sind, aber dann hat man wieder das Kurationsproblem. Außerdem konvergieren die Inhalte auf den Plattformen wie YouTube & Co. ja häufig in die Richtung »Wir beobachten anderer Leute Leben«, und während ich das nicht per se schlecht finde, sehe ich dennoch einen gewissen Bedarf an gesellschaftlicher/politischer/sozialer Bildung in den Medien.
Aber um die Frage zu beantworten: Von freundlicher AI nur für uns kuratierte Individualfeeds, die direkt in unsere Smartwatches oder unser Hirn-Interface gepusht werden. Sponsored by $corporate. Brave new world.
What is more important to you in social situations – to be liked, or to be respected? / Was ist dir in sozialen Situationen wichtiger – gemocht zu werden oder respektiert zu werden?
Respekt ist mir wichtiger. Um gemocht zu werden, muss man sich zu oft verstellen, und ich bin mir – meistens – selbstsicher genug, dass mir das den Trade-off nicht wert ist.
What is the biggest fear you have conquered as an adult? / Was ist die größte Angst, die du als Erwachsener überwunden hast?
Die Angst vor Nadeln. Ich weiß nicht mal genau, wo die herkam, vermute aber zwei eher als Metzger praktizierende Ärzte ohne jegliche Empathie oder Interesse am Patienten, die mich in meiner Kindheit bzw. frühen Jugend abgeschreckt haben. Sie zu haben war jedenfalls extrem unpraktisch, weil man erstens sowieso schon ab und an Spritzen bekommt oder sich Blut abnehmen lassen muss, und weil sich das im Kontext von Poly und Kink gerne potenziert: Regelmäßige STI-Vorsorge, Nadelspiele, what have you. Instrumental (haha) bei der Überwindung waren Ärzt*innen und Arzthelfer*innen, denen ihre Patienten nicht egal waren, kombiniert mit dem Willen, nicht wegzuschauen. Jetzt komme ich ganz gut mit Nadeln klar, und auch mein Kreislauf bricht danach nicht mehr weg.
Chocolate, vanilla or cookie dough? / Schokolade, Vanille, oder Cookie Dough?
Vielleicht die schwierigste Frage, aber ich denke, Schokolade gewinnt. Knapp.
Und jetzt ab dafür.
Thymian ist ein wunderschöner Europäisch-Kurzhaar-Kater, den wir im Juli aus dem Tierheim geholt haben. Er ist freundlich und verschmust, verträgt sich aber leider nicht mit Salbei, unserem anderen Kater. Alle Methoden und Wundermittel, ob Zylkène, Feliway, Trennung und Wiederzusammenführung, haben nichts genutzt. So sind beide Kater unglücklich und gestresst. Als einzige Katze wäre Thymian wahrscheinlich glücklicher.
Thymian ist zwischen 8 und 12 Jahre alt, kastriert, entwurmt, und gechippt. Seine Nieren funktionieren nicht mehr zu Hundert Prozent, weshalb er ein spezielles Futter benötigt, das es bei jedem Tierarzt oder sogar bei Amazon gibt. Damit wird er aber noch viele Jahre gesund und munter bleiben.
Wir suchen also einen geduldigen, großherzigen Katzenfreundin, dieder Thymian die nötige Pflege und dieder Aufmerksamkeit zukommen lassen kann, die er verdient. Wenn wir ihn nicht vermitteln können, müssen wir ihn zum Tierheim zurückbringen, und befürchten, dass sein Nierenproblem dort nicht optimal versorgt werden kann.
Daher suchen wir schnellstmöglich ein neues Zuhause für ihn. Neben den Papieren vom Tierheim Süderstraße können wir eine Katzentoilette sowie einen kleinen Vorrat an Nierenfutter mitgeben. Gerne könnt ihr Thymian in Hamburg in der Schanze treffen und kennenlernen – bitte kontaktiert dazu Liron unter liron@liron.de oder @lirontocker oder @moeffju auf Twitter.
Postkarten rocken.
Daher: Schickt mir Postkarten, ich schicke euch welche zurück.
Matthias Bauer
Zur Marktflagge 3
10247 Berlin
Bis die Wand voll ist.
Achtung! Bitte denkt daran, eure Adresse irgendwo zu vermerken 😀 Postkarten haben kein Feld für Absender…
On the basis of your results, we estimate you know 81% of the English words.
