Postkarten

Postkarten rocken.

Daher: Schickt mir Postkarten, ich schicke euch welche zurĂŒck.

Matthias Bauer
Zur Marktflagge 3
10247 Berlin

Bis die Wand voll ist.

Achtung! Bitte denkt daran, eure Adresse irgendwo zu vermerken 😀 Postkarten haben kein Feld fĂŒr Absender


Sicheres Instant Messaging

Facebook kauft WhatsApp fĂŒr $19 Mrd., und jetzt suchen viele User nach Alternativen. Wie sinnvoll das ist, sei mal dahin gestellt – Facebook nutzen eh die meisten, und die zu WhatsApp hochgeladenen AdressbĂŒcher verschwinden ja auch nicht plötzlich, weil man einen anderen Messenger installiert. Jedenfalls aber gibt es gerade viel Unsicherheit und Halbwissen zum Thema sicheres Instant Messaging.

WhatsApp ist funktional, aber ihr Umgang mit Sicherheit ist keine große Erfolgsgeschichte. Als Alternativen werden z.B. Threema, Telegram, SureSpot, TextSecure und Jabber/XMPP gehandelt. Die kurze Version:

  • Threema ist Closed Source und kann somit nicht vertrauenswĂŒrdig sein, außerdem wird der initiale Kaufpreis die Verbreitung einschrĂ€nken (WhatsApp war da geschickter, mit kostenlosem Download und erstem Jahr der Nutzung);
  • Telegram hat hehre Ziele, aber die verwendete VerschlĂŒsselung ist nicht State of the Art. Mehr dazu auf Hacker News, kurz: Nicht mit Sicherheit rechnen;
  • Surespot sind Open Source und die verwendeten kryptografischen Verfahren haben keine offensichtlichen Schwachstellen, außerdem haben sie eine Bedrohungsanalyse veröffentlicht. Surespot verwendet allerdings einen zentralen Server und begrenzt die Anzahl der Nachrichten auf 1000. Außerdem schlagen sie ein paar fragwĂŒrdige Dinge vor, wie z.B. den privaten SchlĂŒssel auf Google Drive zu speichern.
  • Heml.is existiert noch nicht, und ihre Kommunikation zum Thema VerschlĂŒsselung macht mir nur mĂ€ĂŸig Hoffnung, aber man sollte Hemlis im Auge behalten;
  • TextSecure ist offen, standardisiert und sicher, aber momentan nur auf Android zu benutzen und setzt außerdem (noch) auf SMS auf. Die nĂ€chste Version ist in Arbeit und wird voraussichtlich alle Probleme der aktuellen Version lösen. Momentan ist es aber eher ein Nice to Have als eine echte Alternative fĂŒr Instant Messaging mit anderen.
  • Jabber/XMPP mit OTR wĂ€re theoretisch eine hervorragende Lösung, weil sie nicht nur offen, standardisiert und föderiert ist, sondern weil OTR gleich einen ganzen Schwung an Vorteilen gegenĂŒber klassischer Kryptographie mitbringt. So sind Nachrichten nicht nur von einem Angreifer nicht mitzulesen, sondern OTR garantiert, dass alte Nachrichten selbst bei Bekanntwerden der aktuellen SchlĂŒssel nicht auslesbar sind. Außerdem kann man nach Ende einer OTR-Konversation glaubwĂŒrdig abstreiten, die Nachrichten darin geschrieben zu haben – wichtig z.B. fĂŒr Aktivisten. Leider setzt OTR voraus, dass beide Parteien gleichzeitig online sind, sonst verliert man viel Sicherheit. Gruppenchats sind im Protokoll noch nicht vorgesehen, sind aber in Arbeit. Schließlich sind die meisten Jabber-Clients, gerade im mobilen Umfeld, leider schlicht nicht besonders gut.

Was nutzen?

