Just marry the violence away

The Washington Post posted an article suggesting the solution to domestic abuse and sexualized violence was for women to – wait for it – marry more!

Washington Post changed their headline from 'Stop taking lovers and get married' to the slightly less offensive 'Married dads [are less violent]'

They try to back up their argument by quoting statistics about the incidence physical, emotional and sexual abuse in families with married biological parents versus other married, unmarried, and single parents w/ partners. Their conclusion, as made very obvious in the now-changed headline, was that in order to reduce the incidence of violence, women should just get married instead of having live-in boyfriends.

Even when they explicit state in the article that “For women, part of the story is about what social scientists call a “selection effect,” namely, women in healthy, safe relationships are more likely to select into marriage, and women in unhealthy, unsafe relationships often lack the power to demand marriage or the desire to marry.“ it does not make the authors pause for even a second before they continue with “But marriage also seems to cause men to behave better.” (At least they timidly acknowledge, en passant, that violence against women is predominantly a problem of MEN BEING VIOLENT.)

That’s because men tend to settle down after they marry, to be more attentive to the expectations of friends and kin, to be more faithful, and to be more committed to their partners—factors that minimize the risk of violence.

Looking at the first chart, it seems obvious that the strong correlation for child abuse is whether the child lives with the biological parents, especially father, or not. Only in the second chart – domestic abuse of their partners – is the case clear, not for marriage, but instead against single mothers. Unfortunately the data is not broken down further.

Finally, despite one of the authors being a sociologist, the article culminates in this gem of ignoring the context of the reality of living:

What’s more: women who are married are more likely to live in safer neighborhoods, to have a partner who is watching out for their physical safety, and—for obvious reasons—to spend less time in settings that increase their risk of rape, robbery, and assaults.

Selection bias, ick hör’ dir trapsen.

Panopticon to the People

Die meiste Zeit bin ich ein gesetzestreuer Bürger. Wenn man von ein paar mal Falschparken, ein, zwei Geschwindigkeitsübertretungen, und der einen dunkelgelben Ampel absieht, ist meine Weste komplett unbefleckt. Ich hätte nichts dagegen, das kapitalistische Schweinesystem abzuschaffen, weil ich sehe, was es mit mir, meinen Freunden und Bekannten, und der Gesellschaft anstellt, aber ich probe auch nicht den bewaffneten Aufstand, ja, ich habe nicht einmal einen schwarzen Hoodie.

Trotzdem besorgt mich die Überwachung durch die Geheimdienste, die NSA, das GCHQ, BND und BfVS und wie sie alle heißen. Trotzdem habe ich Bauchschmerzen bei der Datensammelwut der Onlinedienste von Facebook, blocke Werbung und Tracking-Dienste, nutze den Incognito-Modus, verschiedene Browser-Profile, gelegentlich Tor, verschlüssele meine Instant Messages und einige meiner Mails, erzwinge SSL für meine Webseite, meinen Mailserver, meinen Jabber-Server.

Und andererseits stelle ich eine Menge meiner Daten einfach so ins Netz. Das ist ein Mittel der Kontrolle – Daten, die ich selbst veröffentliche, müssen sich andere Interessierte nicht aus dritten, eventuell schlecht gepflegten oder schlicht falschen Quellen erarbeiten. Es ist aber auch ein Schritt in Richtung Transparenz, den ich wichtig finde.

Das Problem an der Überwachung, so meine These, ist nicht das Erheben und Speichern der Daten, sondern, dass das zentralisiert und intransparent geschieht. Es herrscht ein unglaubliches Machtgefälle zwischen dem*der „einfache*n Bürger*in“, als Ziel der Überwachung, und der NSA, die in einem gigantischen, verspiegelten, funkwellengeschützten schwarzen Gebäude sitzt und über zehn Milliarden US-Dollar pro Jahr für neue Technologie und Technik zur Verfügung hat und ausgibt, wo ein*e einzelne*r Mitarbeiter*in dank immer besserer „Big Data“-Tools in Sekundenschnelle Tausende Profile durchforsten und aggregieren kann. Besonders, wenn jede*r erst mal verdächtig ist.

