Im Speziellen

Im Allgemeinen liebe ich lieber, als irgendetwas anderes zu tun oder zu fühlen. Ich glaube an keine Götter und keine höheren Mächte, aber die Liebe, die halte ich für universell und für den einzig möglichen Ausweg aus der behaupteten Realität der Welt. Wer sich liebt, wird überhaupt erst befähigt, irgendetwas in der Welt zu bewegen. Wer andere liebt, hemmungslos und hingebungsvoll, erschafft und erfährt das größte Glück.

Im Speziellen liebe ich sie, sie mit den großen blauen Augen, in denen man sich so leicht verlieren kann, sie mit den blauen Augen, die so schön weint, sie mit den blauen Augen, die so ängstlich sein kann und so selbstsicher, sie mit den grünen Augen, die sich so hingibt, sie mit der haselnussfarbenen Iris, ruhig und lodernd zugleich. Ich liebe sie mit den festen Locken, sie mit den dünnen Haaren, mit den blauen und den roten, den braunen und den blonden, die Große, die Zierliche, die Ingenieurin, die Künstlerinnen.

Im Allgemeinen liebe ich die Hure, liebe ich die Heilige.
Im Speziellen liebe ich das Lieben und die Liebe.

Und das Leben.

Im Allgemeinen

Im Allgemeinen mag ich es ungemein, wie Licht mit Materie spielt, sich die Lichtfarbe im Schaum eines Silver Gin Fizz widerspiegelt und mehrfach gebrochen nach oben heraus schillert. Im Speziellen hat dieser eine Halogenspot, der letzte in der Reihe, eine subtil andere Farbtemperatur als alle anderen. Hat man es erst einmal bemerkt, sind die Sinne ungleich schärfer, die Wahrnehmung ist geschärft, und auch die minimal verschiedene Lichtwärme der Fluter an den Wänden wird bewusst. Mit der texturierten Tapete interagieren die Lichtflächen in einem delikaten Grenzbereich mit der Stimmung im Raum, den Molekülen in der Luft, den Gedanken in meinem Kopf, dem Funkeln in ihren Augen. Magie lässt sich nicht durch ein paar Kelvin Farbabweichung bändigen.

Im Allgemeinen mag ich es ungemein, wenn Menschen sich bemühen, ihre Aufgaben – egal ob von außen auferlegt oder selbst bestimmt – möglichst gut zu erfüllen. Ich liebe es, guten, professionellen Service zu erleben, erfreue mich an guten Produkten, an guten Lösungen für die kleinen Nervigkeiten des Lebens, bin anerkennend, wenn ich bemerke, dass sich Menschen Gedanken gemacht haben, einer Vision gefolgt sind, diese – wo nötig – an die Realität angepasst haben, oder – wo möglich – die Realität an ihre Vision. Im Speziellen bin ich mehr als angetan vom Le Lion in Hamburg, wo sich wirklich von vorne bis hinten Gedanken gemacht wurden. Angefangen in der Planungsphase, über die physische Ausformung der Bar, über das Interieur, die Auswahl, bis zum Personal. Meine „Money Quote“ aus dem Brainstorming dreht sich um das Thema Musik: „Cafe del mar und ähnlich seelenloses Gedudel adieu! Musik absichern = abspielen „mitgebrachter CDs” (z.B. durch Personal) muss unmöglich sein!“ Ziele und der Wille, sie umzusetzen. Ein prävalentes θέμα im Leben, dem Universum und dem ganzen Rest.

Vergessen Sie nicht, Sie sind der Gralsritter der Nachtaktiven.

(Jörg Meyer vom Le Lion – Bar de Paris, im Barbaublog)

Ich mag die Nacht.

Absurditäten

Too many men
Too many people
Making too many problems

(Genesis – Land of Confusion)

Es gibt absurd viele Orangen auf dieser Welt. Die (süße) Orange ist die am häufigsten angebaute Zitrusfrucht der Welt. Alleine Brasilien produziert knapp 20 Millionen Tonnen Orangen pro Jahr, was bei einem durchschnittlichen Gewicht von 200g einer Menge von rund einhundert Milliarden Früchten entspricht. Weltweit werden sogar fast 70 Millionen Tonnen geerntet. Das erklärt auf einer rationalen Ebene, wo all der Orangensaft – mit dem Saft aus 30 Orangen! – in unseren Supermarktregalen herkommt, wo sich Literkartons an Literkartons reihen, auf voller Regalbreite und in zig Variationen, Direktsaft und aus Konzentrat, Bio und billig, und im Lager des Marktes nochmal das gleiche in mehr Pappe. Man versuche sich nur einmal vorzustellen, wie viele Orangen an wie vielen Orangenbäumen und auf wie viel Land man für einen durchschnittlich sortierten Innenstadt-Supermarkt benötigt. Und es gibt viele Supermärkte, und viele Städte, und viele Länder.