Es gibt keine eindeutige, abschließende Antwort. Man muss sich ĂŒberlegen, welche Tradeoffs okay sind fĂŒr das eigene Kommunikationsverhalten. Es wurden schon AufstĂ€nde ĂŒber Telefon, SMS und sogar Twitter koordiniert, aber als Aktivist wĂŒrde ich mich dennoch fĂŒr OTR entscheiden. FĂŒr die normale Kommunikation privilegierter Menschen in der „First World“ dĂŒrften Threema und SureSpot okay sein. Sogar Telegram ist nicht so gravierend unsicher, dass man strikt davon abraten sollte, außerdem können (und wollen) Telegram ihre Verfahren ja noch anpassen. Insgesamt rechne ich Telegram sogar ganz gute Chancen aus, da es von vKontakte unterstĂŒtzt wird und WhatsApp sehr Ă€hnlich sieht. Die beste Lösung wĂ€re wohl TextSecure v2; das dafĂŒr entwickelte VerschlĂŒsselungsverfahren könnte auch asynchrones OTR vereinfachen.

FĂŒr mehr freien öffentlichen Verkehr!

Das erste Jahr ist um, die Auswertung ist da, und es sieht gut aus: Tallinn hat den öffentlichen Personennahverkehr fĂŒr alle Anwohner kostenlos gemacht. Die Auslastung stieg ĂŒber das letzte Jahr um ĂŒber 10% an, gleichzeitig sank die Verkehrsdichte um fast 10%, der CO2-Ausstoß verringerte sich um 45.000 Tonnen.

Wie in den meisten grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten mit ÖPNV war dieser auch in Tallinn sowieso nicht durch Ticketkauf finanziert, sondern vor allem durch kommunale ZuschĂŒsse. FĂŒr die 12,5 Millionen, die frĂŒher durch den Kauf von Tickets in die Kassen kamen, bekam die Stadt fast 12.000 neu gemeldete Anwohner, die nun in Tallinn Steuern zahlen. Staatliche ZuschĂŒsse gibt es fĂŒr das schon im Vorfeld totgesagte Projekt ĂŒbrigens keine.

Mehr darĂŒber bei der taz: Freie Fahrt fĂŒr Stadtbewohner.

Panopticon to the People

Die meiste Zeit bin ich ein gesetzestreuer BĂŒrger. Wenn man von ein paar mal Falschparken, ein, zwei GeschwindigkeitsĂŒbertretungen, und der einen dunkelgelben Ampel absieht, ist meine Weste komplett unbefleckt. Ich hĂ€tte nichts dagegen, das kapitalistische Schweinesystem abzuschaffen, weil ich sehe, was es mit mir, meinen Freunden und Bekannten, und der Gesellschaft anstellt, aber ich probe auch nicht den bewaffneten Aufstand, ja, ich habe nicht einmal einen schwarzen Hoodie.

Trotzdem besorgt mich die Überwachung durch die Geheimdienste, die NSA, das GCHQ, BND und BfVS und wie sie alle heißen. Trotzdem habe ich Bauchschmerzen bei der Datensammelwut der Onlinedienste von Facebook, blocke Werbung und Tracking-Dienste, nutze den Incognito-Modus, verschiedene Browser-Profile, gelegentlich Tor, verschlĂŒssele meine Instant Messages und einige meiner Mails, erzwinge SSL fĂŒr meine Webseite, meinen Mailserver, meinen Jabber-Server.

Und andererseits stelle ich eine Menge meiner Daten einfach so ins Netz. Das ist ein Mittel der Kontrolle – Daten, die ich selbst veröffentliche, mĂŒssen sich andere Interessierte nicht aus dritten, eventuell schlecht gepflegten oder schlicht falschen Quellen erarbeiten. Es ist aber auch ein Schritt in Richtung Transparenz, den ich wichtig finde.

Das Problem an der Überwachung, so meine These, ist nicht das Erheben und Speichern der Daten, sondern, dass das zentralisiert und intransparent geschieht. Es herrscht ein unglaubliches MachtgefĂ€lle zwischen dem*der „einfache*n BĂŒrger*in“, als Ziel der Überwachung, und der NSA, die in einem gigantischen, verspiegelten, funkwellengeschĂŒtzten schwarzen GebĂ€ude sitzt und ĂŒber zehn Milliarden US-Dollar pro Jahr fĂŒr neue Technologie und Technik zur VerfĂŒgung hat und ausgibt, wo ein*e einzelne*r Mitarbeiter*in dank immer besserer „Big Data“-Tools in Sekundenschnelle Tausende Profile durchforsten und aggregieren kann. Besonders, wenn jede*r erst mal verdĂ€chtig ist.