Der überwachte Mensch hat keine Handhabe gegen das alles sehende Auge: Ihm*ihr wird weder mitgeteilt, dass er*sie überwacht wird, noch, was über ihn*sie gespeichert wird. Er*sie hat keine Möglichkeit, Dinge zu korrigieren, es gibt keine direkte Widerspruchsmöglichkeit und mittlerweile nicht einmal mehr unbedingt rechtsstaatliche Verfahren. Das Risiko, wegen eines fehlerhaften Algorithmus oder eines Eingabefehlers unvermittelt von einem Sondereinsatzkommando aus dem Bett geholt und für ein paar Jahre in einem Geheimgefängnis im Ausland zu landen, ist greifbar, wenn auch derzeit noch klein. Es entsteht ein fehleranfälliges System ohne Kontrollmöglichkeiten, sodass die Überwachung eine Gefahr für jede*n Einzelne*n darstellt.

Was aber, wenn wir unsere Daten für alle zugänglich machen? Wenn auch die NSA-Angestellten in den Datensammlungen auftauchten, und all ihre Bewegungen für jede*n nachverfolgbar würden? Wenn wir den Behörden nicht für jede noch so kleine Information hinterherlaufen müssten, sondern Polizeivideos, Auswertungen, Beschlüsse, kurz: alles automatisch öffentlich wäre? Informationsfreiheitsgesetze sind nur ein winziger Schritt in diese, richtige Richtung. Doch trotz ihrer – zaghaften – Einführung verbleibt der Aufwand, Anfragen zu stellen, immer noch bei den Bürgern. Viel zu häufig ziehen sich Behörden und andere Auskunftspflichtige immer noch mit dem Verweis auf „Geschäftsgeheimnisse“, „Vertraulichkeitsvereinbarungen“, „Urheberrecht“, und „Sicherheitsinteressen“ zurück, um der Politik und / oder Wirtschaft womöglich nicht genehme Fakten nicht in die Öffentlichkeit gelangen zu lassen.

Statt des bisherigen Gerangels um Stufen und Grenzen bei Nebeneinkünften könnte einfach jede*r von uns die Steuererklärung seines*ihres Abgeordnete*n anschauen. Vielleicht sogar dessen Kontostände. Oder auch die des*der Nachbar*in. Norwegen, Schweden und Finnland machen es im Geiste des Janteloven mit öffentlichen Einkommens- und Steuerregistern schon vor (ZEIT, Spackeria, Elchburger). Wir wüssten, welches Gehalt die Büronachbarin bekommt, oder der Chef. Oder wir gehen legen noch mehr Daten offen: wie viel hat das Magazin im Wartezimmer unseres Arztes für den Artikel über ein neues homöopathisches Medikament eingestrichen? Spekuliert die BVG gerade wieder mit Millionen? Wie passierte die Kostenexplosion bei der Elbphilharmonie? Mit einem Mal ginge das ganz ohne Untersuchungsausschuss.

Hierzulande ist die Veröffentlichung solcher Daten noch völlig utopisch. Nicht zuletzt, weil da noch eine Menge Probleme zu lösen sind, was die Be- und Verurteilung von abweichendem Verhalten und Minderheiten angeht. Wollen wir Neonazi-Gruppen die Möglichkeit geben, Details über Hassobjekte in ihrer Umgebung zu erfahren, in der Hoffnung, dass die Nazis einfach vorher auffliegen würden? Was ist mit sexueller Identität, mit legitimem Widerstand gegen Missstände in Staat und Gesellschaft, wie verhindern wir, dass so einfach nur eine andere Form des Totalitarismus entsteht?

Doch der Geist geht nicht mehr in die Flasche zurück. Technologie entwickelt sich immer schneller, Überwachung und Datensammlung werden immer einfacher, schneller und robuster. Außer mittels einen Butler’schen Jihad ist auch keine Änderung dieser Entwicklung absehbar. Deshalb müssen wir uns dringend Gedanken über die Weiterentwicklung von Ethik und Gesellschaftsbild machen und einen möglichst positiven Umgang mit dem Thema finden. Für Transparenz statt Überwachung, und Empowerment statt Repression.

Was ich bereits jetzt als politische Mindestforderung für valide und wichtig halte, ist die totale Transparenz von Politiker*innen. Wer demokratisch legitimiert sein will, ist den Bürgern Rechenschaft schuldig. Hier gibt es kein Wenn und Aber. Es kann nicht angehen, dass Deutschland sich seit Jahren vor der Ratifizierung eines Antikorruptionsgesetzes drückt, dass Nebeneinkünfte nur grob gestaffelt und mit Obergrenzen angegeben werden, dass Lobbyverbindungen nicht offen gelegt werden und dass ein sehr großer Teil der politischen Wurst außer Sichtweite der Öffentlichkeit gemacht wird. Das muss sich ändern, wenn wir uns auch weiterhin demokratisch nennen wollen.