Es gibt absurd viele Menschen auf dieser Welt. Etwa 7,1 Milliarden, Tendenz stark steigend. Jeder von uns könnte sich über jeden Menschen auf der Welt Gedanken machen, und noch Hunderte fiktionale Menschen und andere Lebewesen obendrein, und all diese Menschen haben wiederum eigene Gedanken- und Erlebniswelten und können sich wiederum empathisch in andere hinein versetzen. (Ein wenig wie „Inception“, aber ohne die ganzen Theorien zur Erklärung.) De facto tun das natürlich die wenigsten, aber die schiere Möglichkeit der unzähligen Möglichkeiten sollte uns nachdenklich werden lassen. Vor allem darüber, wie absurd eigentlich das Leben ist, und diese Welt, in der wir leben, und um welche Dinge (und Menschen) wir uns sorgen und um welche nicht. Und in diesem gigantischen Meer an Möglichkeiten sollten wir immer unser Bestes geben, um alles für alle besser zu machen. Und wer jetzt glaubt, dass das schwierig sei, für den gibt es den Nachtrag: Ohne sich selbst aufzugeben.

(Wer noch nicht genug von Absurditäten hat, dem sei dieses kurze Traktat zu Mandarinenartigen empfohlen.)

Wine at midnight

Blogs are for angry people who are sitting at their computer with a glass of wine at midnight with nothing better to do. _

Und ich dachte, dafür gibt es Twitter, aber das befüllen Menschen ja auch tagsüber, so sagt man.

Ich lebe mehr als je zuvor. Besser, außerdem. Die letzten 6–8 Wochen waren unglaublich großartig. Mein Leben mochte ich sowieso schon vorher, und dann wird es alles noch besser, noch so viel besser. This one goes to eleven.

Eben sah ich Käsekuchen und meine Knie wurden weich. (Auch andere Dinge geschahen mit mir, die die_der geneigte Leser_in sich gerne selbst denken kann, so sie_er kann. Wenn nicht, tja.) Kerzen, Knutschen, Käsekuchen, das fasst einen guten Teil des guten Teils meines Lebens in den letzten vier Wochen gut zusammen. Bei weitem nicht vollständig, aber was ist das schon. (A world of tide pools.)

Ein anderer Teil kommt mir ins Gedächtnis, wenn ich über Farben nachdenke, über Psychedelika, und über Panthenol-Creme. Statt immer nur Wein zu trinken, kann mensch ja auch mal gepflegt weinen. Und statt Fleisch ein paar Fleischwunden, nachhaltig und umweltfreundlich. Nachsorge ist ohnehin die einzig legitime Sorge. (All certainties disappeared.)

Wieder ein anderer Teil schlägt Funken. Blaue Funken, weiße Funken. Dazu schnalzende Geräusche, spitze Geräusche, sehr niedliche Geräusche. Facetten und Ausdrücke, wie auf Knopfdruck, ohne Druck, beinahe. Eine einfache Gleichung, so logisch und naheliegend wie ökonomisch sinnvoll. Ein wenig Schmerz für die Einzelne, große Freude für die Vielen. Wie uns die Alten sungen, hier: Spock. Und so hipstergentrifizieren wir die Welt on the fly und sehen verdammt gut dabei aus. Auch ohne dicke Hornbrillen. (The momentum.)

Alles ist voller Liebe. Die Mitternacht, der Abend, auch unchristliche 7 Uhr morgens. Mit Locken oder roten Haaren, neben, unter, über, zu Füßen, im Geiste, auf der Decke. Wenn die anfängliche Verliebtheit einfach nicht aufhört, das ist Liebe. Wenn das Lächeln bleibt, das ist Liebe. Wenn es Liebe ist, das ist Liebe. (But loss is like an undertow.)

Der Kater hat sich schmollend abgewendet und zerstört aus Trotz Kartons. (Broke what seemed to be unbreakable.)

Pinkie Pie, you are so random.

In diesem Haushalt gibt es jetzt noch mehr Fettsäuren. Zuwachs gab es vor allem aus der Ecke der Öl- und Linolsäure, mit einem guten Anteil Palmitinsäure. Dieses Arganöl ist für die Ernährung nur bedingt zu empfehlen, aber es tut tolle Dinge mit Haaren. Allerdings empfiehlt sich eine Anwendung über Nacht mit anschließendem Auswaschen, sonst werden die Haare etwas schwer und pappig. Ansonsten ist Arganöl recht flexibel, so kann mensch es z.B. auch prima für Fußmassagen verwenden. (Still we are, still we are.)