Der ĂŒberwachte Mensch hat keine Handhabe gegen das alles sehende Auge: Ihm*ihr wird weder mitgeteilt, dass er*sie ĂŒberwacht wird, noch, was ĂŒber ihn*sie gespeichert wird. Er*sie hat keine Möglichkeit, Dinge zu korrigieren, es gibt keine direkte Widerspruchsmöglichkeit und mittlerweile nicht einmal mehr unbedingt rechtsstaatliche Verfahren. Das Risiko, wegen eines fehlerhaften Algorithmus oder eines Eingabefehlers unvermittelt von einem Sondereinsatzkommando aus dem Bett geholt und fĂŒr ein paar Jahre in einem GeheimgefĂ€ngnis im Ausland zu landen, ist greifbar, wenn auch derzeit noch klein. Es entsteht ein fehleranfĂ€lliges System ohne Kontrollmöglichkeiten, sodass die Überwachung eine Gefahr fĂŒr jede*n Einzelne*n darstellt.

Was aber, wenn wir unsere Daten fĂŒr alle zugĂ€nglich machen? Wenn auch die NSA-Angestellten in den Datensammlungen auftauchten, und all ihre Bewegungen fĂŒr jede*n nachverfolgbar wĂŒrden? Wenn wir den Behörden nicht fĂŒr jede noch so kleine Information hinterherlaufen mĂŒssten, sondern Polizeivideos, Auswertungen, BeschlĂŒsse, kurz: alles automatisch öffentlich wĂ€re? Informationsfreiheitsgesetze sind nur ein winziger Schritt in diese, richtige Richtung. Doch trotz ihrer – zaghaften – EinfĂŒhrung verbleibt der Aufwand, Anfragen zu stellen, immer noch bei den BĂŒrgern. Viel zu hĂ€ufig ziehen sich Behörden und andere Auskunftspflichtige immer noch mit dem Verweis auf „GeschĂ€ftsgeheimnisse“, „Vertraulichkeitsvereinbarungen“, „Urheberrecht“, und „Sicherheitsinteressen“ zurĂŒck, um der Politik und / oder Wirtschaft womöglich nicht genehme Fakten nicht in die Öffentlichkeit gelangen zu lassen.

Statt des bisherigen Gerangels um Stufen und Grenzen bei NebeneinkĂŒnften könnte einfach jede*r von uns die SteuererklĂ€rung seines*ihres Abgeordnete*n anschauen. Vielleicht sogar dessen KontostĂ€nde. Oder auch die des*der Nachbar*in. Norwegen, Schweden und Finnland machen es im Geiste des Janteloven mit öffentlichen Einkommens- und Steuerregistern schon vor (ZEIT, Spackeria, Elchburger). Wir wĂŒssten, welches Gehalt die BĂŒronachbarin bekommt, oder der Chef. Oder wir gehen legen noch mehr Daten offen: wie viel hat das Magazin im Wartezimmer unseres Arztes fĂŒr den Artikel ĂŒber ein neues homöopathisches Medikament eingestrichen? Spekuliert die BVG gerade wieder mit Millionen? Wie passierte die Kostenexplosion bei der Elbphilharmonie? Mit einem Mal ginge das ganz ohne Untersuchungsausschuss.

Hierzulande ist die Veröffentlichung solcher Daten noch völlig utopisch. Nicht zuletzt, weil da noch eine Menge Probleme zu lösen sind, was die Be- und Verurteilung von abweichendem Verhalten und Minderheiten angeht. Wollen wir Neonazi-Gruppen die Möglichkeit geben, Details ĂŒber Hassobjekte in ihrer Umgebung zu erfahren, in der Hoffnung, dass die Nazis einfach vorher auffliegen wĂŒrden? Was ist mit sexueller IdentitĂ€t, mit legitimem Widerstand gegen MissstĂ€nde in Staat und Gesellschaft, wie verhindern wir, dass so einfach nur eine andere Form des Totalitarismus entsteht?