Und über alle anderen Auswirkungen und Schlussfolgerungen müssen wir dringend nachdenken, statt uns immer wieder in die gleichen alten Muster zurückdrängen zu lassen.

Vielen Dank an Lena und Katharin für Probelesen, Redaktion und beigesteuerte Ideen.

Weitere sehr interessante Lektüre zum Thema Überwachung, Überwachungskritik und gesellschaftlichem Kontext: SaU zu Überwachungskritik (via foxitalic).

Google verkauft Motorola, Medien sparen Recherche

Google verkauft Motorola für 2,91 Milliarden USD an Lenovo, nachdem sie 2011 erst 12,5 Milliarden USD dafür bezahlt haben. Schlechter Deal, so sieht es auf den ersten Blick aus – fast 10 Milliarden Wertverlust in nur drei Jahren? Entsprechend stürzen sich die Medien und die Kommentare auch auf die Story. Jeder darf mal über Google und ihre Akquisepolitik lachen.

Was nur die wenigsten im Eifer des Gefechts bedenken, ist die Recherche. Oder wenigstens mal kurz darüber nachzudenken, ob Google, die generell doch recht erfolgreich sind und ein Heidengeld einnehmen, wirklich so bescheuert sein können.

Zwei rühmliche Ausnahmen gab es dann auch – die Kommentatoren bei Hacker News zum Thema waren wie fast immer zurückhaltend, bedacht, und gut informiert, und kurz darauf gab es dann auch einen gut recherchierten Artikel in der New York Times dazu. (Und ich wünschte mir, das gestern mittag direkt verbloggt zu haben, und allen deutschen Medien zuvor gekommen zu sein. Nun ja.)

Die kurze Rechnung ist diese

Google bezahlte 2011 $12,5 Mrd. für Motorola und kaufte dabei gleich noch $3,3 Mrd. in „Cash“ mit. Weil Motorola außerdem seit Jahren nicht profitabel war, hatten sie Steuervergünstigungen im Wert von $2,5 Mrd. zu ihren Gunsten, der „effektive“ Kaufpreis war also, vereinfacht gesagt, bei etwa $6,7 Mrd. Dann verkaufte Google fast sofort Motorola Home, die Set-Top-Boxen für Fernseher herstellen, für $2,35 Mrd., und machte mit dem Rest nochmal $1 Mrd. Verlust, der zu weiteren Steuervergünstigungen führte. Summa summarum kommt man mit den $2,1 Mrd. auf rund $10,5 Mrd. von den initialen $12,5 Mrd., die Google wieder „gutgemacht“ haben. (Und ja, die Berechnung ist nicht ganz exakt, weil noch nicht alle Zahlen veröffentlicht wurden, aber der Fehler liegt bei maximal knapp einer Milliarde USD. Also eine andere Größenordnung als „lol google kann nicht mit geld“.) Außerdem behält Google den größten Teil der Patente und lizenziert diese nur an Lenovo.

Beispiele

  • Horizont ist sich nicht zu schade für „stößt die 2012 für satte 12,5 Milliarden US-Dollar erworbene Mobility-Sparte von Motorola ab“ und ignoriert Motorola Home und die Patente komplett.
  • Die Süddeutsche Zeitung verwendet drei Absätze auf „lol google“, bevor sie dann aufklären, dass vielleicht alles doch gar nicht so schlimm ist.
  • Der Standard berichtete zwar lobenswert früh und vergisst auch nicht die Home-Sparte, rechnet aber die Cash-Reserven und Abschreibungen nicht ein. Dafür gab es aber heute früh einen Nachtrag.
  • Format.at erwähnt zwar die Patente und den vermuteten Samsung-Deal, spricht aber dennoch von „verscherbeln“ (und von 2001 statt 2011).
  • Telekom-Presse.at spricht vom „bei weitem schlechtesten Deal“.
  • Der SPIEGEL impliziert den Wertverlust, ergötzt sich aber immerhin nicht daran, ähnlich der Focus.