Ein hohes Pfeifen zischt durch die Luft. Ein lauter Knall weckt durch die Wände. Das wird im Plenum erwähnt werden.

Sicherlich auch für Fußmassagen verwenden könnte man Rum, z.B. den 20-jährigen Malteco Ron de Guatemala. Ein wenig Schärfe, merkliches Eichenfass, Vanille-Schokoladen-Geschmack, ziemlich gute Sache. Dazu passt hervorragend dunkle Schokolade und Florence + the Machine, man kann aber auch Igorrr hören und das Essen weglassen. Ein ganz großartiger Zeitvertreib, wenn man Genuss mag. (Bring me something to keep the night away.)

No light, no light in your bright blue eyes
I never knew daylight could be so violent
A revelation in the light of day,
You can’t choose what stays and what fades away

And I’d do anything to make you stay
No light, no light
No light
Tell me what you want me to say

(Florence + the Machine – No Light, No Light)

Andere Zitate: Sieges Even – The Art of Navigating by the Stars, a.k.a. das beste Album der Neuzeit.

Herzen nach Hamburg, Berlin, Essen, Frankreich. (Completeness all around.)

Week in Review

Ich bin jetzt (wieder) parteilos, aus Gründen. Gar nicht so einfach, man muss dazu Dinge schreiben und ausdrucken und in Briefumschläge tun und Briefmarken drauf kleben und so. Aber dank dem Betahaus Hamburg und ezeep hab ich es geschafft. Wer sich für meine Gründe interessiert, bei den Piraten auszutreten, kann sich das auf Twitter zusammen suchen, für einen dramatischen Blogpost fehlt mir die Lust.

Mein Nexus 4 ist endlich da. Nachdem ich es dank der Probleme des Play Store nicht sofort bestellen konnte, hatte ich Gelegenheit, nochmal ausführlich darüber nachzudenken, ob ich denn wirklich ein neues Smartphone will, und besonders eines, wo ich keinen Ingress-Akku nachrüsten kann. Jetzt, wo ich es ein paar Tage benutzt habe, bin ich sehr froh darüber, dass ich es bestellt habe. Es ist ein merkliches Upgrade vom Galaxy Nexus, was die Responsiveness des User Interface betrifft, und es ist ziemlich schick. Mal sehen, wie es sich im täglichen Gebrauch der nächsten Wochen bewährt.

Habe festgestellt: Ich mag Füchse, Rothaarige, und rote Tiger. Einige Leser denken jetzt “Ach was, WIRKLICH?”, und das völlig zu Recht, aber mir ist es erst kürzlich bewusst geworden. Eine gute Freundin hat ein Fuchs-Tattoo, zwei nennen ihre Wohnung auf foursquare “Fuchsbau”, viele sind rothaarig, einer ist ein roter Tiger. Auch möglich: Vielleicht mag ich einfach Leute, die Füchse mögen.

Nachdem ich am Mittwoch schon beim Löwen war, wurde ich am Freitag endlich Mayor vom Le Lion. Wenn es einen Freitag Abend nach einem guten Whisky Sour gelüstet, ist das Le Lion einfach die beste Anlaufstelle. Die Löwen betreiben schlicht die beste Bar im Umkreis von mehreren Hundert Kilometern, es stimmt einfach alles: Ambiente, Decor, Professionalität in Service und Qualität der Drinks. All-around sehr angenehm.

Das Wochenende verbringe ich mal wieder in Berlin. Immer wieder schön. Ich nutze jetzt Touch & Travel, habe ein schönes Thai-Restaurant (na ja, Imbiss) in Kreuzberg entdeckt, überhaupt lecker gegessen, in buntes Licht geschaut, viel Sex gehabt, aber wenig Käsekuchen, wie dieses Berlin halt so ist. Gleich schaue ich mir das c-atre in der c-base an. Was ich bisher noch nicht in Berlin gefunden habe, ist eine gute Bar, aber ich habe mir einige Empfehlungen auf eine foursquare-Liste gepackt. Mal sehen.

Und grade habe ich noch ein paar NES-Spiele ersteigert. Ich bin dabei, die Mega-Man-Serie komplett durchzuspielen, und dazu brauche ich natürlich einen Game Boy, ein NES und ein SNES, mindestens. Erstaunlicherweise klappte sogar die Zustellung mit DHL!

Ich mag mein Leben.