Doch der Geist geht nicht mehr in die Flasche zurĂŒck. Technologie entwickelt sich immer schneller, Überwachung und Datensammlung werden immer einfacher, schneller und robuster. Außer mittels einen Butler’schen Jihad ist auch keine Änderung dieser Entwicklung absehbar. Deshalb mĂŒssen wir uns dringend Gedanken ĂŒber die Weiterentwicklung von Ethik und Gesellschaftsbild machen und einen möglichst positiven Umgang mit dem Thema finden. FĂŒr Transparenz statt Überwachung, und Empowerment statt Repression.

Was ich bereits jetzt als politische Mindestforderung fĂŒr valide und wichtig halte, ist die totale Transparenz von Politiker*innen. Wer demokratisch legitimiert sein will, ist den BĂŒrgern Rechenschaft schuldig. Hier gibt es kein Wenn und Aber. Es kann nicht angehen, dass Deutschland sich seit Jahren vor der Ratifizierung eines Antikorruptionsgesetzes drĂŒckt, dass NebeneinkĂŒnfte nur grob gestaffelt und mit Obergrenzen angegeben werden, dass Lobbyverbindungen nicht offen gelegt werden und dass ein sehr großer Teil der politischen Wurst außer Sichtweite der Öffentlichkeit gemacht wird. Das muss sich Ă€ndern, wenn wir uns auch weiterhin demokratisch nennen wollen.

Und ĂŒber alle anderen Auswirkungen und Schlussfolgerungen mĂŒssen wir dringend nachdenken, statt uns immer wieder in die gleichen alten Muster zurĂŒckdrĂ€ngen zu lassen.

Vielen Dank an Lena und Katharin fĂŒr Probelesen, Redaktion und beigesteuerte Ideen.

Weitere sehr interessante LektĂŒre zum Thema Überwachung, Überwachungskritik und gesellschaftlichem Kontext: SaU zu Überwachungskritik (via foxitalic).

Test your vocabulary in four minutes

On the basis of your results, we estimate you know 81% of the English words.
You are at the top level!
— Ghent University Word Test

Well, that feels good.

It’s funny because just two days ago, I talked to Liron about how I feel my English vocabulary is lacking and how my expressiveness often feels limited to me. After some deliberation, we found out that we both struggle in similar areas – mostly social sciences, political terms, and similar domains full of technical terms. So yeah, maybe my English isn’t as bad as I think, I just pick hard topics to talk about.

If you want to test your English vocabulary and have a few minutes to spare, you can help the psycholinguists at the Ghent University by taking their Word test. Please do share your results in the comments!

Vocabulary test result: You know 81% of English words.

Also interesting: The variance stemming from the word sampling. In three tests, I got 76%, 81% and 89%. That last run seemed like it had almost no non-words.

Google verkauft Motorola, Medien sparen Recherche

Google verkauft Motorola fĂŒr 2,91 Milliarden USD an Lenovo, nachdem sie 2011 erst 12,5 Milliarden USD dafĂŒr bezahlt haben. Schlechter Deal, so sieht es auf den ersten Blick aus – fast 10 Milliarden Wertverlust in nur drei Jahren? Entsprechend stĂŒrzen sich die Medien und die Kommentare auch auf die Story. Jeder darf mal ĂŒber Google und ihre Akquisepolitik lachen.

Was nur die wenigsten im Eifer des Gefechts bedenken, ist die Recherche. Oder wenigstens mal kurz darĂŒber nachzudenken, ob Google, die generell doch recht erfolgreich sind und ein Heidengeld einnehmen, wirklich so bescheuert sein können.

Zwei rĂŒhmliche Ausnahmen gab es dann auch – die Kommentatoren bei Hacker News zum Thema waren wie fast immer zurĂŒckhaltend, bedacht, und gut informiert, und kurz darauf gab es dann auch einen gut recherchierten Artikel in der New York Times dazu. (Und ich wĂŒnschte mir, das gestern mittag direkt verbloggt zu haben, und allen deutschen Medien zuvor gekommen zu sein. Nun ja.)

