Facebook kauft WhatsApp für $19 Mrd., und jetzt suchen viele User nach Alternativen. Wie sinnvoll das ist, sei mal dahin gestellt – Facebook nutzen eh die meisten, und die zu WhatsApp hochgeladenen Adressbücher verschwinden ja auch nicht plötzlich, weil man einen anderen Messenger installiert. Jedenfalls aber gibt es gerade viel Unsicherheit und Halbwissen zum Thema sicheres Instant Messaging.
WhatsApp ist funktional, aber ihr Umgang mit Sicherheit ist keine große Erfolgsgeschichte. Als Alternativen werden z.B. Threema, Telegram, SureSpot, TextSecure und Jabber/XMPP gehandelt. Die kurze Version:
- Threema ist Closed Source und kann somit nicht vertrauenswürdig sein, außerdem wird der initiale Kaufpreis die Verbreitung einschränken (WhatsApp war da geschickter, mit kostenlosem Download und erstem Jahr der Nutzung);
- Telegram hat hehre Ziele, aber die verwendete Verschlüsselung ist nicht State of the Art. Mehr dazu auf Hacker News, kurz: Nicht mit Sicherheit rechnen;
- Surespot sind Open Source und die verwendeten kryptografischen Verfahren haben keine offensichtlichen Schwachstellen, außerdem haben sie eine Bedrohungsanalyse veröffentlicht. Surespot verwendet allerdings einen zentralen Server und begrenzt die Anzahl der Nachrichten auf 1000. Außerdem schlagen sie ein paar fragwürdige Dinge vor, wie z.B. den privaten Schlüssel auf Google Drive zu speichern.
- Heml.is existiert noch nicht, und ihre Kommunikation zum Thema Verschlüsselung macht mir nur mäßig Hoffnung, aber man sollte Hemlis im Auge behalten;
- TextSecure ist offen, standardisiert und sicher, aber momentan nur auf Android zu benutzen und setzt außerdem (noch) auf SMS auf. Die nächste Version ist in Arbeit und wird voraussichtlich alle Probleme der aktuellen Version lösen. Momentan ist es aber eher ein Nice to Have als eine echte Alternative für Instant Messaging mit anderen.
- Jabber/XMPP mit OTR wäre theoretisch eine hervorragende Lösung, weil sie nicht nur offen, standardisiert und föderiert ist, sondern weil OTR gleich einen ganzen Schwung an Vorteilen gegenüber klassischer Kryptographie mitbringt. So sind Nachrichten nicht nur von einem Angreifer nicht mitzulesen, sondern OTR garantiert, dass alte Nachrichten selbst bei Bekanntwerden der aktuellen Schlüssel nicht auslesbar sind. Außerdem kann man nach Ende einer OTR-Konversation glaubwürdig abstreiten, die Nachrichten darin geschrieben zu haben – wichtig z.B. für Aktivisten. Leider setzt OTR voraus, dass beide Parteien gleichzeitig online sind, sonst verliert man viel Sicherheit. Gruppenchats sind im Protokoll noch nicht vorgesehen, sind aber in Arbeit. Schließlich sind die meisten Jabber-Clients, gerade im mobilen Umfeld, leider schlicht nicht besonders gut.
Was nutzen?
Es gibt keine eindeutige, abschließende Antwort. Man muss sich überlegen, welche Tradeoffs okay sind für das eigene Kommunikationsverhalten. Es wurden schon Aufstände über Telefon, SMS und sogar Twitter koordiniert, aber als Aktivist würde ich mich dennoch für OTR entscheiden. Für die normale Kommunikation privilegierter Menschen in der „First World“ dürften Threema und SureSpot okay sein. Sogar Telegram ist nicht so gravierend unsicher, dass man strikt davon abraten sollte, außerdem können (und wollen) Telegram ihre Verfahren ja noch anpassen. Insgesamt rechne ich Telegram sogar ganz gute Chancen aus, da es von vKontakte unterstützt wird und WhatsApp sehr ähnlich sieht. Die beste Lösung wäre wohl TextSecure v2; das dafür entwickelte Verschlüsselungsverfahren könnte auch asynchrones OTR vereinfachen.