You are at the top level!
— Ghent University Word Test
Well, that feels good.
It’s funny because just two days ago, I talked to Liron about how I feel my English vocabulary is lacking and how my expressiveness often feels limited to me. After some deliberation, we found out that we both struggle in similar areas – mostly social sciences, political terms, and similar domains full of technical terms. So yeah, maybe my English isn’t as bad as I think, I just pick hard topics to talk about.
If you want to test your English vocabulary and have a few minutes to spare, you can help the psycholinguists at the Ghent University by taking their Word test. Please do share your results in the comments!

Also interesting: The variance stemming from the word sampling. In three tests, I got 76%, 81% and 89%. That last run seemed like it had almost no non-words.
Alles, was ich will, ist allein sein. Gemeinsam mit ihr.
Hallo, mein Name ist moeffju und ich interessiere mich sehr für den Gast ihrer Sendung.
Etwa sechs Drinks später – der Akku ist bei 8% – habe ich doch nicht angerufen.
Irgendwo singt jemand ein Lied vom Ende, auf Twitter währenddessen:
Lyrik von Lindemann.
Das Messer hat ein Herz beschmiert
Schön dick mit nutella®
Ich weine im Gedanken
An meine Mutter
Mit Butter
Und Ei
Mir graut vor der Nacht. Wegen des Alkohols, wegen Lindemann, und weil ich bereits gestern um 5 Uhr von meinen Halsschmerzen geweckt wurde. Das ist jetzt die achte Woche der letzten zwölf, in der ich krank bin, und ich wünschte mir, mein Immunsystem würde langsam mal wieder einchecken. Nicht, dass ich kein Verständnis habe für den Freiheitsdrang, Reisen bildet nicht nur, es erweitert auch das Weltbild und die Immunisierung, früher oder später. Aber wo sich täglich und nächtlich die hustenden, keuchenden, niesenden Massen mit all ihren Bazillen und Bakterien und Viren durch den öffentlichen Nahverkehr in die Büros und Bars schleppen, da wäre es schon praktisch, so ein Immunsystem.
Vielleicht bin ich auch schon weiter auf meinem Lebensweg, als ich bisher in meiner jugendlichen Naivität zu glauben bereit war. Vielleicht aber auch nicht – und diesen Gedanken bevorzuge ich deutlich und behalte ihn.
Der dritte Drink kommt im Highball-Glas, ist aber ein Longdrink, im Buch geht es gerade um Whisky, das Kapitel ist weniger unappetitlich als das über den Rum, vor allem, weil es die britische Marine weniger häufig erwähnt – um genau zu sein, nämlich überhaupt nicht. Der Nebentisch hat sich irgendwie Pommes organisiert, was in der Belle Etage schon ein wenig auffällt, doch schon dreißig Minuten später werden ihnen drei weitere Tische folgen, diesen Trendsettern.
Ich habe so viel losgelassen im Leben. All die Aphorismen? Könnt ihr vergessen. Wenn sie recht haben, sind sie unnötig, wenn sie nicht recht haben, sind sie ein schwacher Trost. Beim Loslassen ist man ganz auf sich gestellt. Es zahlt sich aus, sich vorher eine gefestigte Persönlichkeit zuzulegen. Und hinterher ist man immer klüger.
Dann spricht der Hexenmeister. Hunderte bunter Lichter umspielen seine Silhouette, der Abschluss des Abends ist gelungen, die Menge beginnt langsam, sich zu zerstreuen, schließlich ist es erst Montag. Und während seine Geister fleißig nach seinem Willen leben, entschwinden wir in die lichtverschmutzte Nacht. Seine Wort’ und Werke haben wir uns gemerkt, aber die Vision verblasst.
Nehmt ihn mit zurück nach Avalon!
Away!
In ihren Geschichten rauchen immer alle. Das ist natürlich ein Ausschlusskriterium, auch wenn die Figuren noch so viele Bärte haben, kann ich nicht gemeint sein. All diese Erwähnungen für die literarische Ewigkeit, und ich bin nicht im Club.