Die kurze Rechnung ist diese

Google bezahlte 2011 $12,5 Mrd. fĂŒr Motorola und kaufte dabei gleich noch $3,3 Mrd. in „Cash“ mit. Weil Motorola außerdem seit Jahren nicht profitabel war, hatten sie SteuervergĂŒnstigungen im Wert von $2,5 Mrd. zu ihren Gunsten, der „effektive“ Kaufpreis war also, vereinfacht gesagt, bei etwa $6,7 Mrd. Dann verkaufte Google fast sofort Motorola Home, die Set-Top-Boxen fĂŒr Fernseher herstellen, fĂŒr $2,35 Mrd., und machte mit dem Rest nochmal $1 Mrd. Verlust, der zu weiteren SteuervergĂŒnstigungen fĂŒhrte. Summa summarum kommt man mit den $2,1 Mrd. auf rund $10,5 Mrd. von den initialen $12,5 Mrd., die Google wieder „gutgemacht“ haben. (Und ja, die Berechnung ist nicht ganz exakt, weil noch nicht alle Zahlen veröffentlicht wurden, aber der Fehler liegt bei maximal knapp einer Milliarde USD. Also eine andere GrĂ¶ĂŸenordnung als „lol google kann nicht mit geld“.) Außerdem behĂ€lt Google den grĂ¶ĂŸten Teil der Patente und lizenziert diese nur an Lenovo.

Beispiele

  • Horizont ist sich nicht zu schade fĂŒr „stĂ¶ĂŸt die 2012 fĂŒr satte 12,5 Milliarden US-Dollar erworbene Mobility-Sparte von Motorola ab“ und ignoriert Motorola Home und die Patente komplett.
  • Die SĂŒddeutsche Zeitung verwendet drei AbsĂ€tze auf „lol google“, bevor sie dann aufklĂ€ren, dass vielleicht alles doch gar nicht so schlimm ist.
  • Der Standard berichtete zwar lobenswert frĂŒh und vergisst auch nicht die Home-Sparte, rechnet aber die Cash-Reserven und Abschreibungen nicht ein. DafĂŒr gab es aber heute frĂŒh einen Nachtrag.
  • Format.at erwĂ€hnt zwar die Patente und den vermuteten Samsung-Deal, spricht aber dennoch von „verscherbeln“ (und von 2001 statt 2011).
  • Telekom-Presse.at spricht vom „bei weitem schlechtesten Deal“.
  • Der SPIEGEL impliziert den Wertverlust, ergötzt sich aber immerhin nicht daran, Ă€hnlich der Focus.

Wohlgemerkt, hier liegt ein Fall vor, wo fast alle nötigen Fakten in Datenbanken verfĂŒgbar waren. Trotzdem wird nicht so weit recherchiert – was in diesem Fall sogar okay sein könnte, wenn nicht sofort der Google-Beißreflex anspringen wĂŒrde.

Was mit Erfahrung

Meine beste Reise hatte nicht mehr Vorbereitung als einen gebuchten Flug, einen reservierten Mietwagen, und ein bisschen Bargeld. Wir suchten uns auf der Karte ein Ziel aus, schauten, was so am Weg lag, hielten beliebig an, und suchten gegen Abend auf Google Maps fĂŒr teure Roaming-Pakete eine Pension oder ein Hotel in der NĂ€he.

Fast genau so gut waren die Reisen, wo ich mich einfach am spĂ€ten Nachmittag ins Auto setzte und zur Nordsee gefahren bin, um den Sonnenuntergang anzuschauen. Besonders schön im Sommer, mit Inverter am ZigarettenanzĂŒnder und elektrischem Luftbett im Kofferraum. Bonuslevel: Nach dem Sonnenuntergang einmal quer rĂŒber fahren und sich am nĂ€chsten Morgen vom Sonnenaufgang wecken lassen.

Lena war am Montag Abend bei Fritz Blue Moon zum Thema Alleine Reisen (mp3). Hört es euch an, lest den Artikel bei kleinerdrei, lasst euch inspirieren.

Ich habe zwar kein Auto mehr, aber Home Office und eine BahnCard 100, und es wird Zeit, die ordentlich zu nutzen.

<3

Abendprogramm

Alles, was ich will, ist allein sein. Gemeinsam mit ihr.

Hallo, mein Name ist moeffju und ich interessiere mich sehr fĂŒr den Gast ihrer Sendung.

Etwa sechs Drinks spĂ€ter – der Akku ist bei 8% – habe ich doch nicht angerufen.

Irgendwo singt jemand ein Lied vom Ende, auf Twitter wÀhrenddessen:
Lyrik von Lindemann.