Notizen

  1. Ich bin verliebt. Und eventuell sexsüchtig.
  2. Winter ist mittlerweile eine Naturkatastrophe und nicht nur eine Jahreszeit.
  3. Der neue Europabahnhof in Saarbrücken ist eine Ausgeburt der hässlichsten Oberflächlichkeit, die ich seit einer Weile gesehen habe, inklusive Warteräumen, die wie Todeszellen aussehen.
  4. Es gibt Micro-USB Typ A und B, und man will eigentlich immer Typ B (angeschrägte Stecker), Typ A nutzt nichts, aber man kann trotzdem Kabel ohne “Typ A”/”Typ B”-Hinweis kaufen und sich damit Buchsen ruinieren.
  5. WRT54GL > Fritz!Box WLAN 3270. Endlich WLAN im ganzen Haus.
  6. Die Telekom ist immer noch nicht willens, DSL-Anschlüsse mit in vorgegebenem Rahmen frei aushandelbarer Geschwindigkeit zu schalten, jedenfalls nicht, wenn man seit Jahren loyaler Kunde ist. Statt dessen wird auf Leitungen, die 4MBit/s schaffen könnten, nur T-DSL 768 (kBit/s) geschaltet. Man kann da nichts machen, das System, Sie verstehen.
  7. Selbige Telekom, die den Netzausbau hier seit Jahren völlig ignoriert hat, kam plötzlich in die Puschen, als drei Alternativanbieter hier auf den Markt gingen. Ab Januar gibt’s VDSL, direkt vor der Haustür.
  8. Ich kann über sexistische und rassistische Witze im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht lachen.
  9. XMPP fetzt, aber es sollte mal jemand ordentliche Clients dafür bauen.
  10. Ich habe keinerlei Geduld mehr mit Religion, Homöopathie, und sonstige Ignoranz. Fuck Respect. Diese Ignoranz hält uns als Gesellschaft zurück und muss bei jeder Gelegenheit bekämpft werden.
  11. Ich brauche eine BahnCard 100.

Where it’s at

Ich gehe zum 1. September 2009 nach Berlin, um mich dort der Erforschung und Umsetzung neuer Lebens- und Arbeitsformen zu widmen. Schließlich sind immer noch viel zu viele Menschen da draußen überzeugt, dass die Gesellschaft sowie der Einzelne nur dann funktionieren, wenn jeder von morgens 9 bis nachmittags 5 an einem Schreibtisch sitzt und ein Telefon bewacht, und dass möglichst alle Menschen arbeiten sollen. Oder, dass Liebesbeziehungen oder Ehen nur von je einem Mann und einer Frau eingegangen und gelebt werden können. Außerdem will ich die politischen Aktivitäten fortführen, die wir im Rahmen der Netzsperren-Diskussion begonnen haben, denn wir brauchen dringend eine Lobby für diese “Internet-Generation”, “Generation C64”, oder wie auch immer man uns nennen will.

Falls jemand Wohnraum in Berlin hat, der eine der folgenden Anforderungssets erfüllt, bitte ich um kurze Nachricht:

  1. ~30m², Garten / Grünfläche / ruhige Lage (lies: draußenkatzengeeignet)
    oder
  2. >300m² (in Worten: Dreihundert), Garten / Terrasse / Dachterrasse, schnelles Internet, für WG/OpenSpace/Kommune-Dings.

Hamburg wird natürlich einen Platz in meinem Herzen bewahren und sicherlich häufig besucht werden. Vielleicht lege ich mir ja eine Black Mamba zu, dann wird ganz Deutschland regelmäßig bereist. Gepriesen sei das UMTS.

See you in Berlin!

Grünes Gras

Wenn das Gras auf der anderen Seite grüner scheint, kann man entweder neidisch sein, nachts heimlich über den Zaun steigen, oder einfach mal mit dem Nachbarn reden, ob man den Zaun nicht einfach abbaut. Glück kommt durch das Abbauen der Zäune und Wände, nicht durch heimliches Herübersteigen oder Neid.

Packungsbeilage

Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch. Sie enthält wichtige Informationen für Sie.

1. Was ist das moeffju-Anti-Winterdepressionspaket und wie wird es angewendet?

Das moeffju-Anti-Winterdepressionspaket ist eine Zusammenstellung wohltuender, stimmungsaufhellender Wirkstoffe, ein Derivat des Zebramädchen Anti-Winterdepressionspakets mit leicht geändertem Wirkstoffkomplex. Es wird angewendet bei saisonal bedingten Stimmungstiefs und überhaupt und sowieso.

2. Welche Wirkstoffe sind enthalten?

3. Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Die Nebenwirkungen umfassen u.a. Liebeskummer, leichte Alkoholvergiftungen, erhöhte Reisekosten und unsteten Lebenswandel, aber auch Freudensschreie und spontane alberne Liebesbekundungen an Leben und Lebende.
Sollten Sie eine dieser oder andere Nebenwirkungen beobachten, seien Sie unbesorgt: Alles wird gut.

(Danke an das zebramädchen für die Vorlage, und überhaupt!)