Überhaupt ist es schwer, wenn sich Fiktion und Realität vermischen. Wenn man einen Twitterstream liest und in ein paar Tweets selbst (mit) erlebtes wiederfindet, wäre es der größtmögliche Fehler, dann gleich alles für bare Münze zu nehmen. Schlecht für das Seelenheil, wenn man dauernd darüber nachgrübelt, warum alle anderen dauernd Sex haben, und die täglich (nächtlich) abgeschleppten Menschen dann morgens auch noch Frühstück machen und ans Bett bringen. Wären all diese Tweets wahr, hätte ich mit einigen Menschen in meinem Leben ein, sagen wir, größeres Kommunikationsproblem.
Vielleicht ist das so ähnlich wie dieses Die-Leute-posten-ja-nur-das-beste-auf-Facebook, von dem (sicherlich amerikanische) Wissenschaftler seit ein paar Jahren reden. Nur dass es über eine Auswahl der besten Momente hinausgeht, dass es mit halb oder gänzlich Fiktivem aufgefüllt wird – was es natürlich keinen Deut besser macht. Wie schnell landet man bei den Fragen, die nur abwärts führen können: Wieso nicht ich? Wieso nicht mit mir? Wieso kann ich es nicht einfach ignorieren? Besonders, wo ich doch eigentlich™ weiß, dass das meiste davon nun mal nicht wahr ist?
Und wenn man täglich über sowas nachdenkt, dann wird es Zeit für einen Cut. Ein Unfollow kostet nur einen Klick. Den Rest der Zeit kann man dann der Frühphase von Twitter nachtrauern, als alle noch einfach aus ihrem Leben berichteten.
Brave New Wortspielhölle.
Ich gehe durch den dunklen Abend eines goldenen Herbsttages und schaue die verschwommenen Lichter der Ampeln in der Ferne an. Die Luft ist kühl und klar und meine Daunenjacke sorgt dafür, dass ich groß, weich und warm bin, egal was der Wind davon hält. Das Leben ist gut, eigentlich, und da ist es wieder, dieses Wort mit E, aber es hält sich zurück, wiegt mich in Sicherheit. Einen Schritt vor den anderen, nicht zu weit nach vorne denken, erst recht nicht zu weit zurück, im Jetzt sein und den Moment genießen.
Der Späti strahlt schon von weitem aus großen Schaufenstern und vielfarbigen Leuchtschriften auf die Straßenecke. Zwei Sterni, 1,20€, hinter der Theke ist gerade niemand, ich stehe kurz das Getränkesortiment anstarrend im Laden und versuche, einen Plan für die nächsten Sekunden zu schmieden. Dann betritt ein Pärchen in schwarzer Kleidung mit Dreadlocks, Piercings und Armeerucksäcken den Laden, ihr Gespräch lockt den Verkäufer an, man erkennt sich, sie werden mit Namen begrüßt, ich kann mein Bier bezahlen und wieder in die Nacht entschwinden, ohne beim Bezahlen höfliche Konversation halten zu müssen.
Vor der Haustür parkt ein ThyssenKrupp-Firmenwagen sehr eng neben einem Smart ein, während ihn die Leute, die vor der Kneipe rauchen, insistierend anstarren. Dann fällt die Tür hinter mir ins Schloss.
So bin ich also da, und sie ist es nicht, sie ist im Ausland, sie ist in Bochum, sie ist auf dem Weg zu mir, sie ist in Hong Kong, sie hat sich von mir entlebt, sie ist in der Vergangenheit, ich bin dem thermodynamischen Zeitpfeil ausnahmsweise dankbar dafür, dass er so etwas wie Ordnung ins Universum bringt, oder zumindest eine brauchbare Annäherung daran in unserer Wahrnehmung manifestiert.
Eigentlich ist alles ganz einfach, außer es betrifft Emotionen. Es kann kein Zufall sein, dass alle diese Worte mit E anfangen, aber ich habe aufgegeben, mir Theorien auszudenken, die Wirklichkeit ist sowieso bizarrer, das führt nur zu Enttäuschung.
Der Abend wird gut, geradezu großartig, wie sich Abende halt so entwickeln, wenn man nichts plant. Wir reden, sie raucht auf dem Balkon, es läuft Helge Schneider und Death Metal, irgendwann sind wir nackt. Weil wir beide zu müde sind, um die ganze Nacht durch zu vögeln, konzentrieren wir alles auf die nächste Stunde, danach fehlt mir Haut an diversen Körperstellen, dafür habe ich an anderen Stellen Blutergüsse, so gleicht sich alles aus. Sie spült ihre Augen aus, ich wasche das Sperma aus dem Bart, wir schlafen ein, während wir darüber reden, dass wir nicht schlafen wollen.