Das Messer hat ein Herz beschmiert
Schön dick mit nutellaŸ
Ich weine im Gedanken
An meine Mutter
Mit Butter
Und Ei

Mir graut vor der Nacht. Wegen des Alkohols, wegen Lindemann, und weil ich bereits gestern um 5 Uhr von meinen Halsschmerzen geweckt wurde. Das ist jetzt die achte Woche der letzten zwölf, in der ich krank bin, und ich wĂŒnschte mir, mein Immunsystem wĂŒrde langsam mal wieder einchecken. Nicht, dass ich kein VerstĂ€ndnis habe fĂŒr den Freiheitsdrang, Reisen bildet nicht nur, es erweitert auch das Weltbild und die Immunisierung, frĂŒher oder spĂ€ter. Aber wo sich tĂ€glich und nĂ€chtlich die hustenden, keuchenden, niesenden Massen mit all ihren Bazillen und Bakterien und Viren durch den öffentlichen Nahverkehr in die BĂŒros und Bars schleppen, da wĂ€re es schon praktisch, so ein Immunsystem.

Vielleicht bin ich auch schon weiter auf meinem Lebensweg, als ich bisher in meiner jugendlichen NaivitĂ€t zu glauben bereit war. Vielleicht aber auch nicht – und diesen Gedanken bevorzuge ich deutlich und behalte ihn.

Der dritte Drink kommt im Highball-Glas, ist aber ein Longdrink, im Buch geht es gerade um Whisky, das Kapitel ist weniger unappetitlich als das ĂŒber den Rum, vor allem, weil es die britische Marine weniger hĂ€ufig erwĂ€hnt – um genau zu sein, nĂ€mlich ĂŒberhaupt nicht. Der Nebentisch hat sich irgendwie Pommes organisiert, was in der Belle Etage schon ein wenig auffĂ€llt, doch schon dreißig Minuten spĂ€ter werden ihnen drei weitere Tische folgen, diesen Trendsettern.

Ich habe so viel losgelassen im Leben. All die Aphorismen? Könnt ihr vergessen. Wenn sie recht haben, sind sie unnötig, wenn sie nicht recht haben, sind sie ein schwacher Trost. Beim Loslassen ist man ganz auf sich gestellt. Es zahlt sich aus, sich vorher eine gefestigte Persönlichkeit zuzulegen. Und hinterher ist man immer klĂŒger.

Dann spricht der Hexenmeister. Hunderte bunter Lichter umspielen seine Silhouette, der Abschluss des Abends ist gelungen, die Menge beginnt langsam, sich zu zerstreuen, schließlich ist es erst Montag. Und wĂ€hrend seine Geister fleißig nach seinem Willen leben, entschwinden wir in die lichtverschmutzte Nacht. Seine Wort’ und Werke haben wir uns gemerkt, aber die Vision verblasst.

Nehmt ihn mit zurĂŒck nach Avalon!

Away!

Ach, Amazon

Mea culpa. Mea maxima culpa. Ich habe GlĂŒhlampen bei Amazon bestellt.

Ich habe lange ĂŒber die Ökobilanz nachgedacht, verdammte GlĂŒhlampen im Internet zu kaufen und sie aus einem Lager bei Bad Hersfeld nach Berlin transportieren zu lassen. Aber ich wollte energiesparende und gleichzeitig helle Leuchtmittel, und um die zu kriegen, hĂ€tte ich auf Verdacht zu BaumĂ€rkten fahren mĂŒssen, entweder mit dem Auto, oder ungleich lĂ€nge und aufwendiger mit dem ÖPNV. Alles ohne Garantie, den Artikel dort dann auch wirklich zu finden.

Gleichzeitig macht sich Amazon Gedanken ĂŒber ihre Bilanz und hat vor einiger Zeit aufgehört, solche kleinen Artikel versandkostenfrei zu verschicken. Das heißt „Plus-Produkt“ und bedeutet, dass man – wie frĂŒher – fĂŒr mindestens 20 Euro einkaufen muss, um keine Versandkosten zu zahlen, bzw. jetzt sogar, um diese Artikel ĂŒberhaupt bestellen zu können.