Wohlgemerkt, hier liegt ein Fall vor, wo fast alle nötigen Fakten in Datenbanken verfügbar waren. Trotzdem wird nicht so weit recherchiert – was in diesem Fall sogar okay sein könnte, wenn nicht sofort der Google-Beißreflex anspringen würde.

Ach, Amazon

Mea culpa. Mea maxima culpa. Ich habe Glühlampen bei Amazon bestellt.

Ich habe lange über die Ökobilanz nachgedacht, verdammte Glühlampen im Internet zu kaufen und sie aus einem Lager bei Bad Hersfeld nach Berlin transportieren zu lassen. Aber ich wollte energiesparende und gleichzeitig helle Leuchtmittel, und um die zu kriegen, hätte ich auf Verdacht zu Baumärkten fahren müssen, entweder mit dem Auto, oder ungleich länge und aufwendiger mit dem ÖPNV. Alles ohne Garantie, den Artikel dort dann auch wirklich zu finden.

Gleichzeitig macht sich Amazon Gedanken über ihre Bilanz und hat vor einiger Zeit aufgehört, solche kleinen Artikel versandkostenfrei zu verschicken. Das heißt „Plus-Produkt“ und bedeutet, dass man – wie früher – für mindestens 20 Euro einkaufen muss, um keine Versandkosten zu zahlen, bzw. jetzt sogar, um diese Artikel überhaupt bestellen zu können.

Aber kein Problem, Glühlampen kaufe ich sowieso immer mindestens zwei auf einmal, dann noch ein Artikel von der Merkliste dazu und noch ein Buch für eine Freundin, alles klar. Der Ökobilanz zuliebe und weil nun wahrlich nichts davon eilig war, wählte ich „Komplettlieferung” aus, damit wenigstens nur ein Paket auf die Reise gehen muss, und wartete ab.

Zuerst kam das dazu bestellte Buch. Ganz allein in einem Paket.

Und die Versandbestätigung für eine Glühbirne.

Und eine Ankündigung, ein weiteres Paket würde in Kürze versendet.

Einen Tag später zwei Pakete mit jeweils einer Glühbirne.

Trotz Plus-Produkt, trotz Komplettlieferung. Sorry, Ökobilanz!

Ach, Amazon. Ach, Kapitalismus. Denn irgendwo sind die Incentives so gesetzt, dass sich diese Song-and-Dance-Routine für Amazon und DHL und mich gelohnt hat.

Good bye, feedly

Nachdem Google Reader eingestellt wurde, habe ich nach einer brauchbaren Alternative für die mobile Nutzung gesucht. Als kostenloses Angebot wurde damals häufig feedly empfohlen, auch weil diese versprachen, eine ähnlich offene Plattform wie Google Reader zu bieten, auf die andere Feedreader zugreifen könnten.

Neulich habe ich feedly deinstalliert.

Was von Anfang an nervte, war das UI/UX von feedly. Sowohl im Web als auch in der App werden wahllos Interaktionskonzepte durcheinander geworfen, umgeworfen, und so die Nutzbarkeit erschwert. In der Desktop-Version haben feedly immerhin endlich eingesehen, dass ein Feedreader vielleicht einen halbwegs sichtbaren Button gebrauchen kann, um neue Inhalte hinzuzufügen – vorher war das in einer ausfahrenden Seitenleiste versteckt. In der App navigiert man durch eine vertikale, aber in Seiten unterteilte Liste von Feed-Einträgen durch horizontale Wischbewegungen bis zum Ende der neuen Artikel, dann landet man bei einer „At end“-Seite, was aber nicht daran hindert, beliebig oft weiter „nach rechts“ zu wischen. Zurück nach links landet man dann sofort bei „At start“, bevor man den Content wieder erreicht. Um das Lesen zu beenden, wischt man den Bildschirm nach oben weg. Um dann auf neue Inhalte zu prüfen, kann man einen Button antippen, oder nochmal nach oben wischen – danach muss man aber zum Refreshen nach unten ziehen, wobei der Bildschirm nach „hinten“ geht. Weird, aber man gewöhnt sich dran, na gut.