Am nächsten Morgen wachen wir viel zu früh auf, weil das Licht sich um die Verdunkelungsvorhänge schleicht und weil die Nachbarn irgendetwas sehr wichtiges ausdiskutieren müssen. Sie zieht sich an, während ich im Bett liege, ich küsse sie auf die Stirn, dann bringe ich sie zur Tür, stehe nackt im Flur und schaue ihr hinterher, wie sie die Treppe herunter geht. Ich lege mich wieder hin, was sich bald als Fehler herausstellt, da mir erst die Verabredung für den Nachmittag absagt und ich dann eine Mail mit einem Scan meines Einkommensteuerbescheids bekomme, den ich erst mal falsch lese. So habe ich nicht nur keinen Grund mehr, zu einer bestimmten Zeit aufzustehen, sondern beim Gedanken an fast 7.000 Euro Steuerzahlung auch keine Lust, überhaupt jemals wieder aufzustehen. Als ich die Mail zehn Minuten später nochmal lese, sehe ich, dass der geforderte Betrag eigentlich nur etwa Tausend Euro sind, nicht schön, aber machbar. Erleichterung, aber nicht genug zum Aufstehen.
So vergeht der Vormittag, meine Laune sinkt mit meinem Blutzuckerspiegel, und dann fühle ich mich zu schlecht und zu schwach, um frühstücken zu gehen. Erst der Gedanke auf Kuchen mit Freunden treibt mich an, endlich aufzustehen und zu duschen, dann sitze ich unangezogen auf dem Bett herum und denke an Burger und daran, wie ein Freund schrieb, er „lehne die Kategorisierung von Nahrungsmitteln in Mahlzeiten ab“. Eine halbe Stunde später sitze ich an der Bar im Burgeramt und beobachte, wie immer wieder Menschen in den komplett vollen Laden kommen und mit einer betörenden Naivität nach Tischen für acht Personen fragen, nein, sie haben nicht reserviert, wie, draußen warten, hm, dann ziehen sie wieder ab.
Eine weitere halbe Stunde, ich bekomme einen wagenradgroßen Teller English Breakfast, alles ist gut. Während ich als letztes die gerade noch warmen Pommes esse, kommt ein Freund vorbei, wir reden über Psychologie, Beziehungen und Arbeit, ich bewundere die architektonische Leistung, die im Halloumi-Burger steckt, erwische mich ein paar Mal dabei, wie ich auf ein Smartphone schiele und packe es dann einfach weg, und die ganze Zeit läuft hinter uns der selbe Dialog ab, nein, sie haben grade keinen freien Tisch, die Wartezeit beträgt etwa 45 Minuten und man solle bitte draußen warten, wozu brauchen sie den Vornamen denn? Ach, dieses Berlin.
Dann irgendwann, endlich, Kuchen bei Louise, alles ist so nett dort, ich lerne Dinge über Motorräder, wir sprechen über konservative Firmen und schlechten Code. Diese ganze Arbeitssache ist eventuell eine Fehlentwicklung, wofür haben wir den ganzen Fortschritt eigentlich? Immerhin gibt es Schokoladentarte und Chocolat Chaud, es ist nicht alles schlecht; wenn man nicht zu viel darüber nachdenkt, fühlt sich alles ziemlich okay an, und dieser Strichpunkt ist nur für sie. Noch eine Pfefferminzsirupschorle zum Abschluss, dann heim, nochmal ’ne Stunde schlafen vor dem Abend.
Die Luft ist kalt und es riecht nach Winter.
Geduld ist eine Tugend, heißt es.
Aber es heißt auch: Die Dosis macht das Gift.
Manche Menschen sind sehr geduldig. Ich gehöre nicht zu ihnen. Wenn Dinge nicht vorangehen, suche ich nach Wegen, sie voranzutreiben, sie anders oder besser zu machen, oder sie einfach komplett zu vermeiden. Das ist anstrengend, keine Frage. Aber es bewegt Dinge.
„Mein Job macht mich nicht unglücklich“, sagt sie. Ich frage zurück, „Macht er dich glücklich?“ Sie blinzelt zweimal, bevor sie antwortet. „Nein.“ Mit der Antwort kommt die Erkenntnis.
Das Leiden beginnt nicht mit dem Unglück, sondern mit der Abwesenheit von Freude.