Aber kein Problem, GlĂŒhlampen kaufe ich sowieso immer mindestens zwei auf einmal, dann noch ein Artikel von der Merkliste dazu und noch ein Buch fĂŒr eine Freundin, alles klar. Der Ökobilanz zuliebe und weil nun wahrlich nichts davon eilig war, wĂ€hlte ich „Komplettlieferung” aus, damit wenigstens nur ein Paket auf die Reise gehen muss, und wartete ab.

Zuerst kam das dazu bestellte Buch. Ganz allein in einem Paket.

Und die VersandbestĂ€tigung fĂŒr eine GlĂŒhbirne.

Und eine AnkĂŒndigung, ein weiteres Paket wĂŒrde in KĂŒrze versendet.

Einen Tag spĂ€ter zwei Pakete mit jeweils einer GlĂŒhbirne.

Trotz Plus-Produkt, trotz Komplettlieferung. Sorry, Ökobilanz!

Ach, Amazon. Ach, Kapitalismus. Denn irgendwo sind die Incentives so gesetzt, dass sich diese Song-and-Dance-Routine fĂŒr Amazon und DHL und mich gelohnt hat.

Good bye, feedly

Nachdem Google Reader eingestellt wurde, habe ich nach einer brauchbaren Alternative fĂŒr die mobile Nutzung gesucht. Als kostenloses Angebot wurde damals hĂ€ufig feedly empfohlen, auch weil diese versprachen, eine Ă€hnlich offene Plattform wie Google Reader zu bieten, auf die andere Feedreader zugreifen könnten.

Neulich habe ich feedly deinstalliert.

Was von Anfang an nervte, war das UI/UX von feedly. Sowohl im Web als auch in der App werden wahllos Interaktionskonzepte durcheinander geworfen, umgeworfen, und so die Nutzbarkeit erschwert. In der Desktop-Version haben feedly immerhin endlich eingesehen, dass ein Feedreader vielleicht einen halbwegs sichtbaren Button gebrauchen kann, um neue Inhalte hinzuzufĂŒgen – vorher war das in einer ausfahrenden Seitenleiste versteckt. In der App navigiert man durch eine vertikale, aber in Seiten unterteilte Liste von Feed-EintrĂ€gen durch horizontale Wischbewegungen bis zum Ende der neuen Artikel, dann landet man bei einer „At end“-Seite, was aber nicht daran hindert, beliebig oft weiter „nach rechts“ zu wischen. ZurĂŒck nach links landet man dann sofort bei „At start“, bevor man den Content wieder erreicht. Um das Lesen zu beenden, wischt man den Bildschirm nach oben weg. Um dann auf neue Inhalte zu prĂŒfen, kann man einen Button antippen, oder nochmal nach oben wischen – danach muss man aber zum Refreshen nach unten ziehen, wobei der Bildschirm nach „hinten“ geht. Weird, aber man gewöhnt sich dran, na gut.

Der nĂ€chste Strike gegen feedly war, als sie anfingen, alle Links durch ihren eigenen Shortener und Redirector zu jagen. Alles, was man naiv mit feedly shared, ist damit davon abhĂ€ngig, dass feedly existiert und diesen URL-Shortener weiter betreibt – und keine Daten verliert. Solche Dinge machen das Web kaputt. Ein Workaround ist, den Browser als Standard-Action festzulegen und dann von dort aus zu sharen – ein extra-Tap, grade noch aushaltbar.

Jetzt haben feedly ein Feature ausgerollt, das noch ein StĂŒck weiter geht: Feedly versteckt den Content hinter einer eigenen Umleitung und liefert anderen Content aus, so dass z.B. auf Twitter oder Facebook in der Vorschau der feedly-Brand angezeigt wird. Außerdem zeigen diese Links standardmĂ€ĂŸig auf eine von feedly umformatierte Version des Inhalts.

Feedly bieten zwar keine direkte, aber immerhin eine Möglichkeit an, einen feedly-Account zu löschen.

(Ich versuche jetzt mal Newsblur. Außerdem wurden mir BazQux und FeedBin empfohlen. Das Schöne an Newsblur ist aber, dass der gesamte Code offen ist, man ist also nicht an newsblur.com gebunden.)

Siehe auch: Hacker News-Diskussion.