Der nächste Strike gegen feedly war, als sie anfingen, alle Links durch ihren eigenen Shortener und Redirector zu jagen. Alles, was man naiv mit feedly shared, ist damit davon abhängig, dass feedly existiert und diesen URL-Shortener weiter betreibt – und keine Daten verliert. Solche Dinge machen das Web kaputt. Ein Workaround ist, den Browser als Standard-Action festzulegen und dann von dort aus zu sharen – ein extra-Tap, grade noch aushaltbar.

Jetzt haben feedly ein Feature ausgerollt, das noch ein Stück weiter geht: Feedly versteckt den Content hinter einer eigenen Umleitung und liefert anderen Content aus, so dass z.B. auf Twitter oder Facebook in der Vorschau der feedly-Brand angezeigt wird. Außerdem zeigen diese Links standardmäßig auf eine von feedly umformatierte Version des Inhalts.

Feedly bieten zwar keine direkte, aber immerhin eine Möglichkeit an, einen feedly-Account zu löschen.

(Ich versuche jetzt mal Newsblur. Außerdem wurden mir BazQux und FeedBin empfohlen. Das Schöne an Newsblur ist aber, dass der gesamte Code offen ist, man ist also nicht an newsblur.com gebunden.)

Siehe auch: Hacker News-Diskussion.

In ur browser, hijacking ur privacy

Werbung und Privatsphäre gehen nicht gut zusammen. Nicht nur in der offensichtlichen Lesart. Wie der Fall der Window Resizer Chrome Extension zeigt, können Angriffe auf die Privatsphäre auch indirekt durch Werbung zustande kommen.

Die Chrome-Erweiterung erlaubt Webentwicklern, sehr einfach die Größe von Browserfenstern zu verändern, um Seiten mit verschiedenen Layouts auszuprobieren. Seit einem Update Mitte Dezember 2013 hat diese Erweiterung allerdings noch eine versteckte Zusatzfunktion: Sie biegt alle Links auf Google-Suchergebnisseiten um und leitet sie durch Ecosia EcoLinks um – ein Werbeunternehmen, das die so gewonnenen Daten auswertet und verkauft, aber nach eigenen Angaben immerhin 80% der Profite für ökologische Zwecke einsetzt.

Der einzige Hinweis auf diese Änderung war eine kleine „NEW“-Badge im Icon der Erweiterung, und die Voreinstellung für dieses Verhalten war natürlich aktiv, man hätte also nicht nur die Badge sehen müssen, sondern auch die Optionen aufrufen und dort den Hinweis sehen und die Checkbox entfernen.

Ich schätze, dass für etwa eine Woche alle meine Google-Ergebnislinks erst mal über Ecosia weitergeleitet wurden. Da war nichts kritisches dabei, aber es zeigt wieder einmal, wem man wie sehr vertrauen kann. Der Beobachtung durch Google zu entgehen, ist extrem aufwendig und für mich meist ein akzeptabler Trade-off, aber irgendwelche Dritten sind riskanter. Immerhin hat Google die Extension schnell gesperrt, aber nicht aus den Browsern der User entfernt (und keinen Hinweis gegeben). Dennoch: Großer Mist, so was.

Für sichere(re) Kommunikation empfehle ich daher einen Open-Source-Browser mit so wenigen Add-ons wie möglich, z.B. Firefox. Generell ist von Extensions und Programmen abzuraten, bei nicht klar ist, wie sich die Entwicklung finanziert: Zahlt man für den Dienst, gibt es Spendenaufrufe, einen Mäzen oder eine unterstützende Gruppe, oder sind da vielleicht versteckte Monetarisierungsmodelle? Und sind automatische Updates wünschenswert? Über all diese Dinge sollte man nachdenken und seine Paranoia entsprechend justieren. Sicherheit ist nicht immer einfach.

30c3 – the bad parts

Update 2: The people responsible came forward, paid up, and apologized profusely. My faith in humanity is restored. A number of other people also chipped in with monies, so I’m gonna think about something sensible to do with the money – if you have any suggestions for worthy causes that could use some cash, let me know.

On day 3 of 30c3, we went to Germany’s best cocktail bar, Le Lion. That is not the bad part.

Good times were had by all. That, too, is not the bad part.

One of the congress visitors stealing, that is the bad part. It doesn’t really matter so much who stole, what they stole or from whom, except that we’re talking about a luxury item and about people who visit a high class bar and paid for some of their drinks – so clearly, there was no distress driving them to steal.

First and foremost, it’s about values. I am immensely disappointed. Julian and I invited a bunch of friends to enjoy a great bar. I did not expect that any c3 visitor would stoop so low as to steal a bottle of champagne from a bar during a semi-official congress-related event. I feel personally responsible for bringing these thieves into a friendly place.

I believe in some old-fashioned values, like honesty and integrity. I also feel that community management is important, no matter what community we’re talking about: As soon as people form a group, they have social interactions within and outside the group. When a member of this group breaks the rules – and I feel that stealing does, usually – the group needs to show that this behavior is not acceptable.

To the guys who stole the champagne: Shame on you. Contact me before the 31st of December at moeffju@moeffju.net so we can resolve this amicably.

Update: I received comments about the “phantom image” and mentioning details of their behavior for possible identification. I feel that it was okay to post the crappy pixelated image and quote people publicly if they very loudly discuss their drug habits in a bar, but I decided to remove the identifying details because they do not matter for the message I’m trying to convey. To the people who think that it’s totally fine to steal, as long as you’re stealing from a high class bar: Thanks for outing yourselves.

NSA-Backdoor in RSA Bsafe?

Documents leaked by former NSA contractor Edward Snowden show that the NSA created and promulgated a flawed formula for generating random numbers to create a “back door” in encryption products, the New York Times reported in September. Reuters later reported that RSA became the most important distributor of that formula by rolling it into a software tool called Bsafe that is used to enhance security in personal computers and many other products.

Wenn das stimmt, heißt das wohl „Tschüss, RSA“.

Quelle: Reuters Exclusive: Secret contract tied NSA and security industry pioneer

Sag zum Abschied leise Poke

Deactivating your account will disable your profile and remove your name and picture from most things you’ve shared on Facebook. Some information may still be visible to others, such as your name in their friends list and messages you sent.

Nach einigen Komplikationen habe ich heute vormittag um 11:08 Uhr meinen Facebook-Account stillgelegt. Vorher musste ich für alle möglichen Facebook-Gruppen, die ich schon lange vergessen hatte, neue Admins bestimmen, und meine entwickelten Facebook Apps transferieren oder löschen. Außerdem musste ich mich natürlich über die Chuzpe von Facebook wundern, die mir bei jedem Laden der Seite fünf Bilder von Freunden mit der Überschrift „… will miss you“ zeigen und sich auch nicht zu schade für die Behauptung sind, dass meine „1,253 friends will no longer be able to keep in touch“, oder dafür, von mir eine Begründung für die Deaktivierung („No.“) zu verlangen.

Ein wenig erinnert es an die passiv-aggressive Maschinenintelligenz GlaDoS aus dem Spiel „Portal“, nur subtiler. Du möchtest deinen Facebook-Account deaktivieren? Denk doch nur an all die schönen Zeiten mit deinen Freunden. Du möchtest wirklich deinen Facebook-Account deaktivieren? Niemand wird mehr mit dir kommunizieren! Du möchtest immer noch deinen Facebook-Account deaktivieren? Was ist mit diesen Fotoalben, die du hochgeladen hast, willst du die wirklich der Welt vorenthalten? Und die ganzen Bilder, in denen deine Freunde dich mühevoll markiert haben? Du möchtest deinen Facebook-Account deaktivieren? Geh doch. Du wirst schon sehen, was du davon hast. Freunde jedenfalls nicht mehr!

Facebook ist ein Werkzeug, aber es ist auch eine Ablenkung. Tausend Dinge buhlen um Aufmerksamkeit, und um irgendwas relevantes im Stream zu finden, kämpft man gegen die Strömung – Milliarden von Buzzfeed-Links, „Inspirational Graphics“, Hervorgewürgtes aus den Circle-Jerk-Kanälen des Internets. Gelegentlich dann mal persönliche Informationen, meaningful interaction. Aber so nützlich Facebook gelegentlich ist, hat es immer auch den Nebeneffekt, dass Menschen, die Inhalte auf Facebook teilen, diese meist nicht noch auf offenen Kanälen teilen. Selbst als passiver Konsument auf Facebook bestärke ich den Netzwerkeffekt des Walled Gardens.

Ein Freund sagte, Facebook sei eine Kneipe, ein kommunaler Ort der plätschernden Kommunikation – man bekommt mit, was die anderen so tun. Aber Facebook ist keine Kneipe und kein kommunaler Ort, Facebook ist ein exklusiver Club mit Spiegelfolie an den Glasfronten und fiesen Türstehern, vor denen man sich erst mal ausziehen muss, und drinnen bekommt man dann freie Getränke, wird dafür aber dauernd von irgendwelchen Leuten genervt oder befummelt.

Meine neuen alten Kneipen sind öffentlich zugänglich, im Sinne von offenen Protokollen und Servern: Mail, Jabber, IRC.

Per Mail und per Jabber/XMPP erreicht ihr mich unter moeffju@moeffju.net, meine GPG-Key-ID ist 0x79ACF996. Im IRC bin ich als moeffju auf irc.freenode.net, irc.hackint.org, irc.ubermutant.net und im IRCnet zu finden. SMS laufen über TextSecure. Außerdem probiere ich grade Threema aus, meine ID ist A2ZTKH3Z. So lange die aber nicht ihren Code offenlegen und eine Desktop-Version bauen, sehe ich da keine große Zukunft für. Schließlich spiele ich grade mit Telegram rum, aber deren Idee von Kryptographie ist komplett hanebüchen (wenn auch besser als WhatsApp), deshalb auch nicht verlinkt. Noch bin ich auch auf Hangouts, Skype, WhatsApp, und Co. zu finden, werde diese Dienste aber nach und nach verlassen und durch offene Alternativen ersetzen.

Your 1,253 friends will no longer be able to keep in touch with you.

Nein, Facebook, meine Freunde sind klüger und besser als das.

In diesem Sinne: Poke.

Nicht mein Netz

Twitter haben die Funktionsweise von Blocks verändert. Von nun an, „blocking a user does not prevent that user from following you, interacting with your Tweets, or receiving your updates in their timeline“. Warum das für Opfer von Harassment noch schlimmer ist als vorher, kann man sich – hoffentlich – denken. (Update: Die Änderung wurde rückgängig gemacht. Ändert aber nichts am Argument.) Und auch in ihrer App sind mittlerweile zwei Drittel der Funktionalität irgendwelcher Discovery-Kram, während die Interaktionsmöglichkeiten immer mehr in den Hintergrund treten.

Das ist nicht mehr mein Internet. Es ist nicht mehr unser Internet. Dieses Netz der Walled Gardens war auch nie unser Netz – wir haben es uns nur von den Ausbeutern Anbietern geliehen. Und so kann Twitter halt mal für ein paar Monate keine Links in Direktnachrichten verschickbar machen, und wir schreiben halt Leerzeichen hinter „http:“, haha, das iPhone hat ja jetzt auch Copy & Paste, nicht wahr? Und dann ändert Facebook die Privacy-Einstellungen, Google sperrt wegen falscher Namen bei Google+ gleich mal ganze Nutzerkonten, LinkedIn verliert ein paar Millionen Passwörter, die NSA hackt halt ein paar RZs statt Hunderttausende Switche und Server anzugehen, und aus Protest ändern ein paar User dann mal für ein paar Tage ihre Profilbilder, denen haben wir’s aber so richtig gegeben.

Unser Netz war im IRC, im Usenet, in unseren selbst gehosteten Blogs, vielleicht sogar in Gopher, unser Netz war in Mailboxen, im Fidonet, im Z-Netz, unser Netz war Notepad und HoTMetaL, Joe’s Own Editor und blosxom, CGI.pm und Webrings. Da war die Chance, dass jede gleichberechtigt teilnehmen konnte, und die Herausforderung, dass auch jeder zu ermöglichen. Und statt die freien, selbstverwalteten Tools und Mittel besser zugänglich und einfacher bedienbar zu machen, haben wir Plattformen gebaut statt interoperabler Systeme. Und dann – und ich bin unsicher, ob die Plattformen schon der Sündenfall waren, oder dies: – kam die Werbung, kamen die ganzen alten Geschäftsmodelle, die schon in der Offline-Welt scheiße waren, wo sich alles dieser Maschinerie unterordnete: Menschen, Beziehungen, Inhalte. Alles ist nur so viel wert, wie man in Bannern und Sponsorings herum bauen kann. Die Utopie ist vorbei, bevor sie angefangen hat.

Das Netz, ein Fall von: die Idee ist gut, aber die Welt ist nicht bereit.
Das Netz ist – leider – nur ein Abbild der Gesellschaft.